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Buchmesse : Arabische Länder wollen Klischees bekämpfen

  • Aktualisiert am

„Goldene Chance”: Amre Mussa Bild: AFP

Arabische Intellektuelle und Politiker sehen im arabischen Gastauftritt bei der Frankfurter Buchmesse eine Chance, das aus ihrer Sicht verzerrte Bild ihrer Kultur im Westen zurechtzurücken.

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          Viele arabische Intellektuelle und Politiker sehen in dem arabischen Gastauftritt bei der Frankfurter Buchmesse (6.-10. Oktober) eine Chance, das aus ihrer Sicht verzerrte Bild der arabischen Kultur im Westen zurechtzurücken.

          Bei einem Vorbereitungstreffen in Kairo in der Nacht zum Dienstag erklärte der ägyptische Dichter Ahmed Abdelmoti Hegasi: „Wir müssen vorbereitet sein, um auf die Fragen zu antworten, die uns die Deutschen stellen werden, dazu gehören auch unsere Haltung zum Terrorismus und zu Geiselnahmen im Irak.“ Hoda Wasfi, Professorin für französische Literatur in Kairo, sagte dagegen: „Die arabische Messebeteiligung soll unsere Kultur präsentieren und nicht zu einer Verteidigungsaktion werden.“

          „Ein Teil der Deutschen unzufrieden“

          Nach Ansicht des Präsidenten des arabischen Verlegerverbandes, Ibrahim el Moallem, ist ein Teil der deutschen Öffentlichkeit nicht zufrieden damit, daß die Buchmesse die arabische Welt eingeladen habe. „Die öffentliche Meinung in Deutschland ist gespalten: Einige denken, daß die arabische Kultur eine Kultur der Ablehnung des Anderen ist, die zum Terrorismus ermutigt, dem Diktat der Regierungen folgt und die Urheberrechte nicht respektiert“, sagte El Moallem, der zu den Organisatoren der arabischen Gastregion-Präsentation in Frankfurt gehört. Viele Deutsche verstünden aber auch, daß all dies nur ein Teil des Gesamtbildes sei. Hier müsse die arabische Präsentation ansetzen, um die verschiedenen Strömungen innerhalb der arabischen Kultur zu zeigen.

          Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, hat den Gastauftritt in Frankfurt zur Chefsache erklärt und seit Monaten immer wieder betont, was für eine „goldene Chance“ die Messebeteiligung für die Araber sei. Am Dienstag sagte Mussa, inzwischen hätten 13 arabische Minister ihre Teilnahme an der Messe bestätigt.

          Auch Oppositionelle vertreten

          Der ägyptische Kulturminister Faruk Husni versprach unterdessen, der ägyptische Staat werde sich neutral verhalten, so daß alle Seiten, „Unterstützer (der Regierung) und Oppositionelle“ an der Messe teilnehmen könnten. Er unterstütze auch die Teilnahme arabischer Schriftsteller, die im Ausland leben. Der Auftritt der Arabischen Welt in Frankfurt wird mit rund 4000 Quadratmetern Ausstellungsfläche der bisher größte eines Gastes auf der Buchmesse sein.

          Zu den Diskussionsrunden, bei denen hitzige Diskussionen zu erwarten sind, gehören auch Veranstaltungen, bei denen es um die Wurzeln des islamistischen Terrors und über Mißverständnisse in der gegenseitigen Wahrnehmung zwischen Orient und Okzident gehen soll. Außer den von der Arabischen Liga offiziell eingeladenen Schriftstellern, Kritikern und Beamten werden in Frankfurt auch zahlreiche andere Autoren erwartet, deren Werke in deutscher Sprache erschienen sind.

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