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Finnland-Pavillon auf der Buchmesse : Unendliche Weiten

Spiegelglatte Böden im Pavillon des Gastlandes Finnland Bild: Frank Röth

Etwa sechzehn Finnen teilen sich einen Quadratkilometer. Dieses Gefühl von Bodenfreiheit vermittelt auch der Pavillon des Gastlandes – und dichtet nebenbei. Direkt aus den Köpfen der Besucher.

          2 Min.

          Diese Halle einen Pavillon zu nennen, ist albern. Hangar träfe es besser. Einige Gastländer versuchten in der Vergangenheit, darin trotzdem so etwas wie Gemütlichkeit zu erzeugen. Nicht so die Finnen. Spiegelnde Böden, alles schneeweiß, so weit das Auge reicht. Vier kleine runde Flächen sind abgetrennt, doch die Wände enden etwa zwanzig Zentimeter über der Erde. In der Mitte eine Art weiter, kreisrunder Patio, bei dem Menschen einander von Rand zu Rand höchstens zuwinken. „Der Pavillon soll den Geist Finnlands transportieren, den Schnee, die Weite“, sagt Designerin Natalia Baczyńska Kimberley. Die Neunundzwanzigjährige hat den Pavillon gemeinsam mit ihren Studienfreunden Nina Kosonen und Matti Mikkilä entworfen. Es ist der erste Auftrag für „NMN Design“ in dieser Größenordnung. Zuvor konzipierten die drei einen Bibliotheksbus für Kinder.

          Julia Bähr
          Audience Managerin bei FAZ.NET.

          Ein Platz, der Kinderbücher und Illustrationen gut präsentiert, gehörte zu den Wünschen für den Gastlandauftritt. Sie sind in einer der abgetrennten Inseln aufgehoben und bieten auch Spielgelegenheiten. Ein Café und nette Sitzgelegenheiten waren ebenfalls wichtig. Nun sitzen dort Menschen unter Wasserprojektionen und lauschen dem Geräusch von Brandung. Matti Mikkiläs Projektionen auf den großen weißen Flächen zeigen Naturaufnahmen in kühlen Farben und stilisierte Zweige. Es ist eine Hommage an die Lesegewohnheiten in seiner Heimat. „Wir Finnen nehmen uns ein Buch und gehen damit nach draußen, in die Parks und die Natur“, erzählt er.

          Im Auditorium, der größten der Inseln, spielt jemand Klavier. „Die Menschen sollen hier selbst herumwandern und alles für sich entdecken können“, erklärt Natalia Baczyńska Kimberley. „Es gibt keine vorgegeben Wege.“ Auf so einer Entdeckungstour landet man schnell inmitten von Gedichten. Hier präsentiert „Brains On Art“, eine Gruppe von Künstlern und Wissenschaftlern, ihre Installation „Brain Poetry“. Interessierte bekommen ein Gerät aufgesetzt, das ihre Gehirnströme misst. „Die meisten Menschen haben welche“, beruhigt mich Aleksander Alafuzoff, als er die Sensoren richtig ausrichtet. Der Computer projiziert wackelige Kurven auf die runden Wände und spuckt das Gedicht aus, das meine Gehirnströme erzeugt haben.

          Kunst, direkt aus dem Gehirn auf die Leinwand
          Kunst, direkt aus dem Gehirn auf die Leinwand : Bild: Julia Bähr

          Wie funktioniert das? Mit Algorithmen, wie alles heutzutage. Das Muster der Gehirnströme löst eine individuelle Zusammensetzung voreingestellter Zeilen aus. Damit daraus Gedichte entstehen und nicht nur Dadaismus, sind sie thematisch gruppiert. „Wenn etwas zur Sonne kommt, gehören dazu auch passende Begriffe wie Wärme“, sagt Alafuzoff. In meinem Fall rührt die poetische Anmutung vom ABBA-Schema „Ich, Du, Du, Ich“ her. Auch das ist natürlich kein Zufall, sondern programmiert. Die Textbausteine stammen vom Projekt Gutenberg, aber ausgerechnet die Zeile mit dem merkwürdigen „laßt“ finde ich dort nicht wieder. Dafür stammt die erste Zeile von Max Dauthendey und „der Burgunden Land“ aus dem Nibelungenlied. Bei der letzten Zeile suche ich nicht lange. Die könnte tatsächlich direkt aus meinem Gehirn stammen.

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