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Frauen und Literaturpreise : Schreiben Männer die besseren Bücher?

Herausragende Autorin: Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller bei einer Lesung in Prüm Bild: Picture-Alliance

Nur eine einzige Frau hat heute Chancen auf den Deutschen Buchpreis. Warum ist die Literatur so fest in männlicher Hand? Und würden mehr Frauen in den Jurys das ändern?

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          Vor einiger Zeit trug die Bloggerin Anne Schüßler Zahlen zum Deutschen Buchpreis zusammen, die zeigten: In keinem einzigen Jahr waren auf der Longlist oder der Shortlist mehr von Frauen als von Männern verfasste Bücher vertreten. 55 Prozent der schließlich mit dem Preis ausgezeichneten Bücher stammten von Frauen, aber auf der Shortlist machten sie nur 32 Prozent aus, auf der Longlist gar nur 29. Ob das optimale Chancenverwertung ist oder strukturelle Diskriminierung, ist eine Frage der Perspektive - jedenfalls wird das jedes Jahr aufs Neue durchgezählt und der Jury oder gleich dem Literaturbetrieb vorgeworfen. Der einzig mögliche konkrete Schluss ist: Nach Ansicht der jährlich wechselnden Jurys schreiben Männer generell bessere Bücher, aber Frauen hin und wieder herausragende.

          Julia Bähr
          (bähr), FAZ.NET

          Beim Büchner-Preis hingegen geht es nicht um einzelne Bücher, sondern um das gesamte Werk. Dort überwiegen die Männer nicht nur unter den Preisträgern, sondern auch in der Jury, die aus dem Präsidium der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung besteht und daher keine sehr hohe Fluktuation aufweist. Hinzu kommen Vertreter der Bundesregierung, des Landes Hessen und der Stadt Darmstadt. Der Frauenanteil dieser Jury seit 2001 kann nur als spektakulär niedrig bezeichnet werden: Er liegt bei vierzehn Prozent. Zum Vergleich: Von den Aufsichtsräten der 200 größten deutschen Unternehmen sind achtzehn Prozent weiblich. Da wirkt der Anteil weiblicher Büchner-Preisträger mit immerhin einem Viertel geradezu imposant.

          Deutlich besser vertreten sind Frauen in Klagenfurt bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur. Hier sind die Preisträger am jüngsten, und die Frauen liegen nahezu gleichauf mit den Männern: Sie machten 44 Prozent der Jurymitglieder aus, 46 Prozent der eingeladenen Autoren und 46 Prozent der Hauptpreisträger. Doch das ist natürlich ein Durchschnitt, der nichts über einzelne Jahrgänge aussagt. Frappierend ist der direkte Vergleich der Jahre 2007 und 2015. 2007 waren von achtzehn der zum Bachmann-Preis eingeladenen Autoren nur vier weiblich, und keine einzige von ihnen konnte einen der Preise ergattern. Nur acht Jahre später bot sich ein nahezu umgekehrtes Bild: Unter vierzehn eingeladenen Autoren waren nur vier Männer, und keiner von ihnen wurde mit einem Preis ausgezeichnet.

          Zeichnet sich da ein Trend ab? Erobern die jungen Frauen allmählich den Bachmann-Preis? Mitnichten. Es ist ein Auf und Ab. Auch vor der preislosen Durststrecke, die die Jahre 2007 und 2008 betraf, waren die Frauen immer wieder mal sehr erfolgreich – und auch danach schnitten sie gelegentlich deutlich schlechter ab als männliche Autoren.

          Vom Bachmann-Preis zum Büchner-Preis – irgendwo auf dieser Strecke, zwischen einer einzelnen Geschichte und dem Lebenswerk, werden die Schriftstellerinnen also von ihren männlichen Kollegen überholt. Dieses Phänomen ist aus anderen Lebensbereichen bekannt: Frauen machen das bessere Abitur, arbeiten später allerdings in weniger hochdotierten Jobs. Da sind die Gründe schwer auszumachen, doch bei den Literaturpreisen sind die Verantwortlichen schnell gefunden: Es wird zumeist dem niedrigen Frauenanteil in den Jurys angelastet.

          Tatsächlich war das erste Jahr beim Deutschen Buchpreis, in dem vier Jurorinnen drei Juroren gegenüberstanden, auch das erste, in dem die Frauen auf der Longlist vierzig Prozent ausmachten und auf der Shortlist fünfzig. Aber statistisch ist die Annahme, Jurorinnen würden Autorinnen bevorzugen, nicht belegbar. Das bedeutet erstens, dass nicht mehr Frauen in die Jurys müssen, wenn das Ziel ist, dass mehr Frauen Preise bekommen. Es bedeutet aber zweitens, dass die Jurys durchaus rein weiblich besetzt sein dürften – ohne dass die Männer zu kurz kämen.

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