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73. Frankfurter Buchmesse : Das Buch als Anker der Gesellschaft

  • Aktualisiert am

Kurz vor der Eröffnung: Eine Mitarbeiterin ist auf der Frankfurter Buchmesse mit Aufbauarbeiten beschäftigt. Bild: dpa

Nun wieder mit Präsenz, Publikum und 3G-Regel: Mit immerhin 2000 Ausstellern aus 80 Ländern öffnet die 73. Frankfurter Buchmesse ihre Pforten, Gastland ist in diesem Jahr Kanada. Wie schon 2017 sorgen Stände von Verlagen der Neuen Rechten für Aufregung.

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          Unter dem Motto „Re:Connect“ und mit gedeckelter Besucherzahl geht die 73. Frankfurter Buchmesse an den Start. 2000 Aussteller aus 80 Ländern nehmen an der Bücherschau teil, die nach der virtuellen Ausgabe im Corona-Jahr 2020 nun wieder in Präsenz und mit Publikum stattfindet. Gastland ist in diesem Jahr Kanada. Auf der gesamten Messe gilt die 3G-Regel.

          „Machen wir uns nichts vor: "back to business" ist noch lang nicht "back to normal"“, sagte Buchmessen-Chef Jürgen Boos zum Auftakt. Und in der Tat ist man in Frankfurt noch weit entfernt von der Vor-Corona-Zeit. Während 2019 mehr als 300 000 Menschen auf das Gelände strömten, dürfen 2021 maximal 25 000 Gäste pro Tag kommen. Die Ausstellerzahl war vor zwei Jahren mit 7500 fast viermal so hoch.

          Die Buchbranche gab sich unterdessen optimistisch. „Mit der Corona-Pandemie haben wir einen der größten Stresstests der Geschichte souverän bestanden“, sagte die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs. Auch der Blick auf das laufende Jahr stimme zuversichtlich: Über alle Vertriebswege hinweg hat der Umsatz auf dem Buchmarkt laut den Angaben mit Ende der Kalenderwoche 40 das Vor-Corona-Niveau eingeholt und liegt 0,7 Prozent über dem Umsatz des Vergleichszeitraums 2019. In der Krise habe sich gezeigt, wie fest das Buch in der Gesellschaft verankert sei. „Social Distancing wurde nicht zur Distanz zum Buch.“

          Wie wollen wir leben?

          Offiziell eröffnet wird die Buchmesse am Dienstagabend mit einem Festakt. Aus dem Ehrengastland Kanada reist Generalgouverneurin Mary May Simon an, die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood wird live zugeschaltet. Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat sich angekündigt. Bis Sonntag stellen mehr als 300 Autorinnen und Autoren ihre Bücher vor oder debattieren über Gesellschaftsfragen.

          Ein Themenschwerpunkt lautet „Wie wollen wir leben?“ - in Kooperation mit dem deutsch-französischen Fernsehsender Arte. „Wir stellen uns diese Frage angesichts der alarmierenden Verrohung unseres Umgangs miteinander, der unüberbrückbar scheinenden Spaltung unserer Gesellschaft“, sagte Boos. Vehement und lautstark würden Partikularinteressen vorgetragen, „die den Blick auf Ziele verstellen, die wir aber nur gemeinsam erreichen können.“ Auch gehe es um die Frage, welchen Beitrag die Buchbranche leisten könne.

          An der Pressekonferenz am Vormittag nahmen auch der Inklusions-Aktivist Raul Krauthausen und der russische Schriftsteller und Regierungskritiker Dmitry Glukhovsky teil, die sich für Solidarität, Verantwortung und Freiheit aussprachen.

          Kontroverse um Stand der Neuen Rechten

          Der Börsenverein stellte sich am Dienstag nachdrücklich hinter die Kampagne „Fair Lesen“, bei der Autorinnen und Autoren wie Juli Zeh, Daniel Kehlmann, Sibylle Berg und Judith Hermann gemeinsam mit Verlagen auf ihre Rechte beim E-Book-Verleih pochen. „Es geht um nichts weniger, als um die Zukunft“, sagte Schmidt-Friderichs. Schon jetzt würden Verlage den E-Book-Verleih mit Hunderttausenden Titeln versorgen - „und sie tun das gerne“. Aber gerade bei den Bestsellern brauche es ein bestimmtes Zeitfenster, in dem ein E-Book zunächst auf dem Kaufmarkt angeboten wird, bevor es zum Verleih freigegeben werde.

          Unterdessen führte ein Stand von Verlagen der Neuen Rechten zu einer Kontroverse. Die Bildungsstätte Anne Frank solidarisierte sich mit der Autorin Jasmina Kuhnke, die ihren Auftritt auf der Messe wegen des dort vertretenen Jungeuropa-Verlags abgesagt hatte. Und Michael Müller von der Linken-Fraktion im Frankfurter-Römer sagte: „Die Frankfurter Buchmesse darf diesen Verlagen keine Bühne bieten, auch nicht in der hinterletzten Ecke“. Schon 2017 hatte die Präsenz neurechter Verlage zu Protesten und einer Demonstration geführt.

          Ab Mittwoch (20. Oktober) ist die Messe für das Fachpublikum geöffnet, ab Freitag (22. Oktober) dann für alle Besucher. Die Messe endet am Sonntag (24. Oktober) mit der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Tsitsi Dangarembga aus Simbabwe.

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