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Islands Buchmesse-Auftritt : So heiß wie ein Vulkan

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Die einzige exotische hochentwickelte Zivilisation

Dann brach der Eyjafjallajökull aus und legte den europäischen Flugverkehr lahm. Die Weltöffentlichkeit, die sich gerade erst an das Krisen-Island gewöhnt hatte, sah nun schmelzendes Gletschereis, das eine Bergkuppe in weißen Dampf hüllte, aus dem eine pechschwarze Wolke stieg; Lavafontänen, Blitze, glitzernde Aschepartikel. Das exotische Island war mit einem großen Knall zurückgekehrt, und viele fragten sich staunend, was die Isländer sich als Nächstes einfallen lassen würden, um ihr Land in die Schlagzeilen zu bringen - und welchen unaussprechlichen Namen es haben würde.

Während Übersetzer, Autoren und Verlage mit Hochdruck an den Büchern für das Gastlandjahr arbeiteten, ist Island durch diese Nachrichten zum rätselhaften Unbekannten von Europa geworden, dem kleinen Land mit den großen Gesten, der einzigen hochentwickelten Zivilisation dieser Welt, die wirklich exotisch ist.

Mit einer Vorliebe für kalte, klare, karge Orte

Natürlich sind weder der Eyjafjallajökull noch die Kaupthing-Bank literarische Ereignisse. Und doch hat die Medienpräsenz der letzten Jahre Island von seinem Erwin-Lindemann-Image befreit. Jede Nachricht von einer einbrechenden Bank oder einem ausbrechenden Vulkan hat dazu geführt, dass ein paar mehr Leser denken: „Island, da habe ich doch neulich schon mal etwas drüber gehört.“ Jede Schlagzeile ließ die Zahl der Verleger sinken, die dachten: „Island, das interessiert doch nur ein paar Wollmützenträger und Ponymädchen.“

Denn wer so denkt, vergisst, dass die deutschen Island-Fans zwar nicht so zahlreich sein mögen wie die Spanien-Fans, dafür aber fast alle deutschen Island-Fans gern lesen. Wer nach Island fährt, mag kalte, klare, karge Orte, an denen draußen wenig passiert und drinnen dafür umso mehr, und genau dieses Gefühl ist es doch, das jeder Leser in dem Moment erzeugt, in dem er ein Buch aufschlägt.

Vor dem ultimativen Ritterschlag

Nun ist die Buchmesse da, und mit ihr sind es nicht nur die isländischen Bücher. Wer dieser Tage an der Frankfurter Hauptwache umsteigt, kann dem Land am Polarkreis nicht entkommen: Plakate werben für isländische Musik von der Alten Oper bis zum Mousonturm, isländische Architektur im Architekturmuseum, isländisches Design im Museum für Angewandte Kunst, die Kunsthalle Schirn zeigt gleich zwei Ausstellungen mit Werken isländischer Künstler. Der Beweis, dass Island mehr ist als Vulkane und Pferde, ist erbracht.

Und der ultimative Ritterschlag steht Island noch bevor. Am Sonntag der Buchmesse wird dem Land die größte Ehre zuteil, die das intellektuelle Deutschland zu vergeben hat, eine Ehre, die sonst nur Kanzlern und Päpsten zuteil wird: Es wird in der Brotfabrik mit großem Aufwand von der Titanic beim „Großen feierlichen Island-Verachtungs-, Verhöhnungs- und Beschimpfungsabend“ aufs Korn genommen. So weit wird es nie wieder ein Gastland bringen.

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