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Richard Charkin bloggt für FAZ.NET : Belletristik kommt mir zu den Ohren heraus

Ein wendiger Verleger und angriffslustiger Blogger: Richard Charkin Bild: Holtzbrinck

Richard Charkin ist der erste britischen Verlagschefs, der selber bloggte - so erfolgreich und angriffslustig, dass er zum enfant terrible der Verlagsszene wurde. Jetzt wird er für FAZ.NET fünf Tage lang die Frankfurter Buchmesse als Blogger begleiten.

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          In einer Branche, die von sich behauptet, reich an bunten Hunden zu sein, ist er einer der buntesten – der Engländer Richard Charkin. Seit einem Jahr ist er Executive Director bei Bloomsbury und so ziemlich das Gegenteil von seinem geschniegelten Chef Nigel Newton. Der ist mit „Harry Potter“ reich geworden, muss nun aber zusehen, wie er in der Nach-Potter-Zeit seine Verlagsgruppe, zu der auch die deutschen Ableger Berlin Verlag und Bloomsbury Berlin gehören, nach vorne bringt. Und also hat sich Newton den Mann geholt, dem man in der englischsprachigen Welt solche Anschubkäfte zuschreibt – als „Minister für Wachstum“.

          Hannes Hintermeier

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Auf den Tag zehn Jahre nachdem er bei Macmillan unterschrieben hatte, quittierte Charkin den Dienst bei der Holtzbrinck-Tochter mit den Worten: „Macmillan waren die zehn besten Jahre meiner Karriere, aber ich bin ein unruhiger Geist, und die Zeit ist reif für ein neues Umfeld.“ Der heute Neunundfünfzigjährige hat Nerven, und er hat eine unglaublich vielseitige Laufbahn in der Bücherwelt hinter sich.

          Kumpelhafter Analytiker

          Nach einem naturwissenschaftlichen Studium in Cambridge und einer Managerausbildung an der Harvard Business School begann er 1972 als Schulbuchlektor bei Harrap. Einer Station als Wissenschaftsredakteur bei der Pergamon Press folgte der Wechsel in den Medizinbereich der Oxford University Press. Weil es dort mit der Karriere nicht weiterging, versuchte er bei der Octopus Publishing Group seine Künste im Taschenbuchmarkt, war anschließend CEO von Reed International Books, baute 1996 zusammen mit Vitek Tracz eine der ersten Internet-Communitys auf – BioMedNet –, bevor er 1998 zur international operierenden Verlagsgruppe Macmillan ging.

          Richard Charkin ist ein hemdsärmeliger Typ, der Krawatten meidet und am Tresen eines Pubs eine ordentliche Figur macht. Aber das ist natürlich nur die eine Seite. Hinter dieser Kumpelhaftigkeit steckt ein blitzgescheiter Analytiker, dem man nichts vormachen kann. Als es in England darum ging, die Preisbindung abzuschaffen, war er an vorderster Front dabei – was man ihm naturgemäß verübelt hat. In der Retrospektive sagt er als Kenner der Komplexität, der Buchmarkt sei jederzeit in der Lage, auf andere Vermarktungswege auszuweichen. Und was sei denn schon wirklich geschehen? Belletristik sei immer in einem Ausmaß präsent, dass sie einem zu den Ohren herauskäme.

          Angriffslustig und erfolgreich

          Charkin ist also lieber in der Welt der Wissenschaftsbücher als in der schönen Literatur zu Hause – auch weil er den praktischen Nutzen dieser Sparte höher bewertet als den der Fiktion: Jemandem mit Schulbüchern eine Erziehung und somit eine Zukunft zu ermöglichen, das habe schon was, findet er. Richtig berühmt wurde Charkin, als er seine Affinität zu Neuen Medien öffentlich auslebte. Als erster und einziger Verlagschef der angelsächsischen Welt schrieb er den charkinblog.macmillan.com. Dort trieb er die Branche vor sich her, spießte auf, analysierte, stichelte, etwa gegen Agenten- und Autorenhonorare. Am Ende, das mit seinem Ausstieg bei Macmillan kam, hatten mehr als eine Million Leser auf den Blog zugegriffen.

          Lord Archer nannte den bekennenden Kricket-Fan anlässlich seines Ausstands bei Macmillan „einen der cleversten Männer im Verlagsgewerbe und alles andere als einen Schönwetterfreund“. Von heute an wird Richard Charkin für FAZ.NET fünf Tage lang die Frankfurter Buchmesse als Blogger begleiten. Das englischsprachige Ergebnis werden wir auch in der eigens zur Messe erstellten „Frankfurter Allgemeinen Zeitung zur Buchmesse“ dokumentieren. Da Charkin von der Tageszeitung „Observer“ schon den Ehrentitel „blogger-in-chief“ erhalten hat, bleibt ihm nur noch eines: Er muss sich selbst übertreffen.

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