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E-Books : Börsenverein fordert reduzierten Steuersatz

Bücher heute, ... Bild: dpa

Die Buchmesse wandelt sich von einer Bücherschau zu einer Messe, auf der Filmemacher, Hersteller von Computerspielen und Telefongesellschaften nach passenden Inhalten für ihre Produkte suchen. Mit einem reduzierten Steuersatz will der Buchhandel den Absatz elektronischer Bücher steigern.

          Die diesjährige Frankfurter Buchmesse wird mehr als alle Vorgänger von neuen Medien beherrscht werden. Zwar zeigen noch immer mehr als 7000 Verlage aus gut 100 Ländern gedruckte Bücher in Frankfurt. Mit gedruckten Büchern erzielt auch der deutsche Buchhandel noch immer 99 Prozent seines Umsatzes von knapp 10 Milliarden Euro im Jahr. Dennoch „stehen wir vor der zweiten Welle der Zerstörung von Inhalten und befinden uns auf dem Übergang von der linearen zur digitalen Welt“, wie Messedirektor Jürgen Boos die Situation am Vortag der Messe umschrieb.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Diese Situation sei vergleichbar mit der vor etwa 600 Jahren, als Johannes Gutenberg den Buchdruck erfand. „Damals verloren die Klöster ihre Deutungshoheit, die Minnesänger ihren Beruf, und die Aufklärung wurde eingeleitet. Auch heute sind ähnliche oder sogar dramatischere Folgen zu erwarten. Wir zertrümmern alte Strukturen und trauen uns, die Inhalte neu zusammenzusetzen“, sagte Boos. Dabei werde das gedruckte Buch eventuell verlieren, die Autoren aber nicht. „Die Anbieter von Inhalten profitieren von der steigenden Nachfrage nach Geschichten durch viele neue Medien“, ist sich Boos sicher.

          Absatz elektronischer Bücher in Deutschland sehr gering

          Inhalte würden aber zunehmend unabhängig von der Veröffentlichungsform gesucht. Daher bringe die Messe die Kreativbranchen Spiele, Musik, Film, Internet und Buchbranche zusammen. Es werden neben zahlreichen neuen Büchern auch zahlreiche technische Neuheiten gezeigt. Die Buchhandelskette Thalia stellt ein neues elektronisches Lesegerät (E-Reader) vor, der Wettbewerber Weltbild erstmals ein solches Gerät für weniger als 100 Euro, das Marktforschungsinstitut Media Control stellt seine Download-Plattform ceebo vor, der Buchgroßhändler Libri seinen E-Book-Shop für elektronische Bücher. In zahlreichen Veranstaltungen sollen Antworten auf neue Strukturen der Medien- und der Unterhaltungsindustrie gefunden werden.

          ... Bücher morgen?

          In Deutschland ist bisher der Absatz elektronischer Bücher allerdings noch sehr gering, berichtet Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Der Umsatz mit elektronischen Büchern liege noch immer bei weniger als einem Prozent des Gesamtumsatzes, allerdings mit deutlichen Unterschieden. Während das elektronische Buch von Wissenschaftlern und den Lesern von Fachbüchern gut angenommen werde, bleiben Leser populärer Belletristik bei der gedruckten Version, obwohl inzwischen ein Drittel aller Neuerscheinungen parallel zur Druckversion auch elektronisch vorliegen, bei Fachbüchern sogar mehr als jedes zweite.

          Elektronische Bücher unterliegen dem vollen Mehrwertsteuersatz

          Der Absatz elektronischer Bücher liege insgesamt deutlich unter jenem in den Vereinigten Staaten. Das führte Honnefelder auf die deutsche Buchpreisbindung zurück, die keinen Preisvorteil für elektronische Bücher erlaubt. Vor allem aber sei der schleppende Absatz hierzulande darauf zurückzuführen, dass der deutsche Buchhandel (fast) jedes Buch innerhalb von 48 Stunden besorge. In Amerika dauere die Auslieferung eines bestellten Buches in der Regel sehr viel länger. „Da hat das elektronische Buch wegen seiner sofortigen Verfügbarkeit größere Vorteile“, sagte Honnefelder.

          Um den Absatz aber auch hierzulande zu befördern - der Anteil elektronischer Bücher am Gesamtumsatz könnte nach Honnefelders Einschätzung mittelfristig auf etwa 10 Prozent steigen -, rief der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels die Bundesregierung dazu auf, den reduzierten Mehrwertsteuersatz (7 Prozent) auch auf elektronische Bücher anzuwenden. Derzeit unterliegen sie im Gegensatz zum gedruckten Buch dem vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. „Bücher sind ein Kulturgut und der Grundstein für Lesefähigkeit und Bildung in der Gesellschaft. Daher ist es unerheblich, ob das Buch in gedruckter oder digitaler Form gelesen oder ob es gehört wird“, begründete Honnefelder seine Forderung nach einer Steuersenkung für digitale Medien und erinnerte daran, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einem Jahr zu dem Kulturgut Buch bekannt habe.

          Andere Länder fortschrittlicher

          Honnefelder verwies zudem darauf, dass andere europäische Länder weiter seien. In Frankreich, Spanien, Schweden und den Niederlanden habe man bereits beschlossen, den reduzierten Mehrwertsteuersatz zumindest auf Hörbücher, CDs und CD-ROMs anzuwenden. Honnefelder warnte davor, im Rahmen der Steuervereinfachung den reduzierten Steuersatz nur noch auf Lebensmittel anzuwenden.

          Eine Steuererhöhung träfe die Branche allerdings in einem relativ guten konjunkturellen Umfeld. Der Umsatz der Buchbranche lag in den neun Monaten von Januar bis September dieses Jahres um 0,8 Prozent über dem Vorjahr. Er konnte damit sein Vorjahreswachstum fortsetzen. Im vergangenen Jahr stieg der Branchenumsatz ebenfalls um 0,8 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro, von denen 6,5 Prozent auf elektronische Medien insgesamt entfielen, vor allem auf Hörbücher, CDs und CD-ROMs. Honnefelder zeigte sich zuversichtlich, dass die Branche das leichte Wachstum auch bis Ende dieses Jahres fortsetzen könne.

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