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Buchmesse : Schöne neue Parkplatzwelt

Zum Auftakt der Buchmesse gilt die Sorge der Branche dem Digitalen. Anscheinend dreht sich die Welt der Bücher auch um Piraten und Automobile.

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          So modern ging es noch nie zu. Und gleichzeitig so dunkel. Denn im hochgerüsteten Audi-Pavillon „Open Space“, den die Buchmesse sich zur Nachnutzung gesichert hat, herrschte Dämmerung. Das trieb Gottfried Honnefelder tiefe Sorgenfurchen auf die Stirn. Denn er zürnt ohnehin, vor allem der Internet-Piraterie. Und der Politik. Denn die tue „in bemerkenswerter Weise nichts“, sprach der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Das sei „katastrophal“. Bereits heute seien sechzig Prozent aller in Deutschland gelesenen E-Books illegal heruntergeladen. Dennoch sei die langfristige Prognose für den Buchmarkt auf Wachstum ausgerichtet, weil sich die Branche auf die digitale Welt einstelle.

          Hannes Hintermeier
          Feuilleton-Korrespondent für Bayern und Österreich.

          Die Eröffnungs-Pressekonferenz der Messe ist traditionell Gelegenheit zur Standortbestimmung der Branche. Und die war jenseits der Urheberrechtsfrage ganz dem digitalen Paradigmenwechsel gewidmet. Zahlen wurden keine genannt, aber mit knapp 7400 Ausstellern und erwarteten 280.000 Besuchern liegt die weltgrößte Buchmesse gut im Rennen. Buchmesse-Direktor Jürgen Boos verglich die reale Entwicklung mit den Vorhersagen der Science-Fiction, etwa mit Neal Stephensons Roman „Diamond Age“ aus dem Jahr 1995. Darin wird mit auf Nanotechnologie basierenden interaktiven Büchern gelesen und gearbeitet, gegen die ein iPhone wie eine Kinderrassel wirkt. Boos nannte als sein Schlagwort des Jahres „Aufbruch“, denn die Branche erfinde sich neu - darin der Automobilbranche viel ähnlicher, als gemeinhin vermutet. Mit „StoryDrive“ sei erstmals eine „All-Media-Konferenz“ im Angebot, die Experten aus Film, Computerspiele-Welt, Buch und Musik zusammenführt - im Audi-Pavillon. Bei der Zusammenarbeit mit den Autobauern habe man diese „als tief und aufrichtig interessiert an kulturellen Werten“ erlebt.

          Drucker rattern unter der Decke

          Warme Worte, die Audi-Vorstandsmitglied Peter Schwarzenbauer, auch er „driven by ideas“, retournierte. Er skizzierte eine Welt der Megacities, eine Welt ohne Parkplatzsuche, in welcher das Automobil den Besitzer vor der Tür ablade, sich in der vernetzten Parkplatzwelt einen freien Stellplatz suche, dort automatisch einparke und morgens auf Zuruf wieder zur Abholung vorfahre. Was das alles mit der Buchbranche zu tun hat? Man habe es mit der „angenehmsten Form der Trendforschung“ zu tun, denn Literatur sei ein gesellschaftlicher Seismograph, der zeige, was Menschen bewege. Technisch machbar sei vieles, aber die Gesellschaft müsse sich darüber klar werden, was sie wolle.

          So also fanden zwei großen Beweger zueinander, die physischen Transporteure und die Inhaltslieferanten, die fortan „content professionals“ genannt werden müssen. Und als Begleitmusik fingen einige der elf Dutzend Drucker an zu rattern, die Christopher P. Baker unter der Decke installiert hat und die auf schmalen Papierstreifen aktuelle Tweets ausspucken, die Schlüsselwörter wie „Dialog“, „Literatur“ oder „Idee“ enthalten, um am Ende als Papierschlangen auf dem Boden der Tatsachen zu landen.

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