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E-Books im Ländervergleich : Wohin die Reise geht

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Großbritannien: Bücher zum halben Preis

J. K. Rowlings gewandelte Einstellung zum E-Book ist bezeichnend für die tektonische Verschiebung, die der technologische Fortschritt im Verlagswesen bewirkt hat. Die Harry-Potter-Autorin, die sich lange gegen das E-Book wehrte, hat unlängst gestanden, nicht begriffen zu haben, was es damit auf sich habe. Die Bekehrung kam durch eine Ferienreise, bei der ihr klarwurde, dass man auf einem elektronischen Lesegerät eine ganze Bibliothek mitnehmen könne. Sie werde das gedruckte Buch immer bevorzugen, sagte sie, aber sie gehört jetzt zu der rapide wachsenden Zahl von Lesern, die - wie ein Blick auf die Pendler in der Londoner U-Bahn bestätigt - aus praktischen Gründen umgeschwenkt sind.

In Großbritannien gibt es keine Buchpreisbindung. Das E-Book von J.K. Rowlings neuem Roman ist deshalb teurer als so manche gebundene Ausgabe
In Großbritannien gibt es keine Buchpreisbindung. Das E-Book von J.K. Rowlings neuem Roman ist deshalb teurer als so manche gebundene Ausgabe : Bild: AFP

Das Beispiel von J. K. Rowlings jüngst erschienenem Roman macht allerdings auch die Verwirrungen in der sich rasch entwickelnden Branche anschaulich, wo das E-Book inzwischen fünfzehn Prozent des Marktanteils hält, ein enormer Anstieg gegenüber den 2,8 Prozent von vor zwei Jahren. Offiziell kostet die Druckfassung von Rowlings Roman zwanzig Pfund. Da es jedoch in Britannien keine Buchpreisbindung mehr gibt, wird der Titel im Handel skontiert - bei Amazon sogar um mehr als die Hälfte auf neun Pfund. Das macht das E-Book mit 11,99 Pfund teurer als das gebundene Buch. Dasselbe geschieht mit einem Drittel aller Bestseller. Verleger erklären die Diskrepanz unter anderem damit, dass die Auslagen für die digitale Fassung nur geringfügig niedriger seien, weil die Produktion bloß fünf Prozent der Herstellungskosten ausmache und das E-Book zudem, anders als der gedruckte Titel, mehrwertsteuerpflichtig sei. Die künftige Preisentwicklung hängt in Britannien aber auch von dem Ausgang des EU-Kartellverfahrens ab.

Der Wettbewerb wird durch den Einstieg der Supermärkte in das E-Book-Geschäft angeheizt. Die Ladenkette Tesco hat kürzlich ihr digitales Unterhaltungsangebot durch den Erwerb des E-Book-Verkäufers Mobcast erweitert, der mehr als 130 000 Titel führt, und der Konkurrent Sainsbury’s besitzt inzwischen 64 Prozent der E-Book-Plattform Anobii, an der auch die Verlage Penguin, Random House und Harper Collins beteiligt sind. Sie wollen die Dominanz von Amazon brechen, das achtzig Prozent des britischen E-Book-Marktes beherrscht und durch die Partnerschaft mit der Waterstones-Kette in Kürze auch im Buchladen präsent sein wird. Dort stehen die Leseecken schon für den Start der neuen Kindle-Geräte Ende des Monats bereit.

Gina Thomas, London

China: Honorare nach Klickzahlen

Die Elektronik verändert in China nicht nur das Lesen, sondern auch die Produktionsbedingungen von Literatur. Der Cloudary-Konzern in Schanghai, der mehrere populäre literarische Websites betreibt, hat in den letzten Jahren laut eigenen Angaben 1,6 Millionen Autoren insgesamt sechs Millionen literarische Werke speziell für das Lesen auf Handys und Smartphones schreiben lassen. Es sind überwiegend Liebesromane, Kung-Fu-Geschichten und Erzählungen über Zeitreisen, die oft täglich fortgesetzt und vom Leser häppchenweise bezahlt werden (drei Mao, umgerechnet also etwa vier Cent, für tausend Zeichen). Die Autoren werden nach Klickzahl honoriert, ebenso wie die hundert festangestellten Kritiker, die ihre Rezensionen unter die Leserrezensionen auf der Website mischen; die erfolgreichsten sollen es auf eine Million Yuan (etwa 120 000 Euro) im Jahr bringen.

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