https://www.faz.net/-gqz-9fdxg

Autorin aus Guadeloupe : Alternativer Literaturnobelpreis für Maryse Condé

  • Aktualisiert am

Maryse Condé Bild: Picture-Alliance

Die Schriftstellerin Maryse Condé gewinnt den alternativen Literaturnobelpreis. Das gab die Jury unter Vorsitz der schwedischen Journalistin Ann Palsson am Freitag bekannt.

          Die von der Karibikinsel Guadeloupe stammende Autorin Maryse Condé hat den alternativen Literaturpreis gewonnen. Das entschied eine vierköpfige Jury unter Vorsitz der schwedischen Journalistin Ann Palsson, die sich „Die Neue Akademie“ nennt. Die 81-Jährige beschreibe respektvoll, präzise und mit feinem Humor Misstände und Chaos des Post-Kolonialismus, hieß es in der Begründung der Jury.

          Unter den Finalisten waren auch die Kanadierin Kim Thúy und der Brite Neil Gaiman. Die drei Autoren wurden zusammen mit dem Japaner Haruki Murakami nach einer weltweiten Online-Abstimmung nominiert. Murakami zog jedoch seine Teilnahme zurück.

          Die Auszeichnung wird in diesem Jahr einmalig anstelle des Literaturnobelpreises vergeben, der wegen der Krise der Schwedischen Akademie abgesagt wurde. Etwa hundert Personen sind Teil des alternativen Komitees. In einer ersten Runde durften schwedische Bibliotheken Autorinnen und Autoren nominieren. Aus den Vorschlägen wurde eine Liste mit 45 Nominierten zusammengestellt und in die Online-Abstimmung gegeben.

          Hurricanes und Erdbeben

          Condé, die an der Universität Sorbonne in Paris studierte und mit einer Arbeit über die stereotypen Darstellungsweisen Schwarzer in der westindischen Literatur promovierte, bedankte sich in einer Videobotschaft für die Auszeichnung. Sie sei froh über die Anerkennung, die ihr Land auf diese Weise erhalte. Guadeloupe werde in den Nachrichten sonst nur erwähnt, wenn die Insel von Hurricanes oder Erdbeben betroffen sei.

          1984 veröffentlichte Condé den Bestseller „Segu - Die Mauern aus Lehm“. Für den Roman wurde sie später mit dem LiBeraturpreis ausgezeichnet, der an Autoren aus Afrika, Asien und Lateinamerika vergeben wird. Anregungen zu der Geschichte über Familie, Ethnien, Religionen und den Untergang der Stadt Segu, hatte Condé, die viel in Westafrika unterwegs war, in Mali gesammelt. Sie schrieb auch Kinderbücher, Theaterstücke und zahlreiche Essays. Nach Lehrtätigkeiten an der Pariser Sorbonne in den Achtzigerjahren unterrichtete sie französischsprachige afrikanische Literatur an der Columbia University in New York. Mit ihrem zweiten Ehemann, dem Übersetzer Richard Philcox, lebt sie inzwischen abwechselnd in New York und auf Guadeloupe.

          Die Initiative „Die Neue Akademie“ habe mit der Vergabe des alternativen Preises sicherstellen wollen, dass auch in diesem Jahr daran erinnert werde, wie Literatur zu Demokratie, Empathie und Respekt beitragen könne, hieß es in einer Mitteilung. Die Jury hat angekündigt, sich einen Tag nach der Vergabe wieder aufzulösen.

          Weitere Themen

          Wettstreit der Romantiker

          Ausstellungen in Paris : Wettstreit der Romantiker

          Victor Hugo, Notre-Dame und die Folgen: Zwei Pariser Ausstellungen im Petit Palais beschäftigen sich mit einer Zeit, die ihre Liebe für „ihr“ Retro entdeckte und auch vielfältig auslebte.

          Russischer Ort streitet über Stalin-Statue Video-Seite öffnen

          Aufstellen oder nicht? : Russischer Ort streitet über Stalin-Statue

          Seitdem in der russischen Ortschaft Kusa eine alte Stalin-Statue in einem Teich entdeckt wurde, spaltet sie das Städtchen. Soll sie am alten Ort wieder aufgestellt werden, wie das der kommunistische Aktivist Stanislaw Stafejew fordert? Oder sollte sie lieber ins Museum?

          Jetzt retten Haustiere die Welt

          Kinocharts : Jetzt retten Haustiere die Welt

          „Pets 2“ verdrängt den neuen „Spider-Man“ und landet wieder auf Platz eins der deutschen Kinocharts. In Nordamerika hat der Superheld noch einen sicheren Stand.

          Ein Mann, ganz für sich, ein Museum für alle

          Frieder Burda : Ein Mann, ganz für sich, ein Museum für alle

          Frieder Burda hat eine der bedeutendsten Privatsammlungen Europas zusammengebracht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Am Sonntag ist er im Alter von 83 Jahren in Baden-Baden gestorben.

          Topmeldungen

          Donald Trump am 12. Juli in Milwaukee

          Provokation auf Twitter : Trumps Spiel mit dem Feuer

          Auf Twitter beleidigt Amerikas Präsident vier Parlamentarierinnen rassistisch. Mit der Provokation will er Konflikte unter den Demokraten schüren – und scheitert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.