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E-Books im Ländervergleich : Wohin die Reise geht

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Spanien: Nennen wir es E-Raub

In Spanien dauert alles etwas länger. Das E-Book spielt in den Verlautbarungen der Verlags- und Buchhandelsverbände deshalb noch keine Rolle, man sieht viel weniger Lesegeräte als im nördlicheren Europa, und erst in diesem Jahr hat der Versandhändler Amazon eine spanische Website eröffnet. Immerhin hat das Lesegerät Kindle Touch dort mehr als 750 meist positive Rezensionen eingeheimst, doch über das Volumen der Buchdownloads lässt sich nichts sagen, weil Amazon schweigt.

Von der legendären Literaturagentin Carmen Balcells ist bekannt, dass sie sich früh für E-Books interessiert und eine entsprechende Kooperation unter spanischen Literaturverlagen unterstützt hat. Die hat jahrelang vor sich hingedümpelt. Überall gab es schicke Lesegeräte zu kaufen, aber wir kannten niemanden, der von ihnen las. Die Marktanteile dürften also minimal sein. Die katalanische Buchhandelskette „La Central“ etwa lässt das Geschäft mit dem elektronischen Buch an sich vorbeilaufen. Bei der Madrider Buchhandlung Méndez erhält man die Auskunft, der Umsatz mit aktuellen Bestsellern sei um mehr als sechzig Prozent eingebrochen, weil sich die Leute den Titel im Internet illegal herunterladen. Das ist die spanische Variante. Nennen wir sie E-Raub.

Paul Ingendaay, Madrid

Frankreich: Keine Piraten, keine Pioniere

In Frankreich ist alles eine Frage der Politik. Auch bei der Literatur. Die Digitalisierung begann mit Google und wurde mit Klagen zum Schutz der Verlags- und Autorenrechte, deren Mutterland Frankreich nun einmal ist, bekämpft. Es gab keine Piraten, die Bücher aus dem Netz herunterluden - keine Piraten, ergo keine Pioniere. Eine etwas weltfremde Generation von Rentnern, der es um geistige Besitzstandswahrung geht, beherrscht die Debatte. Es gibt kein Angebot, aber laute Klagen über die Konzentration der Anbieter. Die Preisbindung für E-Books wurde festgeschrieben, bevor man solche wirklich verkaufte. 2011 wurden vom literarischen Bestseller des Jahres, „Rien ne s’oppose à la nuit“ von Delphine de Vigan, 400 000 gedruckte Exemplare abgesetzt - und keine tausend als E-Book. Insgesamt machten sie 0,3 Prozent des Umsatzes aus.

Seit dem Erscheinen von J. K. Rowlings Roman wird die Preisfrage heftig diskutiert: Warum kostet das E-Book nur acht Euro weniger als die gedruckte Ausgabe von fast 700 Seiten? Die Branche hat sich auf einen Nachlass von dreißig Prozent eingestellt, der damit begründet wird, dass man den traditionellen Buchhandel schützen müsse. Dieser hatte es versäumt, gegen Amazon rechtzeitig eine brauchbare Alternative im Online-Buchhandel aufzubauen. Das komplizierte Gesetz zwingt die Verkäufer, Adresse und Nationalität des Kunden zu überprüfen.

Doch der Durchbruch hat zweifellos begonnen: In diesem Herbst sind neunzig Prozent der literarischen Neuerscheinungen als E-Books erhältlich. Man geht davon aus, dass mit ihnen ein Prozent des gesamten Umsatzes erzielt wird. Erst Ende 2011 hatte Amazon seinen ersten Kindle - mit zwei Jahren Verspätung auf Deutschland - nach Frankreich gebracht.

Jürg Altwegg, Genf

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