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Buchmesse eröffnet : „Unsere Diversität macht uns stärker“

Kritischer Geist: Orhan Pamuk Bild: F.A.Z.-Helmut Fricke

Der türkische Staatspräsident Gül hat zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse die Folgen kultureller Vielfalt gelobt. Der türkische Nobelpreisträger Orhan Pamuk hatte zuvor die Behinderung schriftstellerischer Tätigkeit in seiner Heimat beklagt.

          Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül hat zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse die Folgen kultureller Vielfalt gelobt. „Unsere Diversität macht uns stärker“, sagte Gül. Sein Vorredner, der türkische Nobelpreisträger Orhan Pamuk, hatte zuvor die fortdauernde Behinderung schriftstellerischer Tätigkeit in seiner Heimat beklagt.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In den vergangenen 100 Jahren seien in der Türkei Bücher verboten und verbrannt und Schriftsteller ins Exil getrieben und ermordet worden. Auch heute noch werde auf Autoren und Journalisten juristischer Druck ausgeübt. „Der Hang des Staates zu bestrafen hält immer noch an.“ Gül nutzte die Gelegenheit, Pamuk, der vor drei Jahren der Verleumdung des Türkentums angeklagt worden war, ehe das Verfahren eingestellt wurde, für seine Bücher zu danken. „Wir sind sehr stolz auf Orhan Pamuk.“ Dieser hatte in seiner Rede die von Gül gelobte Vielfalt als das bezeichnet, worum es jedem einzelnen Autor in seinem Werk gehe. Schriftsteller horchten stets dahin, „wo wir anders als die anderen sind“.

          Stetig gewachsen

          Nach Frankfurt gekommen waren Pamuk und Gül zur Eröffnung der Buchmesse 2008, deren Ehrengast diesmal die Türkei ist. Die Türkei, deren Buchbranche in den vergangenen Jahren stetig gewachsen ist, präsentiert sich in Frankfurt mit etwa 150 Verlagen und 250 Autoren. Auf der Buchmesse, die von heute an für Fachbesucher und am Samstag und Sonntag auch für das Publikum geöffnet ist, würden in diesem Jahr mehr als 300.000 Besucher erwartet, sagte Messechef Juergen Boos. Bis Sonntag müssten dann etwa 16.000 Besucher mehr gezählt werden als im vorigen Jahr.

          Präsident Gül beim Blättern

          Die Buchmesse verzeichnet in diesem Jahr Ausstellerzahlen, die leicht unter dem Rekordniveau von 2007 liegen. 7373 Aussteller aus 100 Ländern haben sich angemeldet, im Vorjahr waren es noch 7448. Die Buchmesse habe jedoch 1,4 Prozent mehr Fläche vermieten können, sagte Boos. Gestiegen ist auch die Zahl der ausgestellten Titel, die von 391.000 im Vorjahr auf 402.000 wuchs. Die Zahl der gezeigten Neuerscheinungen hat ebenfalls zugenommen, sie liegt nun bei 123.496 neuen Titeln aus aller Welt. „Dem Buchmarkt geht es gut“, sagte Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Nach dem sehr erfolgreichen Jahr 2007, in dem der Umsatz der Verlage und Buchhandlungen um 3,4 Prozent wuchs, könne man in diesem Jahr allerdings froh sein, wenn das Niveau gehalten werde könne. Honnefelder fügte hinzu, nach einer Schätzung rechne die Branche für die Monate von Januar bis September dieses Jahres mit einem Umsatzplus von 1,4 Prozent. Wie das Weihnachtsgeschäft ausfalle, lasse sich nicht vorhersagen.

          „Skandalöse“ Piraterie

          Vor Beginn der Buchmesse hatte Honnefelder von der Bundesregierung mehr Einsatz für den Schutz des geistigen Eigentums im Internet gefordert. „Die Lösung des Problems kann nicht allein auf die Verlage abgewälzt werden“, sagte er. Es sei „skandalös“, wie die Politik die Piraterie digitaler Inhalte im Internet hinnehme. „Wer im Buchhandel ein Buch mitgehen lässt, muss mit Sanktionen rechnen. Warum sollte im Internet ein anderes Recht gelten?“, fragte Honnefelder.

          Neben der freien Nutzung urheberrechtsgeschützter Inhalte im Internet beschäftigt die Buchbranche in diesem Jahr der Erfolg elektronischer Lesegeräte. Auf der Messe werden Fabrikate mehrerer Unternehmen vorgestellt, die in Europa noch nicht verkauft werden. Die Buchbranche rechnet damit, dass die Digitalisierung durch den absehbaren Erfolg der E-Books auch die von ihr bislang weitgehend verschonte Literatur erfassen wird. Schon heute sind nur noch 42 Prozent der auf der Buchmesse ausgestellten Objekte Bücher, bei 30 Prozent handelt es sich um digitale Produkte. „Kein Verlag kann heute noch die Augen vor dieser Entwicklung verschließen“, sagte Honnefelder. „Erwarten wir also in der kommenden Zeit umfassende Änderungen der etablierten Marktstrukturen.“

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