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„Open Bookstore Day“ : Ersatzhandlungen

Wenn die Buchmesse ausfällt: Der Illustrator Philip Waechter signiert eines seiner Bücher in der Frankfurter Buchhandlung „Tatzelwurm“. Bild: Finn Winkler

Zwei Dutzend Buchhandlungen aus Frankfurt und Offenbach beteiligen sich am ersten „Open Bookstore Day“. So erschaffen sie 24 kleine Buchmessen. Viele Buchhandlungen nehmen nicht nur wegen des zusätzlichen Umsatzes daran teil.

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          Philip Waechter signiert in der Buchhandlung „Tatzelwurm“. Draußen an der Glauburgstraße im Frankfurter Nordend steht ein Poster, das den Auftritt des Illustrators ankündigt. Das trifft sich gut für einen Vater und seinen kleinen Sohn, die auf ihren Fahrrädern gerade vorbeikommen. Sie haben eines der von Waechter mit Zeichnungen versehenen Bücher dabei und betreten den Laden, um sich das für die kleine Schwester des Jungen gedachte Exemplar von „Wenn die Kuh am Himmel schwirrt“ vom Künstler mit einer Unterschrift versehen zu lassen.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Solche Extras hatte es überall geben sollen am ersten „Open Bookstore Day“, zu dem das Frankfurter Kulturamt als Teil des städtischen Lesefests „Open Books“ aufgerufen hatte. Lesungen, Büchertische, Schaufenster, der Besuch eines Verlagsvertreters: Es war einiges geplant in den Buchhandlungen, die Kulturdezernentin Ina Hartwig bei der Vorstellung des Festivalprogramms „die kleinen Buchmessen vor Ort“ genannt hatte. Aber es gab Absagen und Ausfälle, durch Krankheit oder aus löblicher Vorsicht vor der Reise ins Risikogebiet.

          Zusatzgeschäft durch die Buchmesse fehlt dem Handel

          In den meisten Läden ist der Samstag daher ein ganz normaler Geschäftstag. Die Kunden kommen, kaufen und schauen. So wie im vergangenen Jahr auf der Buchmesse, die den Ausstellern erstmals den Buchverkauf am Samstag gestattet hatte. Da der Börsenverein, der die Bücherschau veranstaltet, nicht nur der Branchenverband der Verleger, sondern auch der der Buchhändler ist, galt es, beide Interessengruppen zufriedenzustellen. Viele Verlage brachten ihre Ware daher mit Hilfe regionaler Buchhandlungen an die Standbesucher. Dieses willkommene Zusatzgeschäft fehlt jetzt. Und das in einem Jahr, in dem der Buchhandel noch immer dabei ist, das Umsatzminus des mehrwöchigen Lockdown im Frühjahr aufzuholen.

          Da lohnt sich der Zusammenschluss unter dem gemeinsamen Motto. Denn jede zusätzliche Aufmerksamkeit bringt Gewinn. 794 Bücher in der Minute haben die deutschsprachigen Buchhändler im Laufe des vergangenen Quartals verkauft. So meldet es Media Control am Freitag, dem letzten Fachbesuchertag der Buchmesse, die mit den digitalen Zugriffszahlen durch Branchenvertreter aus aller Welt durchaus zufrieden ist. 148.000 Nutzer aus 183 Ländern hätten die Angebote der Messewoche genutzt, teilt die Bücherschau zum Wochenende mit. Das aber hätte in den Messehallen eine ungleich größere Verkaufswucht entfaltet als der virtuelle Ersatzversuch auf buchmesse.de. Insofern können es statt der 794 Bücher in der Minute nach Ansicht aller Beteiligten vermutlich auch gern 817 sein.

          Sonst schieben sich hier die Menschenmassen Richtung Eingang: Rolltreppen an der U-Bahn-Station Festhalle/Messe. Bilderstrecke
          Frankfurter Buchmesse 2020 : Wenn es in den Hallen hallt

          Deswegen ist auch Waechter angetan vom „Bookstore Day“: „Wenigstens ein bisschen was, mit dem man das Buch ins Bewusstsein rückt. Und bei dem man ein paar Menschen trifft.“ Dieses Jahr hat er kein neues Buch auf der Bücherschau vorzustellen. Als Privatmensch wäre er aber trotzdem gern durch die Hallen gezogen und hätte bei den Verlagen vorbeigeschaut, mit denen er zusammenarbeitet, um Freunde und Bekannte zu treffen: „Das vermisse ich.“

          Bei der Buchhandlung „Land in Sicht“ liegen ein paar Straßen weiter Titel aus dem Gastland Kanada im Schaufenster. Am „Open Bookstore Day“ nehme man gern teil, sagt eine Mitarbeiterin. Schon des Umsatzes wegen: „Aber für uns war es wichtig, nicht nur an den Umsatz zu denken, sondern ein Zeichen zu setzen, dass der Kulturbetrieb weiterläuft.“ Sie und ihre Kollegen denken aber auch schon weiter voraus und planen die bestmögliche Organisation des Weihnachtsgeschäfts. Die E-Mail an die Stammkunden ist zwar noch nicht abgeschickt, aber demnächst wird es vor der Öffnung und nach der Schließung des Ladens „beratungsfreie Stöberzeiten“ geben, die man buchen kann: vom 16. November an täglich von 9 bis 10 und 19 bis 20 Uhr, im Dezember an den Adventssamstagen von 9 bis 10 und 17 bis 18 Uhr. Dann hat jeder Käufer seine eigene kleine Buchmesse.

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