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Buchmarkt : Apples Schlappe

  • -Aktualisiert am

Der Technologiegigant Apple wurde für heimliche Absprachen zu E-Book-Preisen verurteilt. Freuen darf sich ein anderer Gigant: Amazon.

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          Dass Konspiration in Amerika ein gerichtlich anerkanntes Verbrechen ist, entbehrt dieser Tage nicht einer gewissen Ironie. So erscheint das Urteil, das jetzt in New York gegen Apple wegen illegaler Absprachen über E-Book-Preise ergangen ist, gleich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Für Bezirksrichterin Denise Cote steht fest, dass Apple maßgeblicher Antreiber eines Kartells war, das die Preise für elektronische Bücher anheben wollte. Mit unter der Verschwörerdecke: die Verlage Hachette, Macmillan, Simon & Schuster, Penguin und HarperCollins.

          Zu ihren Absprachen sollen sich die Beteiligten in Nobelrestaurants und dick wattierten Konferenzräumen verabredet haben und, Gipfel der Kriminalität, aufschlussreiche E-Mail-Korrespondenzen gelöscht haben - ein, wie man inzwischen weiß, zwar psychologisch verständlicher, aber rührend naiver Vorgang. Im Netz überwiegt die Schadenfreude über die Schlappe für den Wohlfühltechnologiegiganten, doch für die Buchverlage ist das Urteil keine gute Nachricht. Denn der Triumphator heißt abermals Amazon. Indem es elektronische Bücher via Kindle zu Billigstpreisen auf den Markt brachte, konnte das Internetkaufhaus bekanntlich fast neunzig Prozent der amerikanischen E-Book-Verkäufe an sich reißen und so den Absatz gedruckter Ware erschweren. Zugleich bot die Firma Autoren die Möglichkeit, ihre Texte direkt als E-Book zu produzieren, ohne Verlage, dafür zu stark subventionierten Konditionen.

          Erst mit dem iPad kam 2010 ein ernstzunehmender Konkurrent auf den Markt - und mit ihm das sogenannte „Agenturmodell“, bei dem die Verlage und nicht der Verkäufer die Preise der E-Books festlegen. Apple streicht jeweils dreißig Prozent als Kommission ein. So weit, so gut. Doch zum Agenturmodell gehört die Vereinbarung, dass kein anderer Händler die Bücher günstiger bekommt. Als Folge musste auch Amazon die E-Book-Preise anheben. Mit dem Gerichtsurteil ist das Agenturmodell nun also auch juristisch tot - selbst wenn Apple, wie angekündigt, Berufung einlegen wird. In der Praxis hatte es sich ohnehin erledigt, denn nachdem sich die Verlage im Frühjahr mit dem Justizministerium geeinigt hatten, sind die E-Book-Preise in den Vereinigten Staaten merklich gesunken. So geht Apple nicht einmal als Monopol-Brecher vom Platz. Folgen dürfte dieses Urteil aber auch für den deutschen Buchmarkt haben: Die Feinde der Buchpreisbindung in Brüssel haben jetzt noch einen Pfeil mehr im Köcher.

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