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E-Books im Ländervergleich : Wohin die Reise geht

  • Aktualisiert am

Amazon heißt die Marktmacht: Das Geschäft mit digitalen Büchern wächst und wächst. Bild: Bloomberg

Lange haben wir über E-Books geredet, jetzt sind sie da und verändern die Buchmärkte: Vom Stand der Dinge in sechs Ländern.

          In China haben E-Books das Schreiben schon verändert, in Amerika erwirtschaften sie mehr als zwei Milliarden Dollar, in Großbritannien sind sie im Supermarkt zu kaufen. In Frankreich, Italien und Spanien hinken noch hinterher. Unser Rundgang zum Stand der Digitalisierung des Buches beginnt in Italien.

          Italien: Kein Englisch, keine E-Books

          E-Books gehören für Italiener noch lange nicht zu den Alltagsgeräten. Der italienische Buchmarkt, der den europäischen Nachbarn im Gesamtvolumen ohnehin hinterherhinkt, verzeichnet viel geringere Verkäufe normaler Bücher übers Internet als etwa in Frankreich oder Deutschland. Und der Absatzmarkt elektronischer Lesegeräte umfasste davon 2011 lächerlich geringe 12,6 Millionen Euro - immerhin eine Verneunfachung seit dem Vorjahr, doch dies auf niedrigstem Nischen-Niveau. Die Strategen der Verlagshäuser haben die Gründe analysiert: Italiener sprechen sehr viel schlechter Englisch als etwa Skandinavier oder Niederländer, aber auch als Deutsche. Besonders schlecht steht es um die Kenntnisse der Weltsprache, in welcher die meisten E-Books vorliegen, bei der älteren und weiblichen Bevölkerung. Doch gerade die nicht mehr jungen Italienerinnen lesen besonders viel.

          Hinzu kommt, dass in Italien nicht die Weihnachts- und Winterzeit, sondern der endlos lange Strandsommer zum Lesen dicker Wälzer und sogar zum Studium einlädt. Da sind die Vorurteile gegen E-Books nur schwer zu entkräften: Sie sind leichter durch Sand und Sonnenöl zu beschädigen, lassen sich in der Sonne schwerer lesen und sind bei Diebstahl ein größerer Verlust als praktisches, preiswerte Taschenbücher, von denen sich in der Schuldenkrise in Italien anteilsmäßig immer mehr verkaufen.

          Resistenter gegen Sand, Sonnenöl und Diebstahl: Am Meer ist das klassische Buch gegenüber dem E-Book immer noch im Vorteil

          Für die computerisierte jüngere Klientel auch englischsprachiger Romane, so die denn überhaupt noch lange Texte liest, hat das Verlagshaus Feltrinelli vor zwei Jahren dennoch eine Plattform namens „edigita.it“ ins Leben gerufen. Gemeinsam mit den Kollegen von Rizzoli und einigen Versandbuchhändlern bietet man hier einige tausend Werke an, vorzugsweise populärwissenschaftliche Überblicksdarstellungen von der Antike bis Mussolini sowie Übersetzungen angloamerikanischer Bestseller. Auch eine kleine Messe für E-Books in Rimini hat sich einstweilen alle zwei Jahre etabliert. Sie soll die Akzeptanz elektronischer Lesegeräte erst einmal erhöhen helfen. Doch große Hoffnungen scheint das italienische Verlagswesen auf diesen Markt nicht zu setzen.

          Auch von den Schriftstellern Italiens kommt kaum Schützenhilfe. Legendär ist Umberto Ecos Spott auf die kalten Textmaschinen, die keine Individualität, keine haptische Qualität und keine Eselsohren hätten und ständig die Textverarbeitung wechselten: Das gedruckte Buch sei eine Erfindung, die schlichtweg nicht mehr zu verbessern sei. Doch nicht nur der greise Bibliophile Eco, sondern auch jüngere Kollegen können mit dem amerikanischen Elektrobuch wenig anfangen. So bekannte auf dem Turiner Buchsalon unlängst auch der junge Autor Paolo Giordano, er habe sich ein Lesegerät zugelegt, es aber seit einem Jahr nicht ein einziges Mal benutzt: „Ich bin eben ein Dinosaurier.“ Wie es aussieht, befindet er sich in Italien unter Artgenossen.

          Dirk Schümer, Venedig

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