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Books on Demand : Ein Traum von einem Buch

Wie sollte danach kein demand bestehen? Bild: Julia Zimmermann

Mit „Books on Demand“ lässt sich auch ohne Verlage zum Buch kommen und das Buch zum Leser bringen: Ein Blick auf die Welt der Bücher, die erst auf Bestellung gedruckt und geliefert werden.

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          Nie hätten wir gedacht, wie hart das Leben eines erfolgreichen Schriftstellers ist. Das von Julia Franck zum Beispiel. Zur Erinnerung: Julia Franck hat im vergangenen Jahr den Roman „Die Mittagsfrau“ veröffentlicht, wofür sie sehr viel Lob sowie den mit 25 000 Euro dotierten Deutschen Buchpreis erhalten hat. Wer der jungen Frau damals auf der Frankfurter Buchmesse begegnete, der blickte in Augen, die freudig strahlten, und egal, wo Julia Franck auch auftrat, sie gab sich geschmeidig. So, dachte man, sieht eine glückliche Autorin aus. Nichts deutete darauf hin, dass der Literaturbetrieb oder die Medien diesem Menschen gerade Unzumutbares zumuteten.

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Jetzt wissen wir es besser. Denn im F.A.Z.-Lesesaal zum Deutschen Buchpreis bekannte Julia Franck kürzlich, dass sie keinen der Autoren beneide, die in diesem Herbst auf der Shortlist stünden, im Gegenteil: „Was diesen sechs Kandidaten blüht, das wissen nur wenige aus eigener Erfahrung. Die kommenden Wochen werden ein einziges Gezanke sein, im Fadenkreuz Objekte höchst subjektiven Geschmacks. Öffentliche Polemiken zur eigenen Person – mehr noch als zum Werk, vor Scham glühende Ohren, wer darf das heute noch erleben?“ Hoffentlich nicht Uwe Tellkamp, der den Preis in diesem Jahr entgegennehmen musste.

          Books on Demand statt Verlagen

          Mit ihrer Literaturbetriebsschelte steht Julia Franck übrigens nicht allein da. Da sind zum Beispiel noch Michael Lentz oder Daniel Kehlmann. Der eine würde den Deutschen Buchpreis am liebsten abschaffen, weil das Auswahlverfahren die Autoren jedes Jahr aufs Neue in Depressionen stürze. Der andere spricht von einer öffentlichen Demütigung, was klingt, als würden die Autoren in einen Kampf geschickt, bei dem von vornherein klar ist, dass keiner ohne Blessuren davonkommt.

          Aus dem Sortiment von Büchern, die erst auf Bestellung gedruckt werden

          Angesichts dieser Qualen möchte man den Autoren zurufen: schon mal an „Books on Demand“ gedacht? Da kann jeder unbehelligt von lästigen Verlagsmenschen und den Begehrlichkeiten der Öffentlichkeit ein Buch in seinen Computer tippen, welches dann, wie der Name sagt, erst bei Bestellung gedruckt wird. Für marktscheue Autoren ist das eine feine Sache. Bei BoD gibt es keinen Abgabedruck, niemanden, mit dem über Vorschüsse und Honorare verhandelt werden muss, der anruft und fragt, ob es vorangehe mit dem Buch, und einen später in den Vermarktungskreislauf drängt, mit Fernsehauftritten und monatelangen Lesereisen, womöglich noch mit Abstechern ins Ausland. Bei BoD entscheidet der Autor, wie viel Zuwendung und Marketing seine Psyche verkraftet.

          Ausstattung nach Wunsch

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