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Cem Özdemir: Türkei : Zur Oma ans Schwarze Meer

Özdemirs Buch lädt Jugendliche ein, die Türkei einmal nicht aus deutscher Perspektive zu sehen Bild: Beltz & Gelberg

Ein prominenter Deutsch-Türke schreibt ein Buch über das Land seiner Eltern. Cem Özedmirs Ziel: Bilder in Frage zu stellen, die deutsche Jugendliche über das Land im Kopf haben. Entstanden ist ein Erinnerungsbuch über das Aufwachsen zwischen den Welten.

          Ohne Cem Özdemir wäre man in Deutschland schon oft ratlos gewesen. Immer wieder frischt der Politiker die Integrationsdebatte und die Frage um den EU-Beitritt der Türkei mit seinen Beobachtungen auf, äußert Kritik an Ankara, die seine Kollegen kaum wagen. Özdemir hat vorgemacht, dass man hier mit türkischen Wurzeln Karriere machen kann, und genauso kennt er die Vorurteile und Missverständnisse, die das Miteinander von Deutschen und Türken immer wieder verkomplizieren.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Nun hat Özdemir ein Buch über die Türkei geschrieben, mit dem er jungen Erwachsenen mit deutschem oder türkischem Hintergrund eine bessere Basis für gemeinsame Diskussionen an die Hand geben will. Unter dem Titel „Die Türkei. Politik, Religion, Kultur“ führt Özdemir durch die Geschichte der Türkei vom Osmanischen Reich bis zur Republik, lotet das Verhältnis zu ihren Nachbarn, von Frauen und Männern und das türkische Bildungssystem aus und gibt erhellende Einblicke in das Leben der türkischstämmigen Menschen in Deutschland.

          Mit den Augen der anderen

          Özdemirs Buch lädt Jugendliche dazu ein, die Türkei und die hier lebenden Türken einmal nicht nur aus deutscher Perspektive, sondern mit den Augen der anderen zu betrachten. So nähert sich sein Autor dem Land und seiner Gesellschaft auch konsequent als Deutsch-Türke, dessen Eltern in den sechziger Jahren als Gastarbeiter hierher kamen und der deshalb die deutsche genauso wie die türkische Kultur in sich trägt. Vieles, das Özdemir als Kind und Jugendlicher bei Besuchen in der Türkei erlebte, war ihm zunächst fremd – davon zeugen die zahlreichen Anekdoten, die er in die faktenreichen Kapitel webt und die das Buch lebendig machen.

          Der Autor Cem Özdemir

          Wir lernen Freunde und Verwandte von ihm kennen, hören davon, wie ihn seine Lehrer im schwäbischen Bad Urach mit unüberlegten Aussagen über den Islam oder über die türkische Invasion auf Zypern verwirrten, und sind mit dabei, wenn die Özdemirs sich im Sommer mit vollbepackten Auto auf die „Memleket yolculugu“, die „Heimatreise“ in das türkische Dorf der Oma machen – das Glas Nutella für den Junior durfte im Gepäck niemals fehlen, denn so etwas gab es damals in der Türkei nicht.

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