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Elektronische Bücher : In Frankfurt stand ein Automat

Sonys E-Book erlebt sein Buchmessen-Debüt Bild: picture-alliance/ dpa

Alle reden von Amazons E-Book Kindle, nur auf der Buchmesse ist bisher noch nichts davon zu sehen. Währenddessen stellt Sony sein PRS 505 vor. Die Elektronik beherrscht die Messe. Books on demand expandiert mit seinen Büchern in Schnellanfertigung und plant einen Buchautomaten.

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          Lange wurde gerätselt, ob Amazon auf der Buchmesse sein Lesegerät für elektronische Bücher vorstellen würde, da kam dem amerikanischen Handelsunternehmen der japanische Elektronikkonzern Sony zuvor und präsentierte sein PRS 505. Unter dem Weihnachtsbaum wird es in diesem Jahr allerdings noch keinen Konkurrenzkampf des gedruckten Buches mit seinem elektronischen Nachfolger geben: Erst im Frühjahr 2009 will Sony gemeinsam mit der zum Douglas-Konzern gehörenden deutschen Buchhandelsgruppe Thalia (zweihundertvierzig Geschäfte) und dem Buchgroßhandelsunternehmen Libri (dahinter stehen die Tchibo-Inhaber Herz) den sogenannten E-Reader in Deutschland einführen.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Obwohl Sony bereits Erfahrungen in den Vereinigten Staaten, in Großbritannien und in Frankreich gesammelt hat, verweigert Deutschland-Geschäftsführer Jeffry van Ede über die geplanten Verkaufszahlen jede Auskunft. Auch zum Preis des Lesegerätes sei noch kein Beschluss gefasst worden. Die 299 Euro, für die man den E-Reader in Frankreich verkaufe, seien aber ein Anhaltspunkt.

          Zwanzig Prozent billiger als das gedruckte Buch

          Dafür würden die elektronischen Buchversionen preiswerter ausfallen als die gedruckten Ausgaben, versichert Libri-Geschäftsführer Pascal Zimmer. Zwar gelte auch in der elektronischen Welt die Buchpreisbindung, sie liege „aber zwanzig Prozent unterhalb des Preises für die Druckausgabe“. Man spart ja auch die Druck- und die Vertriebskosten. Die elektronische Buchversion lädt man sich von der Libri-Internetseite herunter, bezahlt wird mit Kreditkarte.

          Damit das Geschäft schnell ins Rollen kommt, werde man anfangs einige Bestseller zum Herunterladen anbieten, versicherte Zimmer. Insgesamt stünden mehrere tausend Titel zur Verfügung. Namhafte Verlage, darunter Siedler, Bertelsmann, Luchterhand, Lübbe, Campus, dtv und Hanser, hätten ihre Mitarbeit angekündigt. Aber nicht exklusiv. Niemand will zurückstehen, wenn Wettbewerber auf den Markt kommen – darunter das von vielen erwartete Konkurrenzprodukt von Amazon namens Kindle.

          Bücher auf Bestellung und aus dem Automaten

          Die Elektronik ist beherrschendes Thema der diesjährigen Buchmesse – auch wenn Sony seinen PRS 505 in der hintersten Ecke des Messegeländes präsentierte und Amazon sich bisher gar nicht blicken ließ. Das Lesegerät, das vor allem Viellesern die Last der Bücher ersparen will, ist dabei nur eine Variante, wie die Elektronik das gedruckte Buch immer stärker verdrängt: In der Wissenschaft ist es längst üblich, neue Bücher nur am Bildschirm zu lesen.

          Eine weitere Variante ist das Buch auf Bestellung, das sich auch hierzulande unter dem englischen Begriff Books on Demand immer stärker durchsetzt. Seit Suhrkamp erst kürzlich entschieden hat, seine Bücher künftig bei kleinen Auflagen auf diesem Weg unter die Leute zu bringen und Einzelexemplare nur dann drucken zu lassen, wenn eine Bestellung vorliegt, hat Books on Demand sein Billigimage verloren. Davon jedenfalls ist Moritz Hagenmüller überzeugt, der Geschäftsführer der Books on Demand GmbH in Norderstedt bei Hamburg, des deutschen Marktführers.

          Die Umsatzentwicklung gibt ihm recht, sein Unternehmen wächst „weit stärker als zwanzig Prozent im Jahr“. Im kommenden Jahr möchte Books on Demand in Deutschland zumindest den ersten Prototyp eines Buchautomaten aufstellen, an dem man sich dann sein Buch frisch drucken und binden lassen kann – sofern es in der Zentrale in Norderstedt elektronisch gespeichert ist.

          Allverfügbarkeit

          Die Elektronik erschließe dem Buch ganz neue Dimensionen, sagte Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Hagenmüller weist darauf hin, dass dank der technischen Möglichkeiten viel mehr Titel lieferbar sein werden als heute, von kleinsten Auflagen bis zu einem einzigen Exemplar. „Vergriffen“ oder „ausverkauft“ gebe es dann nicht mehr. Jedes einmal elektronisch erfasste Buch sei künftig jederzeit und überall verfügbar. Ob es dann den Buchhandel in seiner heutigen Form noch gibt, vermag heute niemand zu sagen. Zunächst einmal bescheren ihm die Lesegeräte für elektronische Bücher einen weiteren Umsatzschub über die jetzigen 9,5 Milliarden Euro hinaus.

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