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Reinhard Kleist im Interview : „Comics kann man nicht widerstehen“

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Reinhard Kleist ist sich sicher: Das Interesse an Bildgeschichten wächst stetig. Bild: Picture-Alliance

Grenzenlose Sprachgewalt: Der Comiczeichner Reinhard Kleist über die Buchmesse, die Sogwirkung von Comics und das Verhältnis von Dichtung und Wahrheit.

          Welche Bedeutung hat die Buchmesse für Sie und Ihre Arbeit?

          Am Anfang war es für mich eine Möglichkeit, meine Arbeit an Verlage heranzutragen. Mit unterschiedlichem Erfolg. Jetzt ist es mehr der Kontakt mit meinem Publikum und mit Verlegern, um über Projekte zu sprechen. Immer hat mir die Buchmesse aber eine notwendige Übersicht darüber geboten, was auf dem Buchmarkt los ist, was Kollegen produzieren, wie die Buchcover aussehen und was auf dem internationalen Markt zu finden ist.

          Wie hat sich der Status von Comics und Graphic Novels auf der Messe im Laufe der Jahre verändert?

          Ich habe schon das Gefühl, dass das Interesse an Bildgeschichten stetig wächst. Ich bedauere aber sehr den Wegfall des Comic-Zentrums. Es war eine schöne Möglichkeit, dort konzentriert etwas für Comic-Liebhaber anzubieten. Dass Verlage sich aus dem Zentrum wegbewegt haben, kann ich verstehen, da sie neue Leserschichten auf sich aufmerksam machen und sich aus der manchmal sehr engen Comic-Community befreien wollen. Einen zentralen Anlaufpunkt für Comic-Veranstaltungen sowie Ausstellungen finde ich aber schon sehr wichtig.

          Stehen Comics in der allenthalben beklagten Krise des Buchs besser da als Romane, Erzählungen und Lyrik?

          Wenn die Zahlen stimmen, die ich so vorliegen habe, dann behauptet sich der Comic im Moment ganz gut auf dem Buchmarkt. Ob eine Krise des Buchs vorherrscht, weiß ich nicht. Ich sehe aber mit Sorge, dass es den Menschen immer schwerer fällt, sich auf ein Buch zu konzentrieren. Man wird ja mit Content geradezu zugeschüttet. Das Angebot ist so unvorstellbar riesig und leicht zu konsumieren, dass der Griff zum Buch, der ja schon eine Eigenleistung voraussetzt, zunehmend schwer zu fallen scheint. Ich denke aber, dass die Möglichkeiten des Comics immer noch nicht ausgeschöpft sind. Ich habe tolle Erfahrungen mit Kindern und Jugendlichen bei Vorträgen an Schulen gemacht. Comics haben eine Sogwirkung, da kann man nicht widerstehen. Das ist durchaus ausbaufähig. Der Comic hat sich schon aus der dunklen Ecke hinten im Buchladen befreit – und es geht noch weiter hinaus ins Rampenlicht. Ich bin ja mittlerweile gerne auf Buchfestivals unterwegs, wo ich oft auf Leute treffe, die eigentlich bisher einen weiten Bogen um Comics gemacht haben. Und die dann doch herumzukriegen sind.

          Sie haben Bücher über Johnny Cash, Elvis, Fidel Castro und Nick Cave veröffentlicht. Warum ist die Kombination von Graphic Novel und Biographie so attraktiv?

          Ich denke, dass viele Leute an den Lebensgeschichten von Persönlichkeiten, die sie bereits kennen oder deren Lebensweg sie berührt, interessiert sind. Sie wollen aber nicht nur Daten und vermeintliche Fakten geliefert bekommen, sondern auch eine spannende Geschichte und einen persönlichen Zugang. Volker Skierka schrieb dazu im Vorwort zu dem Fidel-Castro-Comic, dass Comics gegenüber der geschriebenen Biographie eine gefühlte Wahrheit vermitteln können: Wie ist es, als Nick Cave auf der Bühne zu stehen? Wie ist es, in Havanna in einem Lebensmittelladen zu hocken, wenn die Rationen gestrichen werden?

          Cash und Cave sind gute Geschichtenerzähler. Inwiefern kommt das ihren Büchern über die beiden Künstler zugute?

          Ohne deren Œuvre an guten Geschichten hätte ich die Arbeit nicht begonnen. Das Storytelling in ihren Songs ist wichtiger Bestandteil meiner Annäherung an Biographie und Werk. Von Anfang an wollte ich illustrierte Songs als Kurzgeschichten in die Handlung einbauen und sogar dadurch Teile der Biographie erzählen. Gerade bei Cave spiegeln viele Lyrics seine jeweilige Lebenssituation in überhöhter, mystifizierter Weise wieder.

          Sie sind bekennender Fan von Nick Cave. Waren Sie bei der Entstehung Ihres Buchs nicht befangen, weil in großer Ehrfurcht?

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