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Sachbücher aus der F.A.Z-Literaturbeilage : Ein Zweibeiner ist noch lange kein Selbstläufer

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Bild: F.A.Z.

Kurt Bayertz erzählt die Ideengeschichte des aufrechten Ganges, Tom Holland vom Aufstieg des Islam und Miriam Gebhardt, wie die Frauenbewegung die Frauen verloren hat. Dies und mehr in unserer Auswahl aus den Sachbüchern in der F.A.Z.-Literaturbeilage zur Buchmesse.

          Kurt Bayertz erzählt die Ideengeschichte des aufrechten Gangs, Tom Holland vom Aufstieg des Islam und Miriam Gebhardt, wie die Frauenbewegung die Frauen verloren hat. Dies und mehr in unserer Auswahl aus den Sachbüchern in der F.A.Z.-Literaturbeilage zur Buchmesse.

          Die Füße sind Menschen und Thieren gegeben, dass sie feste stehen und sich von einer Stelle in die andere bewegen können. Ein Mensch hat zwei Füße, damit er desto gewisser stehen kann, denn auf einem Fuß steht man nicht gewiss.“ So schrieb es der Philosoph Christian Wolff im frühen achtzehnten Jahrhundert und auf den ersten Blick scheint an dieser bescheidenen Einsicht nichts auszusetzen. Obwohl einem der zur Absicherung unserer Standfestigkeit herangezogene Vergleichsfall der Einbeinigkeit dann doch stutzig macht. Denn die ist ja unter den anderen Lebewesen gerade nicht zu finden. Beinlosigkeit natürlich sehr wohl, doch in ihrem Fall ist der Stand naturgemäß kein Problem, und vier Füße könnten für seine Sicherheit eigentlich auch nicht schaden. Sind also die zwei Beine des Menschen nicht gerade eine heikle Angelegenheit?

          Wenn in Kurt Bayertz’ Parcours durch die Geschichte des anthropologischen Denkens am Leitfaden der Auseinandersetzungen mit unserem aufrechten Gang Wolffs Feststellung als Kontrastfolie angeführt wird, ist man freilich schon auf der Hut. Die Moderne ist da nämlich schon eingeläutet und mit ihr die immer nüchterner ausfallenden Einschätzungen der zweibeinigen Fortbewegung. Aus der dem Menschen angemessenen Ordnung der Welt, in der ein Philosoph wie Wolff den Menschen noch glaubte unterbringen zu können, wird nun Schritt um Schritt die uns geläufige Natur, über deren Absichten nichts auszumachen ist.

          Ein Privileg wird zum Risiko

          Womit auch der Nutzen des aufrechten Gangs zunehmend als gar nicht so eindeutige Sache erscheint. Hundert Jahre nach Wolff kann er bei Arthur Schopenhauer zum Auftakt einer anthropologischen Charakteristik in knappster Form werden, weil doch „unser Gehen nur ein stets gehemmtes Fallen ist, das Leben unseres Leibes nur ein fortdauernd gehemmtes Sterben, ein immer aufgeschobener Tod ist: endlich ist eben die Regsamkeit unseres Geistes eine fortdauernd zurückgeschobene Langeweile“.

          Bei Schopenhauer steht immerhin noch eine umgreifende Metaphysik mit Erlösungsakzent im Hintergrund. Fällt sie weg, bleibt von der einst als Vorzug angeführten Standfestigkeit bloß die Akkumulation von Risiken, die der aufrechte Gang mit sich bringt. Evolutionstheoretisch formuliert: Die Kollateralschäden des notgedrungen unvollkommenen Umbaus eines vierfüßigen Primaten beim - mit welchen unmittelbaren Vorteilen auch immer verknüpften - Übergang zur aufrechten Fortbewegung. Und sicher ist das Gehen jedenfalls nicht. Wozu Kurt Bayertz das schnörkellose Resümee einschlägiger Unfallstatistiken durch Experten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin anführen kann: „Der menschliche Gang ist einer der unsichersten Fortbewegungsvorgänge, die es unter Lebewesen in der Natur gibt.“ Wovon übrigens auch die Ingenieure und Programmierer, die seit geraumer Zeit mit der Entwicklung von gehenden Robotern befasst sind, ein Lied singen können.

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