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Büchergilde Gutenberg : Mit reicher Beute

Büchertisch: Silvio Mohr-Schaaff, Marketingleiter der Büchergilde, im Raum „Gesammelte Untertreibungen“ Bild: Frank Röth

Allen die nach dem Buchmesse-Gefühl dürsten, bietet die Büchergilde Gutenberg ein Wasserloch. Sie lädt am Wochenende in das Frankfurter Literaturhaus ein.

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          Räuber am Weg. So heißt der Salon, den die Büchergilde Gutenberg über das Wochenende im Frankfurter Literaturhaus aufschlägt, als Wasserloch für alle, die da hungern und dürsten nach dem Messe-Gefühl. Man will ja auch mal ein paar Leute treffen und nicht nur dauernd an der Tonqualität des Livestreams herumschrauben. Zu sehen gibt es am Sonntag Bücher und Illustrationskunst, inbegriffen ist die Möglichkeit zu Geselligkeit und Gespräch.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Titel des Auftritts, für den der Frankfurter Verlag drei Räume des Literaturhauses gemietet hat, ist ein Zitat aus „Einbahnstraße“ von Walter Benjamin. Dort heißt es: „Zitate in meiner Arbeit sind wie Räuber am Weg, die bewaffnet hervorbrechen und dem Müßiggänger die Überzeugung nehmen.“ An der Schönen Aussicht warten die freundlichen Räuber von der Büchergilde darauf, ihre Beute, also die vom Verlag herausgebrachten, besonders schön aufgemachten Lizenzausgaben anderswo bereits erschienener Titel, mit den müßigen Besuchern zu teilen, die an den Publikumstagen der Buchmesse vorbeikommen.

          „Dem Digitalen etwas entgegensetzen“

          „Wir wollten dem Digitalen etwas entgegensetzen“, sagt Geschäftsführer Alexander Elspas. Es möge sich bei den Fachbesuchern der Bücherschau mit bestimmten Formaten zu manchen Themen durchaus bewähren. Für spontane Ideen und Austausch aber sei es nichts: „All das, was die Messe ausgemacht hat, bekommt man digital nicht hin.“ Er sehe es wie Buchmessendirektor Juergen Boos: „Wir lernen gerade viel.“ Mit einer notwendigen Ergänzung: „Wir werden auch gelernt haben, was alles nicht funktioniert.“ Die Begegnung mit dem Publikum am Stand zum Beispiel. Sie ist für die Büchergilde besonders wichtig: „Was uns fehlt, ist das Werben neuer Mitglieder an den Messetagen.“

          Sonst schieben sich hier die Menschenmassen Richtung Eingang: Rolltreppen an der U-Bahn-Station Festhalle/Messe. Bilderstrecke
          Frankfurter Buchmesse 2020 : Wenn es in den Hallen hallt

          Die Büchergilde ist die einzige noch existierende literarische Buchgemeinschaft Deutschlands. Mit gut 60.000 Mitgliedern und einer vor fünf Jahren gegründeten Genossenschaft mit 1347 Genossen, denen das Unternehmen gehört. Wer dazustoßen will, zeichnet Anteile von jeweils 500 Euro, wer Mitglied der Buchgemeinschaft wird, erwirbt vier Bücher im Jahr. Damit kann man am Büchertisch gleich beginnen. Man erreicht ihn, indem man im ersten Stock vor dem Lesekabinett nach rechts abbiegt, es geht ins Weiße Foyer und von da aus in den Gelben Salon, blaue Pfeile auf dem Parkettboden markieren einen Rundkurs. Im Raum „Gesammelte Untertreibungen“ gibt es zu kaufen, was die Büchergilde im Angebot hat.

          Seit dem Sommer haben Elspas und seine Kollegen über die Pop-up-Präsenz nachgedacht, als Zusatz zum Messestand oder als Ersatz. Die Miete der Räume und die von der Kostüm- und Bühnenbildnerin Kathrin Frosch entworfene Ausstattung kosten fast genauso viel wie der jährliche Messeauftritt. Nicht viel, wenn das heißt, dass es in Zeiten ohne Buchmesse in den Messehallen überhaupt einen Auftritt gibt. Gut auch gegen die „Katerstimmung“ dieser Messe, fügt Elspas hinzu.

          Räuber am Weg: 18. Oktober, 11 bis 18 Uhr, Literaturhaus Frankfurt

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