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Jugendliteraturpreis : Ich habe einen grauen Himmel gemeint

Verteidigt die künstlerische Freiheit im Kinderbuch: Zeichnerin Jutta Bauer Bild: Michael Hauri

Die Zeichnerin Jutta Bauer, mit dem Sonderpreis zum Jugendliteraturpreis geehrt, nutzte die Gelegenheit zu einer Grundsatzrede über künstlerische Freiheit, Rechte der Urheber an ihren Werken und massive Eingriffe in Verlagen.

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          Wer einen Preis bekommt, darf sprechen: So ist das beim Oscar und beim Deutschen Buchpreis, und so war das auch beim Deutschen Jugendliteraturpreis, der am vergangenen Freitagabend auf der Frankfurter Buchmesse verliehen wurde: an den australischen Illustrator Shaun Tan, den Kinderbuchautor Andreas Steinhöfel, den englischen Jugendschriftsteller Kevin Brooks, den Sachbuchautor Wolfgang Korn, dessen Darstellung der Varusschlachtfeldforschung auch von den feinen Bildern Klaus Ensikats lebt, und an den Australier Markus Zusak für seinen fabelhaften Roman „Die Bücherdiebin“.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Zusak war nicht angereist, dafür dankte sein Verleger Zusaks ebenfalls abwesender Übersetzerin Alexandra Ernst, deren Arbeit zum dritten Mal ausgezeichnet wurde. Auch Kevin Brooks dankte seinem Übersetzer Uwe-Michael Gutzschhahn, der seine Bücher viel besser gemacht hätte, als sie eigentlich seien: „In English they are really, really bad.“ Steinhöfel dankte seiner „absolut göttlichen Lektorin“, Ensikat dankte keinem, meinte aber, zu Korns Buch befragt, das sei, „wie Bücher eben so sind: Sie bestehen aus sechs anderen, die vorher erschienen sind.“ Der zweifach nominierte Shaun Tan meinte auf die Frage, ob er sich deshalb gute Chancen ausgerechnet hätte, klar sei ihm nur eines gewesen: dass er auf jeden Fall verlieren würde, mit einem seiner Bücher.

          Nicht alles dem Marketing überlassen

          Das war alles nett und kurzweilig, auch wenn man sich zeitweilig die Augen rieb, weil auf dem ellenlangen Gewinnersofa am linken Bühnenrand bis zum Erscheinen der Juryvorsitzenden nur immer wieder neue Männer Platz nahmen, keine einzige Frau. Dann aber wurde der Zeichnerin Jutta Bauer der Sonderpreis für ihr Lebenswerk verliehen, und sie nutzte die Bühne, die der einzige deutsche Staatspreis für Literatur bietet, zu einer Grundsatzrede über künstlerische Freiheit, Rechte der Urheber an ihren Werken und massive Eingriffe durch verschiedene Gremien in den Verlagen: „Das Marketing entscheidet mit über blaue, graue oder rosa Hintergründe, dünne oder dicke Kinder, es ist ja alles so leicht änderbar. Wenn ich aber einen grauen Himmel gemalt habe, habe ich auch einen grauen Himmel gemeint und möchte, dass auch ein grauer gedruckt wird und nicht einer, der sich angeblich besser verkauft, rosa vielleicht.“

          Man möchte diese Sätze in Stein gemeißelt sehen, überall dort, wo über Bücher entschieden wird.

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