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Marilyn Monroes private Aufzeichnungen : Vergessene Notizen unterm Bett

Mehr als ein blondes Dummchen: Marilyn Monroe führte über ihr Leben ausführlich Protokoll Bild: Alfred Eisenstaedt, Getty Images

Marilyn Monroe war eine leidenschaftliche Leserin. Zu ihrer Lektüre zählten Freud, Beckett und Flaubert. Was sie selbst schrieb, können wir in einem neuen Buch lesen. Es zeigt eine reflektierte und sensible Frau beim Kampf gegen ihre Versagensängste.

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          Um zu überleben, hätte sie zynischer sein müssen, hat Norman Mailer in seiner Biographie von Marilyn Monroe gesagt. Da ist etwas dran. Sie hätte alles Mögliche mehr sein müssen, als ihr zur Verfügung stand: durchsetzungsfähiger, härter gegen andere, glücklicher. Anderes allerdings hätte sie weniger sein müssen – weniger verwundbar, weniger von Selbstzweifeln gequält, weniger abhängig von Menschen, die ihr nicht guttaten, von Pillen, die sie zerstörten, vom Alkohol, der sich ihrer Klarsicht in den Weg stellte. Auch weniger Talent hätte ihre Überlebenschancen verbessert, weniger künstlerischer Ehrgeiz, weniger Interesse an Gefühlen und ihrem wahrhaftigen Ausdruck. Hatte sie also, da sie nun einmal war, wer sie war, von Beginn an keine Chance? Und wer war sie eigentlich?

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Unzählige Bücher sind diesen Fragen nachgegangen, und meistens lagen die Interessen offen zutage. Das Interesse, besser gesagt, denn es war meistens dasselbe, nämlich die Vermutung, von diesem Wesen, mit dem lebendig oder tot so viele Geschäfte gemacht wurden, würden wohl noch ein paar weitere Dollar abfallen. Verschwörungstheorien darüber, wer sie ermordet haben könnte, machten die Runde, immer neue Fotobände, Biographien, Reminiszenzen. Und dann erschien im Jahr 1993 die letztlich gültige Marilyn-Monroe-Biographie von Donald Spoto. Sie ist trocken wie ein Autopsiebericht, diskret, unempfindlich gegenüber Marilyns Verführungskraft, skeptisch gegenüber ihrem öffentlichen Bild und ihren Selbstinszenierungen. Es ist ein sich gegen alle Legenden sperrendes Buch, das vielleicht nicht die Wahrheit über diese Frau erzählt, aber doch die lange umstrittenen Fakten ans Licht bringt und geraderückt.

          Das Ergebnis war die traurige Geschichte einer komplizierten Frau, die mit aller Macht versuchte, Unabhängigkeit zu gewinnen, und sich doch immer wieder in Abhängigkeiten verstrickte, die sich nicht zum erlösungswürdigen Opfer machen lassen wollte und auch deshalb ihre eigene Produktionsfirma gründete, weil sie bei der Fox oder anderen Studios keine Zukunft für sich sah. Wenn nicht schon nach Mailers Biographie, so spätestens nach diesem Buch konnte niemand mehr ernstlich behaupten, Marilyn Monroe sei jemals das blonde Dummchen gewesen, als das sie einige Zeitgenossen zu Lebzeiten sahen. Wobei andere Zeitgenossen, darunter eben Norman Mailer, Truman Capote und natürlich Arthur Miller, ihr dritter Ehemann, immer schon gesehen hatten, wie stark ihre Intelligenz, Widerständigkeit und intellektuelle Neugierde waren. Dem war eigentlich nichts hinzuzufügen.

          Die Schwierigkeit, seine Ängste vor der Außenwelt zu verbergen: das sensible Geschöpf Marilyn Monroe

          Kommerzielle Hintergedanken

          Nun also noch mal Marilyn. Neues Material ist aufgetaucht. Von ihr selbst geschrieben, in Notizbüchern, auf Hotelbriefpapier, auf von Blöcken abgerissenen Zetteln. Dazu nie oder nur selten veröffentlichte Fotos. Unters Volk gebracht von einer gut geölten Marketingmaschine in vielen Ländern und Sprachen gleichzeitig (in Deutschland erscheint das Buch morgen im S. Fischer Verlag), mit Sperrfristen, die zu brechen sehr teuer käme, und Exklusivrechten für den „Spiegel“, der es mit einer Titelgeschichte dankt, in der viele Fragen nicht gestellt werden.

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