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Eine Militäreinheit fährt während der Februarrevolution durch die Straßen von Kiew. Bild: Picture-Alliance

Geschichte Georgiens : Die Revolution kam auf dem Postweg

  • -Aktualisiert am

Vor hundert Jahren war Georgien gerade dabei, einen modernen Rechtsstaat aufzubauen. Nur drei Jahre später kam die Rote Armee. Eine kurze Geschichte der ersten georgischen Republik.

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          Als 1917 in Petersburg die Februarrevolution ausbrach, sorgte die Zensur dafür, dass zunächst keine Nachrichten darüber im Zarenreich verbreitet wurden. Der georgische Sozialdemokrat Karlo Tschcheïdze, Vorsitzender der revolutionären Petrograder Sowjets, ließ ein verschlüsseltes Telegramm nach Tiflis schicken: „Mtawrobadze ist verstorben. Benachrichtigt Angehörige und Bekannte.“ Das Wort, das für Ausländer wie ein georgischer Familienname klingt, bedeutet aber „Regierung“. In Tiflis ging bald das geflügelte Wort um: „Die Revolution haben wir mit der Post bekommen.“

          Tatsächlich war der Machtwechsel in Georgien friedlich: Am 4. März rief der kaukasische Statthalter, Großfürst Nikolai Nikolajewitsch Romanow, die Vertreter georgischer Adelsgesellschafften, den Tifliser Bürgermeister Alexander Khatisow und die Sozialdemokraten Noe Jordania und Noe Ramischwili zu sich, um die Übergabe der Regierungsgewalt zu organisieren – die eigentliche Macht lag dann aber in den Händen des transkaukasischen Arbeiter- und Soldatenrats unter dem Vorsitz von Jordania. Das Volksfest am nächsten Tag in Tiflis beschrieb der Korrespondent des „Manchester Guardian“ als „einen der größten Tage in der Geschichte des Kaukasus“: Aus den fernsten Dörfern seien die Menschen in die Hauptstadt geströmt. „Die Kapellen der Stadt spielten die Marseillaise. Und alle Redner führten das Wort ,Demokratie‘ im Munde.“

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