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E-Books im Ländervergleich : Wohin die Reise geht

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Erfolgreiche elektronische Werke verarbeitet Cloudary zu gedruckten Büchern weiter und vergibt Lizenzen für Filme. Inzwischen hat der Konzern auch ein eigenes Lesegerät auf den Markt gebracht, aber das Hauptmedium für elektronische Literatur sind in China nach wie vor die tragbaren Telefonapparate. Deshalb haben die drei führenden Telekommunikationsunternehmen China Mobile, China Telecom und China Unicom alle eigene literarische Websites; der Kunde zahlt meist nicht für einzelne Bücher, sondern für monatliche Abonnements.

Offiziellen Zahlen zufolge lesen knapp vierzig Prozent der Chinesen E-Books, und achtzig Prozent der gedruckten Bücher kommen auch online heraus. Doch ein verlässliches Geschäftsmodell bringt das noch nicht hervor, denn die Leser rechnen weiter damit, dass elektronische Bücher kostenlos sind. Auf den Websites von Sina und der Suchmaschine Baidu sind viele Bestseller umsonst zu haben. Erste Anzeichen eines Wandels zeigten sich vergangenes Jahr, als fünfzig Autoren gegen die fortgesetzten Urheberrechtsverletzungen von Baidu protestierten und der Konzern daraufhin sein kostenloses Angebot stark reduzierte, und als ein Verlag achtzig Autoren zum ersten Mal Tantiemen für die elektronische Verwertung ihrer Bücher zahlte. Die Gewinnspannen sind vergleichsweise klein. Der marktbeherrschende Anbieter, Dangdang, verlangt für E-Books zwanzig bis vierzig Prozent des Preises für die gedruckten Ausgeben - das sind meist nicht mehr als acht Yuan (knapp ein Euro); zweitgrößter Anbieter ist übrigens Amazon China. Es sind bisher eher Elektronikunternehmen als Buchverlage, die den elektronischen Buchmarkt in China antreiben.

Mark Siemons, Peking

Vereinigte Staaten: Serien für die Zukunft

E-Books gehört nicht nur die Zukunft, sondern bereits die amerikanische Gegenwart. Der Umschwung kam spektakulär im letzten Jahr, als in der Sparte Fiction mehr E-Books verkauft wurden als gebundene oder broschierte Bücher. Insgesamt wurden 2011 für die elektronische Lektüre 2,07 Milliarden Dollar ausgegeben, mehr als das Doppelte des vorhergehenden Jahres. Und der Zuwachs setzte sich auch im ersten Viertel dieses Jahres fort. Um nahezu dreißig Prozent steigerten sich die Einnahmen in den ersten drei Monaten gegenüber dem Vorjahr und wurden so nur noch knapp von denen für Paperbacks übertroffen.

E-Books gehört bereits die Gegenwart: Im Jahr 2011 wurden für sie 2,07 Milliarden Dollar ausgegeben - doppelt soviel wir im Jahr zuvor
E-Books gehört bereits die Gegenwart: Im Jahr 2011 wurden für sie 2,07 Milliarden Dollar ausgegeben - doppelt soviel wir im Jahr zuvor : Bild: Amazon

Woran das liegt, ist kein Geheimnis: Tablets, Smartphones und E-Readers wie Kindle und Nook brauchen Inhalte und machen Hunger auf digitale Geschichten für Erwachsene und Kinder, auf Kochbücher und Ratgeber. Der Preiskrieg, der darüber zwischen traditionellen Verlagen und E-Book-Anbietern wie Amazon entbrannt ist, geht aber weiter. Amazon scheint da so etwas wie die Weltherrschaft anzustreben, zurzeit mit erstaunlichen juristischen Erfolgen, die alle Konkurrenten unter Druck setzen. So begnügt sich Jeff Bezos, der Chef des Internetgiganten, längst nicht mehr damit, den Verlagen mit Schleuderpreisen zu ärgern. Er hat sich auch bei den E-Book-Lieferanten eingereiht, die im Selbstverlag produzierte E-Books anbieten, und lockt nun mit Serials, also mit eigens produzierten Fortsetzungsromanen, mit denen die Leser für 1,99 Dollar in Spannung versetzt und an den Kindle gewöhnt und gebunden werden.

Überhaupt verspricht das Serienformat das E-Book neuen Entfaltungsmöglichkeiten zuzuführen. Nachdem es mit Audio- und Videobeigaben nicht so recht geklappt hat, könnten die regelmäßigen, sogar täglichen Lieferungen für ein neues Leseerlebnis sorgen. Neben Amazon hat jetzt auch der Digitalverlag Byliner angekündigt, Geschichten in kleinen Happen zu vermarkten, und dafür Autoren wie Margaret Atwood und Joe McGinniss gewonnen. Apple lockt seinerseits mit einem Romanexperiment namens „The Silent History“, das jedem iPhone- und iPad-Nutzer erlaubt, die Handlung in ihrem weiteren Verlauf mitzubestimmen. Der Leser darf ein bisschen Autor spielen, bezahlen aber muss er doch.

Jordan Mejias, New York

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