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Terézia Mora siegt & dankt : Deutscher Buchpreis für ein kühnes Werk

Die Autorin und Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2013 Terézia Mora („Das Ungeheuer“) mit ihrer Urkunde nach der Verleihung des Deutschen Buchpreises am 7. Oktober 2013 im Kaisersaal des Frankfurter Römers. Bild: Röth, Frank

Ein Lob auf alle Helferfiguren: In ihrer Dankrede zur Verleihung des Deutschen Buchpreises rühmt die Siegerin Terézia Mora all jene, die ihr bei ihrem einsamen Geschäft treu zur Seite stehen.

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          Zum Bücherschreiben brauche es ein ganzes Dorf, sagte Terézia Mora am Montagabend, kurz nachdem sie im Frankfurter Römer für ihren Roman „Das Ungeheuer“ den mit 25.000 Euro dotierten Deutschen Buchpreis 2013 entgegennahm. Sie wollte all jenen Helfern danken, die ihr nicht nur im Leben als Schriftstellerin zur Seite stünden und dafür sorgten, dass sie beim Schreiben auch hin und wieder etwas esse.

          Sandra Kegel
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Ihre meist einsamen Romanhelden seien ebenfalls von Helferfiguren umgeben, stellte Mora unlängst fest, als sie sich darauf vorbereitete, eine Dankesrede für den Fall der Fälle zu schreiben, und diesen Gedanken, wie sie jetzt auf der Bühne im vollbesetzten Kaisersaal gestand, rasch wieder verwarf.

          Es ist ein feiner Strich nur, der den großen Formwillen dieser Schriftstellerin zeigt. Dass die Jury des Deutschen Buchpreises Terézia Moras Roman zum besten belletristischen Werk des Jahres erklärt, der das Wagnis eingeht, zwei Geschichten parallel nebeneinander her zu erzählen, ist eine gute Wahl. 1971 im ungarischen Sopron geboren, lebt die Autorin seit 1990 in Berlin und schreibt ein so sinnliches wie stilsicheres und präzises Deutsch. „Das Ungeheuer“ ist die Fortsetzung ihres erzählerischen Projekts um den IT-Spezialisten Darius Kopp.

          Der gescheiterte Lebenskünstler, der schon in ihrem Roman „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ von 2009 im Mittelpunkt stand, hat inzwischen sein Lebensglück verloren. Seine Frau Flora hat sich das Leben genommen, und Darius, der vor der Frage steht, wo er Floras Asche begraben soll, begibt sich auf eine Reise nach Ungarn, in Floras Heimat. Im Gepäck hat er die Asche und den Laptop mit zahllosen Dateien der Verstorbenen. Das ist der Moment, an dem Terézia Mora die Einheit der Erzählung in zwei Stränge auflöst. Die obere Hälfte jeder Buchseite erzählt von Kopps Reise, die untere gibt Floras Notate wieder.

          Gruppenbild mit Siegerin von links nach rechts: Die Autoren Clemens Meyer, Reinhard Jirgl, Terézia Mora, Marion Poschmann, Mirko Bonné und Monika Zeiner waren mit ihren neuen Roman auf der Shortlist vertreten
          Gruppenbild mit Siegerin von links nach rechts: Die Autoren Clemens Meyer, Reinhard Jirgl, Terézia Mora, Marion Poschmann, Mirko Bonné und Monika Zeiner waren mit ihren neuen Roman auf der Shortlist vertreten : Bild: dpa

          Nominiert für den Preis waren insgesamt sechs Autoren, drei Männer und drei Frauen, die allesamt neben ihren Verlegern und Lektoren in den Frankfurter Römer gekommen waren.

          Mirko Bonné schickt in seinem Roman „Nie mehr Nacht“ einen ebenfalls Helden auf eine Reise, der sich mit den traumatischen Folgen eines Selbstmords konfrontiert sieht. Ira, seine geliebte Schwester, hat sich das Leben genommen.

          Auch der stets freundlich-kluge Reinhard Jirgl hatte es mit seiner ultimativen Abrechnung des Menschengeschlechts, „Nichts von Euch mit auf Erden“, einem Epos über den Krieg aller Kriege im fünfundzwanzigsten Jahrhundert, unter die letzten sechs geschafft, außerdem Monika Zeiner mit ihrem Debüt „Die Ordnung der Sterne über Como“ über eine Berliner Menage-à-Trois. Der 1977 in Leipzig geborene Clemens Meyer war mit seinem Gesellschaftsporträt „Im Stein“, einer schonungslosen Innenansicht aus dem Rotlichtmilieu, ebenso als möglicher Sieger ins Gespräch gebracht worden wie Marion Poschmann, deren Roman „Die Sonnenposition“, der ein poetisch dichtes Panorama zur deutschen Geschichte entfaltet, überzeugte.

          Die fünf Autoren, die es neben Terézia Mora auf die Shortlist geschafft hatten, erhielten für das Erreichen der Endrunde je 2.500 Euro.

          Die siebenköpfige Kiritikerjury, an der in diesem Jahr auch Andreas Platthaus, Redakteur dieser Zeitung, angehörte, hatte 254 Neuerscheinungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gesichtet. Die Preisverleihung, bei der sich wie jedes Jahr der Literaturbetrieb zum Vorglühen einfindet, wurde von Gert Scobel moderiert, der den Abend zum Sonnenaufgang erklärt. Wie strahlend die Buchmesse sein wird, das werden die nächsten Tage zeigen.

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