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Literaturvermittlung : Fragen Sie meinen Agenten

Standesgemäß mit Agentenschnurrbart: Daniel Graf Bild: Fiechter, Fabian

Seit fünfunddreißig Jahren gibt es das Agentenzentrum auf der Messe. 631 Agenten aus einunddreißig Ländern tummeln sich dort in diesem Jahr, um ihre Autoren unterzubringen – und ihnen etwas Glamour zu verleihen.

          Gleich zu Anfang des Fünfzigerjahre-Films „The Girl Can’t Help It“ bringt Künstleragent Tom seinem Schützling Jerri den wichtigsten Satz überhaupt bei. Egal, was sie gefragt wird, immer soll sie nur antworten: „Ask my agent.“ Diese redundante Aussage umgibt sie tatsächlich mit einer solchen Aura von Begehrtheit, dass Jerri zum Star wird. An ihrem nur als schrill zu bezeichnenden Gesang liegt es jedenfalls nicht. Der Verweis auf den Agenten lässt inzwischen sogar die efeuberankte Buchbranche glamourös schillern. „Gerade die jungen Autoren aus Berlin haben inzwischen fast alle eine Agentur“, konstatiert Thomas Tebbe, Programmleiter für Belletristik beim Piper Verlag.

          Drei hauptsächliche Aufgaben erfüllt eine Agentur: Sie überarbeitet das Manuskript in Zusammenarbeit mit dem Autor, bringt es bei einem Verlag unter und handelt den Vertrag aus. Dafür wird sie am Umsatz beteiligt. Es gilt als einfacher, bei einer Agentur unterzukommen als bei einem Verlag – aber das stimmt nicht in jedem Fall. „Täglich gehen drei bis fünf unverlangt eingesandte Manuskripte bei uns ein, und wir schauen uns alles an“, sagt Eva Semitzidou von der mit zwei Agenten recht kleinen Literarischen Agentur Michael Gaeb. „Davon gelangen aber nur etwa zwei pro Jahr zur Veröffentlichung.“

          Bei Graf & Graf, mit acht Köpfen einer der größten Agenturen der Branche, haben die unverlangt eingesandten Manuskripte sogar geringere Chancen als bei den meisten Verlagen. Auf der Website wird sogar extra darauf hingewiesen, dass sie nicht bearbeitet werden könnten. Trotzdem schicken täglich drei bis vier hoffnungsvolle Autoren ihre Machwerke ein. „Wenn es irgend möglich ist, antworten wir ihnen“, sagt Daniel Graf, der seit anderthalb Jahren zur Agentur gehört. „Aber oft ist das einfach nicht zu machen.“

          Eva Semitzidou

          Auch Eva Semitzidou setzt auf Eigeninitiative, statt auf Talente im Briefkasten zu hoffen: „Die meisten Autoren sprechen wir direkt an. Wir lesen alle Literatur-Anthologien, die wir in die Finger kriegen, und beobachten Wettbewerbe sowie im Selbstverlag veröffentlichte E-Books.“ Auf diese Weise rekrutieren viele Agenten Leute, die sich schon bewiesen haben. Daniel Graf rekrutiert bevorzugt auf Empfehlung hin. „Der persönliche Kontakt spielt eine große Rolle“, erklärt er.

          Die Bearbeitung des Manuskripts handhaben Agenturen unterschiedlich. Eva Semitzidou lässt ihren Autoren freie Hand, wenn diese alleine am Text arbeiten wollen und damit zu einem guten Ergebnis kommen. Die meisten seien allerdings sehr dankbar für ihre Hilfe. Bei Graf & Graf wird die gemeinsame Arbeit am Manuskript dagegen vorausgesetzt. „Eine gute Agentur nimmt nicht einfach, was ihr angeboten wird, und schickt es in die Welt hinaus“, sagt Daniel Graf. Er legt Wert auf eine „intensive Auseinandersetzung über das Manuskript“.

          Willkommener Filter

          Gerade für Autoren, die sich das Verfassen eines druckfähigen Manuskripts selbst zutrauen, steht die Verlagssuche meist im Vordergrund. Eva Semitzidou verschickt alle sechs Monate einen Newsletter mit aktuellen Projekten an alle relevanten Verlage; ansonsten sprechen die Agenten zielgerichtet Lektoren an. „Vor ein paar Jahren hatten manche Verlage noch ihre Zweifel. Inzwischen sind sie auf unsere Vorselektion angewiesen“, sagt Semitzidou.

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