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Google : Diese Firma kennt Sie besser, als Sie denken

  • -Aktualisiert am

Bild: Murmann

Mit jedem Begriff, den wir in die Suchmaske von Google eintippen, geben wir der Krake neue Daten über uns preis. Lars Reppesgaard ruft die Internetnutzer in seinem Buch „Das Google-Imperium“ auf, ihre Privatsphäre klüger zu schützen.

          Die Lösung, die Lars Reppesgaard zu bieten hat, ist nicht Technologiefeindlichkeit, sondern mehr Technologiebewusstsein. Er ruft den Nutzern der Internet-Dienste zu: Ihr habt es selbst in der Hand, ob Google bald alles über jeden Einzelnen von euch weiß! Teilt und herrscht: Verteilt eure Daten auf mehrere Suchmaschinen, so dass es dem Riesenindex Google, diesem größten Datenfresser der Welt, schwergemacht wird, ein bis in intime Details reichendes Profil von euch zu erstellen!

          Suchgewohnheiten ändern, damit Google nicht zu viel über uns weiß: Das ist, kurz gesagt, die Botschaft, die Lars Reppesgaard in seinem hervorragend recherchierten Buch über das Google-Unternehmen lanciert, das in nur zehn Jahren der Hauptlieferant für den Rohstoff „Daten“ wurde. Der Autor will das Datenschutzbewusstsein, das Google selbst (noch) nicht hat, wenigstens bei seinen Nutzern wachrufen. „Internetnutzer müssen lernen, ihre Privatsphäre in der digitalen Welt aktiv zu managen. Sie müssen entscheiden können, wann sie anonym bleiben wollen und wann sie identifiziert werden möchten. Und sie müssen einschätzen können, wann was der Fall ist.“ Kommt auf diese Weise „eine breite Nutzerbewegung“ zustande, die auf Anonymisierung der Datenerhebung dringt, hält der Autor die Reform von Google hin zu mehr Datenschutz für absehbar: „Google ist ein Unternehmen, in dem unterschiedliche Strömungen miteinander ringen und in dem nicht alle den Datenhunger für die beste Strategie halten.“

          Technisch kein Problem

          Auch wenn Google in einer „Uns kann keiner“-Allüre im Augenblick noch nicht bereit ist, „den bereits angesammelten Datenschatz radikal zu anonymisieren und seine Neugier beim Bereitstellen und Betrieb seiner Dienste einzuschränken“, so sei doch die Auseinandersetzung über das Datenproblem in der kalifornischen Zentrale angekommen. Zumal die Anonymisierung technisch offenbar kein Problem darstellt: „Dazu reicht es in der Regel bei derartigen Massendaten aus, bestimmte Teile der Informationen zu entfernen.“ Die langfristige Speicherung von IP-Adressen und die lange Laufzeit der Cookies, die am eigenen Computer die Suchhistorie registrieren, seien nach Meinung von Suchmaschinenfachleuten weder für die Marketingnutzung noch für den Betrieb einer guten Suchmaschine zwingend notwendig. Google argumentiert hier nach wie vor fadenscheinig.

          Das Verdienst dieses Buches ist es, dem sorglosen Internet-Surfer sehr anschaulich vor Augen zu führen, was das eigentlich genau bedeutet: dass von Google keine Information zu haben ist, ohne dass ich dem Unternehmen Informationen von mir preisgebe. Die Anwendungen, die Google bereitstellt, sind zwar kostenlos, umsonst gibt es sie aber nicht: „Der Preis, den wir für die Nutzung bezahlen, sind die Daten, die von jedem Nutzer gesammelt werden“, schärft uns dieses Buch ein.

          Nichts wird vergessen

          Das gilt natürlich für jeden Begriff, den wir in das Suchfeld der Google-Website eintippen. Reppesgaard möchte uns die Zusammenhänge des Nutzerverhaltens vor Augen zu führen, die grundlegend, aber dennoch den wenigsten bewusst sind. Googles Rechnersystem ist nun mal nicht nur deshalb so riesig, damit Millionen von Surfern gleichzeitig darauf zugreifen können, sondern auch, damit Google alles speichern kann, was die Nutzer tun. Google kann nicht nur alles, was im Internet zu finden ist, aufspüren; auch nichts von dem, was auf den Google-Rechnern geschieht, wird vergessen.

          „Wer Googles E-Mail-Dienst, das Online-Fotoalbum oder die Büroprogramme nutzt, legt seine Nachrichten nicht auf dem eigenen Computer ab, sondern irgendwo im Supernetz von Google“, erklärt der Autor. „Das gilt nicht nur für Youtube. Jeder Begriff, der in das Suchfeld der Google-Website eingetippt wird, wird irgendwo in dem riesigen Rechnerpark aufbewahrt - zusammen mit der Information, von wo die Anfrage kam. Ob sich Menschen, die Suchbegriffe wie ,Schulden nicht bezahlen' oder ,schmutziger Latex-Sex' eingeben, dessen immer bewusst sind?“ Grundsätzlich gilt das Motto, das der Autor mit einer Reihe unheimlicher Beispiele belegt: Wer sucht, wird gefunden. Jeder Nutzer ist auffindbar, erst recht, wenn er seinen eigenen Namen googelt und nach seiner Rezeption fahndet.

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