https://www.faz.net/-g7u-10s7x

Cem Özdemir: Türkei : Zur Oma ans Schwarze Meer

Özdemirs Buch lädt Jugendliche ein, die Türkei einmal nicht aus deutscher Perspektive zu sehen Bild: Beltz & Gelberg

Ein prominenter Deutsch-Türke schreibt ein Buch über das Land seiner Eltern. Cem Özedmirs Ziel: Bilder in Frage zu stellen, die deutsche Jugendliche über das Land im Kopf haben. Entstanden ist ein Erinnerungsbuch über das Aufwachsen zwischen den Welten.

          1 Min.

          Ohne Cem Özdemir wäre man in Deutschland schon oft ratlos gewesen. Immer wieder frischt der Politiker die Integrationsdebatte und die Frage um den EU-Beitritt der Türkei mit seinen Beobachtungen auf, äußert Kritik an Ankara, die seine Kollegen kaum wagen. Özdemir hat vorgemacht, dass man hier mit türkischen Wurzeln Karriere machen kann, und genauso kennt er die Vorurteile und Missverständnisse, die das Miteinander von Deutschen und Türken immer wieder verkomplizieren.

          Karen Krüger
          Redakteurin im Feuilleton.

          Nun hat Özdemir ein Buch über die Türkei geschrieben, mit dem er jungen Erwachsenen mit deutschem oder türkischem Hintergrund eine bessere Basis für gemeinsame Diskussionen an die Hand geben will. Unter dem Titel „Die Türkei. Politik, Religion, Kultur“ führt Özdemir durch die Geschichte der Türkei vom Osmanischen Reich bis zur Republik, lotet das Verhältnis zu ihren Nachbarn, von Frauen und Männern und das türkische Bildungssystem aus und gibt erhellende Einblicke in das Leben der türkischstämmigen Menschen in Deutschland.

          Mit den Augen der anderen

          Özdemirs Buch lädt Jugendliche dazu ein, die Türkei und die hier lebenden Türken einmal nicht nur aus deutscher Perspektive, sondern mit den Augen der anderen zu betrachten. So nähert sich sein Autor dem Land und seiner Gesellschaft auch konsequent als Deutsch-Türke, dessen Eltern in den sechziger Jahren als Gastarbeiter hierher kamen und der deshalb die deutsche genauso wie die türkische Kultur in sich trägt. Vieles, das Özdemir als Kind und Jugendlicher bei Besuchen in der Türkei erlebte, war ihm zunächst fremd – davon zeugen die zahlreichen Anekdoten, die er in die faktenreichen Kapitel webt und die das Buch lebendig machen.

          Der Autor Cem Özdemir
          Der Autor Cem Özdemir : Bild: dpa

          Wir lernen Freunde und Verwandte von ihm kennen, hören davon, wie ihn seine Lehrer im schwäbischen Bad Urach mit unüberlegten Aussagen über den Islam oder über die türkische Invasion auf Zypern verwirrten, und sind mit dabei, wenn die Özdemirs sich im Sommer mit vollbepackten Auto auf die „Memleket yolculugu“, die „Heimatreise“ in das türkische Dorf der Oma machen – das Glas Nutella für den Junior durfte im Gepäck niemals fehlen, denn so etwas gab es damals in der Türkei nicht.

          Weitere Themen

          Aus Liebe zum Land

          Begegnung mit Neudeutschen : Aus Liebe zum Land

          Der Archäologe Malek Mansour hat sein Leben riskiert, um aus Syrien nach Deutschland zu kommen. Inzwischen hat er ein Buch über seine Flucht geschrieben. Wie schaut er auf seine neue Heimat?

          Topmeldungen

          Die AfD-Spitzenkandidaten Alice Weidel und Tino Chrupalla im August in Schwerin.

          Machtkampf in der AfD : Geht Weidel, kommt Höcke?

          Um die AfD war es im Wahlkampf ziemlich still. Der Machtkampf in der Partei ist ausgesetzt. Welche Richtung sie nimmt, entscheidet sich kurz nach der Bundestagswahl.
          Eine Projektionsfigur: Saskia Esken

          Der Fall Saskia Esken : Was diese Frau so alles betreibt

          Wenn sie nicht im Fernsehen redet, versteckt sie sich. Wenn sie redet, verstellt sie sich. Saskia Esken dient ihren Gegnern im Wahlkampf als Unperson, die für jede Projektion gut ist.
          Die Banken wollen sie nicht mehr: Jede Menge liquide Mittel

          Kolumne: „Frag den Mohr“ : Sollte ich auf Strafzinsen reagieren?

          Viele Banken zahlen keine Zinsen auf die Geldanlage mehr, sie verlangen sogar Geld dafür. Höchste Zeit, um über die Qualität der Bank und die Geldanlage nachzudenken. Ein schneller Rat in zwei Minuten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.