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Reportage zur Buchmesse : Im Literaturzug mit Prinzenpaar

  • -Aktualisiert am

Ist doch gar nicht so schlecht, die Bahn: Das Kronprinzenpaar Hakoon und Mette-Marit von Norwegen hat es jedenfalls gut erwischt. Bild: Helmut Fricke

Kaum schafft man mal ein paar Königliche Hoheiten heran, schon räumt die Bahn ihre Sondergleise frei – und bringt den Literaturzug pünktlich zur Buchmesse nach Frankfurt.

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          Diese Frankfurter Buchmesse beginnt im Zug – und wie! Sensationelles nämlich von der Bahn: Ein ICE auf der Strecke Berlin-Köln schafft es ohne Verspätung oder Panne ins Ziel, und Fahrgäste, die nichts anderes wollen als das, was man im Zug theoretisch ja immer will, nämlich ungestört lesen, sitzen auch noch darin.

          In Norwegen dürfte beides normal sein. Dort gibt es sogar einen „Litteraturtog“, der jedes Jahr eine neue Region ansteuert. Erfunden hat ihn Kronprinzessin Mette-Marit, um ihre Landsleute an allen Stationen der Reise in Gespräche über Lieblingsbücher verwickeln zu können.

          Ach, ihr Norweger, ihr habt es gut! Die schlechte Nachricht lautet nämlich: Der in Berlin eingesetzte ICE war nur ein norwegischer Sonderzug. Er durfte dank seiner Passagiere teils über ganz andere Gleise als die normalen fahren, Geheimgleise sozusagen. Und er wurde nur eingesetzt, um ein Experiment mit einer Berliner Schulklasse und den norwegischen Autoren Jostein Gaarder, Maria Parr, Svein Nyhus und Anna Fiske zu machen. Mittendrin: Kronprinzessin und Kronprinz.

          Hinter Potsdam legt Mette-Marit dann los, indem sie auf Englisch – die Dritt- und Viertklässler kommen von einer internationalen Schule – nach den Lieblingsbüchern der Kinder fragt. Antworthagel von allen Seiten. Ein Mädchen gibt zu verstehen, bereits als Sechsjährige einen Roman über eine Qualle geschrieben zu haben. Mette-Marit hakt nach, mit absolut nicht gespieltem Interesse. Das Mädchen: stolz wie Oskar. Jede Wette, dass sie danach weiterschreiben und uns die Szene als Autorin anno 2030 nochmals ausmalen wird. Jetzt aber das Experiment: Maria Parr packt ein Buch aus und liest. Und, Simsalabim, legt sich ein Zauber über die Kinder. Sie lauschen Parrs Stimme dermaßen gebannt, ein Junge mit dem Kopf auf ein Kissen gelegt, dass der Blick auf verträumte Gesichter selbst gestandenen Journalisten Tränen der Rührung ins Auge drückt.

          Also gleich noch einmal, nun mit Gaarder als Zauberkünstler. Er klappt sein kleines Buch „Fragen fragen“ von 2012 aus und verwickelt die Kinder binnen Sekunden in ein Gespräch über Gott, Welt und Universum. Wieder sind die Kinder vom ersten Wort an drüben im Kopfland, nicht hier. Denn Wörter machen so was. Illustrationen, Geschichten. Schöner hätte die Gastland-Delegation der Norweger, die dann in Köln noch fünfzehn weitere Autoren einlädt, damit es beim Einrollen des Zugs in Frankfurt ein imposantes Fotografenbild gibt, gar nicht anreisen können.

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