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„Süper Freunde“ : Das ist doch was für Cem

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Irgendetwas dazwischen: Cem Özdemir, flankiert von Ertugrul Özkök (l.) und Kai Diekmann Bild: dpa

Kai Diekmann („Bild“) und Ertugrul Özkök („Hürriyet“) haben ein Buch ohne Überraschungen geschrieben. Es heißt „Süper Freunde“, und bei diesem Thema darf natürlich auch ein Grünenpolitiker nicht fehlen, dem jüngst die Freunde fehlten.

          Kai Diekmann und Ertugrul Özkök haben ein Buch geschrieben. Diekmann ist Chefredakteur von „Bild“, Özkök verantwortlich für die „Hürriyet“. Ihre Zeitungen sind die auflagenstärksten in Deutschland und in der Türkei. Die beiden mögen sich, sind richtig gute Freunde, auch wenn es auf Schlagzeilenebene manchmal kracht. „Süper Freunde - Was Türken und Deutsche sich wirklich zu sagen haben“ heißt deshalb ihr Buch.

          Diekmann ist Deutscher, Özkök kommt aus der Türkei, Cem Özdemir, abgewatschter Grünenpolitiker, ist irgendwas dazwischen. Ob er deshalb gekommen war, das Werk der beiden Mediengiganten auf der Buchmesse zu präsentieren? Özdemir hat so richtig süper Freunde, dachten wir letzte Woche noch, doch dann hat uns das Debakel in Schwäbisch Gmünd mächtig ins Grübeln gebracht. Wie schön war es da, Özdemir wieder wohlauf und ohne seinen Fluchtrucksack, eingerahmt zwischen den beiden mächtigen Männern, auf der Buchmesse stehen zu sehen. Weil nicht jeder so wie Özdemir ist, also die Leser von „Bild“ nicht Türkisch können und die von „Hürriyet“ - pardon, unter Freunden darf man ehrlich sein - oft immer noch kein Deutsch, erscheint „Süper Freunde“ in beiden Sprachen.

          Die Buchvorstellung als Vorwand

          Ohne Scheuklappen oder falsche Rücksichtnahme sollten die darin versammelten Autoren mal ganz offen sagen, wie sie die Deutschen und Türken finden. Tatsächlich ist das Buch ein Beispiel für gelungene Integration. Alle, die Diekmann und Özkök gerufen haben, haben für sie geschrieben: Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier, beide gewohnt staatstragend, genauso wie Süleyman Demirel, der ehemalige türkische Staatspräsident. Dieter Zetsche, der Vorstandsvorsitzende von Daimler, erinnert an die Gastarbeiter, Seyran Ates und Henryk M. Broder sehen das Ganze soziologisch, und Feridun Zaimoglu und die Rapperin Lady Bitch Ray machen ein klein bisschen Krawall.

          Überraschungen gibt es nicht, aber das war ja auch nicht zu erwarten, unter Freunden kennt man sich ja. Außer man ist wie Özdemir bei den Grünen, da lassen einen auch mal süper Freunde im Stich. Und plötzlich geht uns ein Licht auf: Was ist, wenn die Buchvorstellung nur ein Vorwand ist? In Wirklichkeit entsteht hier gerade eine neue Partei! Wie so etwas geht, wenn man angeschossen ist, hat Lafontaine vorgemacht. Özdemir wird Parteivorsitzender, Diekmann und Özkök sind zuständig für PR - mit ihrer Auflagenzahl schaffen sie locker die Mehrheit im Bundestag.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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