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Zur Lage des Buchmarkts : Ein Buch ist immer drin

Die Auswahl ist groß genug: Doch die Konsumenten entscheiden sich in vielen Fällen lieber für das auf Papier gedruckte Wort Bild: Marcus Kaufhold

Nach der Buchmesse ist vor dem Weihnachtsgeschäft: Der deutsche Buchhandel behauptet sich in der Krise, indem er weniger Titel, aber mehr Bücher verkauft. Die Zukunft liegt in der Stapelware. Oder in der Spezialisierung?

          Unlängst erschütterte eine Umfrage unter Jugendlichen die Branche: Buchhändler wolle heute keiner mehr werden, das gelte als unsexy. Staubig, zu viel Papier. Medienverkäufer ist da schon zeitgemäßer, Filme, CDs, Spiele. Als wäre der gemeine deutsche Buchhändler nicht schon Multi-Tasker genug. Um die viertausend Geschäfte zählt der Börsenverein im Land, die meisten davon mittelständische, meist inhabergeführte Läden. Die mühen sich um Service und Kundenorientierung, organisieren Lesungen, betreiben Online-Auftritte, sollen nebenbei noch die Bücher lesen, die sie tagsüber verkaufen wollen. Hinzu kommt die Last, als eine Art Erzieher der Nation zu fungieren, ihren Kunden das Gute-Wahre-Schöne in Buchform zuzuführen - und darüber vor lauter Selbstausbeutung nicht zugrunde zu gehen.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Mit einem Anteil von mehr als zweiundfünfzig Prozent am Gesamtumsatz von 9,6 Milliarden im Jahr 2008 ist der Sortimentsbuchhandel immer noch der wichtigste Vertriebsweg. Zwar wuchs der Anteil des Versandbuchhandels inklusive aller Internetanbieter um 2,4 Prozent auf vierzehn Prozent, aber das schnelle Wachstumstempo von Amazon und Konsorten hat sich in diesem Segment verlangsamt. Die Mehrheit der Kunden bestellt ihre Bücher also immer noch lieber beim Händler um die Ecke, persönlich oder online - auch, um sie dann persönlich abzuholen. Und wenngleich die digitale Zukunft des Buches wieder ein zentrales Thema der Messe war, so hat sich bislang erst eine verschwindende Minderheit dazu durchgerungen, ein elektronisches Lesegerät anzuschaffen.

          Was wird das E-Book reißen?

          Noch konnte das E-Book weder seine Rolle als Werkzeug des Teufels noch als Heilsbringer überzeugend spielen. Seine wirtschaftliche Bedeutung ist marginal. Möglich, dass die Entwicklung zeitversetzt so verläuft wie in den Vereinigten Staaten. Dort hat sich der Umsatz mit E-Books seit 2007 sprunghaft entwickelt, im laufenden Jahr wird er geschätzte vier bis fünf Prozent vom gesamten Buchumsatz erreichen. In Deutschland sind rund eine Million Bücher lieferbar; bei „libreka!“, dem neuen Online-Portal des Börsenvereins, sind davon gerade einmal vierzehntausend Titel als Download im Angebot. Der Umsatz mit E-Books, sagt Ronald Schild vom Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels (MVB), liege „im Promillebereich“, aber das werde sich ändern.

          Retail is detail, sagt der Einzelhändler gern. Trotzdem hat es in der Vergangenheit einen Reformstau im Buchhandel gegeben. Der wurde aufgebrochen von den großen Filialisten, die neue Auftritte für das Produkt Buch erfanden, es in Erlebniswelten einbetteten. An die achthundert Buchhandlungen sind seit der Jahrtausendwende geschlossen worden, zum Teil an die Wand gedrückt durch eine Konzentrationswelle, die hauptsächlich von zwei großen Marktteilnehmern getrieben wird. Kleine Buchhändler verlassen sich häufig genug auf ein Geschäftsmodell, das im Kern unverändert seit Jahrhunderten funktioniert.

          Der Rest fällt durchs Raster

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