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Friedenspreis für Jaron Lanier : Wir sind die Schöpfer der Kultur

Digitaler Humanist: Jaron Lanier Bild: dpa

In seiner Laudatio auf den Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels hält der EU-Parlamentspräsident Martin Schulz ein Plädoyer für die Menschenrechte im digitalen Zeitalter. Und erinnert an den verstorbenen Mitherausgeber der F.A.Z., Frank Schirrmacher.

          Martin Schulz, der Präsident, des EU-Parlaments, hat bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, die Digitalisierung als Prozess bezeichnet, „der die Gesellschaften auf der ganzen Welt in einer Totalität herausfordert, wie dies zuletzt geschah, als die industrielle Revolution mit Macht das Gesicht der Welt verändert hat“. Und kaum jemand, sagte Schulz in seiner Laudatio, habe die Gefahren, die daraus erwachsen, genauer benannt als der Internetvordenker und Künstler und vom Börsenverein zum diesjährigen Träger des Friedenspreises berufene Jaron Lanier.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Lanier, zitierte Schulz den verstorbenen Mitherausgeber dieser Zeitung, Frank Schirrmacher, sei „einer der Cyber-Gurus Amerikas und Protagonist jener neuen Intellektuellenszene, von der Europa noch kaum eine Ahnung hat und doch endlich haben müsste, um aus dem Schlaf des alten Jahrhunderts aufzuwachen.“ Schirrmacher, sagte Schulz, sei selbst „ein großer Visionär und Humanist“ gewesen, seinen tragischen, viel zu frühen Tod habe man hier in der Frankfurter Paulskirche vor wenigen Wochen betrauert.

          Der Mensch ist nicht programmierbar

          Das digitale Zeitalter, sagte Schulz, zeige sich als Prozess, „der die sozialen Beziehungen, unsere Art des Wirtschaftens, die konstitutive Verfasstheit, unsere Werte, unsere Kultur in Frage stellt.“ Deshalb gelte es, auf jemanden wie Lanier zu hören. Lanier sei „Literat, Musiker, Wissenschaftler, Unternehmer, Lehrer, Aktivist und Erfinder“. Seine Biographie sei ein „schillerndes Beispiel für eine Patchwork-Identität, die nur auf den ersten Blick postmodern“ anmute. Tatsächlich erinnere sie an das Humboldtsche Bildungsideal. Lanier verteidige „die Einzigartigkeit des Menschen im digitalen Zeitalter“ und warne davor, „Computer und Netzwerke über das Menschliche zu stellen, den Menschen also klein zu machen“. Das aber sei die Ideologie mancher Vertreter des Silicon Valley – den Menschen programmierbar zu machen, wovon etwa der Google-Gründer Larry Page gesprochen habe.

          Er wende sich nicht gegen die digitalen Technologien an sich, sagte Schulz. Doch sei der Glaube, dass Menschen nur die Summe ihrer Daten seien, entwürdigend und verkenne, „wer der Schöpfer von Kultur ist“. Es seien „Schriftsteller, Musiker, Filmemacher, Ingenieure, Programmierer, Journalisten und andere Kreative, die die Inhalte erdenken, die sich im Netz finden.“ Deshalb sei „es auch nicht hinnehmbar, dass nur einige Wenige mit diesen kulturellen Leistungen Milliardengewinne machen, während mancher Urheber eines Werkes leer ausgeht.“ Kulturelle Leistungen müssten ihren Wert haben. Wozu unter anderem auch die Buchpreisbindung diene.

          Keine Trennung zwischen digitaler und analoger Welt

          Bei der Digitalisierung, sagte Schulz, gehe es um gesellschaftliche Fragen. Und die gingen alle an. Es gebe keine Trennung mehr zwischen digitaler und analoger Welt. Er, so Schulz, wolle in einer „digitalen, demokratischen Gesellschaft“ leben, dafür gelte es sich einzusetzen. Mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalte Jaron Lanier, wie schon Frank Schirrmacher gesagt habe, „einen eminent politischen Preis“ – der Börsenverein habe mit der Vergabe eine mutige Entscheidung getroffen. 

          Der Friedenspreis wird seit 1950 im Auftrag der Mitglieder des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, dem Dachverband der Verlage und Buchhandlungen in Deutschland, vergeben. Er ist mit 25 .000 Euro dotiert. Im vergangenen Jahr hatte die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch den Preis erhalten.

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