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Nobelpreis für Literatur : Reich-Ranicki: Vargas Llosa „eine sehr gute Entscheidung“

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Für seinen Lektor Jürgen Dormagen, der den Autor sei 25 Jahren kennt, war es „völlig klar, dass er irgendwann diesen Preis bekommen würde“: Vargas llosa habe es „wie kein anderer verstanden, das Leben in Peru und die Gewalt, die das Leben bedeutet, in seinen Werken nachzuzeichnen.“ Besonders sein Buch „Das Fest des Ziegenbocks“ lasse den Urtypus des lateinamerikanischen Diktators „derartig spürbar werden, dass es dem Leser unter die Haut geht“. Auch Varags Llosas langjährige Agentin Michi Strausfeld freute sich „riesig“ und nannte den Preis „wohlverdient“.

Peru strahlt, Lateinamerika freut sich

Der peruanische Verleger Pierre Emile Vandoorne war mit seiner Freude zunächst allein auf der Messe: „Viele Menschen in Peru haben nicht mehr geglaubt, dass er den Preis erhält“, sagt der Verleger. Man habe dort gedacht, „dass er den Nobelpreis auch nicht mehr bekommt wegen seiner politischen Ansichten, die ja
angeblich dem Nobelpreiskomitee in Schweden nicht gefallen haben“, sagt der 32-jährige Vandoorne aus Lima. Letztlich habe wohl doch die überragende literarische Qualität von Vargas Llosa entschieden.

Der Peruaner war eine faustdicke Überraschung - und eigentlich doch keine: In diesem Jahr wurde sein Name bei den Spekulationen über den engeren Favoritenkreis so gut wie nicht genannt. Aber seit mindestens zehn Jahren hat Vargas Llosa immer zum weiteren oder auch mal engen Kern der Anwärter gehört.

Ein halbes Leben in Europa und Nordamerika

Der am 28. März 1936 im süd-peruanischen Arequipa geborne Autor ist ein halber Exilant. Die Hälfte seiner Erwachsenenjahre hat der berühmteste Autor des Andenstaates in Europa und Nordamerika gearbeitet. Er wird deshalb oft als „europäisch“ denkender Schriftsteller bezeichnet. Er sei mit ganzer Seele Lateinamerikaner, der sich in Europa jedoch ebenso zu Hause fühle, sagte er einmal. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter 1994 der Cervantes-Preis und 1996 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Vargas Lloas ist nach zwanzig Jahren Pause der sechste Nobelpreisträger aus Lateinamerika. Nach Gabriela Mistral (1945, Chile), Miguel Angel Asturias (1967, Guatemala), Pablo Neruda (1971, Chile), Gabriel García Marquez (1982, Kolumbien) und Octavio Paz (1990, Mexiko).

Ein streitbarer Schriftsteller, der sich politisch stets engagiert

Der Schriftsteller, der sich selbst als liberal bezeichnet, mischt sich auch leidenschaftlich und nicht selten provokativ in die Politik ein. Die Demokratie sei in ganz Lateinamerika gefährdet, warnte er immer wieder. Linksgerichteten populistischen Staatschefs wie Venezuelas Präsidenten Hugo Chávez wirft er vor, einen „Kommunismus wie in Kuba“ anzustreben. Kubas Fidel Castro bezeichnete ihn daraufhin als „Vertreter der Oligarchie“.

Entschieden tritt er auch für die Menschenrechte ein. Als die peruanische Regierung kürzlich ein von Kritikern als „faktische Amnestie“ für Menschenrechtsverbrechen bezeichnetes Gesetz betrieb, legte Vargas Llosa im September aus Protest sein Amt als Leiter eines Beirats der Erinnerungsstätte für die Opfer der Gewalt zwischen 1980 und 2000 nieder. Dieser spektakuläre Rückzug von dem Projekt in Lima, das von Deutschland finanziell unterstützt wird, soll Präsident Alan García dazu bewogen haben, das Gesetz zurückzuziehen.

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