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Buchhandel : Börsenverein-Chef Schormann tritt zurück

  • Aktualisiert am

Legt sein Amt nieder: Dieter Schormann Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Paukenschlag vor der Buchmesse: Dieter Schormann, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, legt sein Amt zum Jahresende nieder - nach heftigen Angriffen wegen seines Wechsels zum Großfilialisten Thalia.

          Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Dieter Schormann, tritt zum Jahresende von seinem Ehrenamt zurück. Das teilte der Börsenverein am Freitag in Frankfurt am Main mit.

          Als oberster Repräsentant der Branche spüre er mit seinem Wechsel zur Thalia-Buchhandelskette einen Vertrauensverlust bei den Mitgliedern, begründete der 60jährige am Freitag in Frankfurt am Main seinen Schritt. Insbesondere die kleineren und mittleren Unternehmen fürchteten um die glaubwürdige Vertretung ihrer Interessen im Verband. „Dies macht es für mich zwingend notwendig, den persönlich schweren Schritt zu tun“, betonte Schormann.

          Schormann hatte vor kurzem bekannt gegeben, daß er die seit 1969 von ihm geführte Ferbersche Universitätsbuchhandlung in Gießen zum Jahresende schließen und in leitender Position zur Buchhandelskette Thalia wechseln werde (siehe auch: Börsenverein-Vorsteher verkauft seine Buchhandlung).

          Honnefelder wird Nachfolger bis Mai

          Danach waren in der Branche Rücktrittsforderungen laut geworden. Der stellvertretende Börsenvereins-Vorsteher, Gottfried Honnefelder, übernimmt die Aufgaben Schornemanns vom 1. Januar an bis zur Hauptversammlung im Mai 2006, hieß es weiter. Der 59jährige ist Verleger des DuMont Literatur und Kunst Verlags in Köln. Der Vorsteher des Börsenvereins wird für eine Amtszeit von drei Jahren von der Hauptversammlung gewählt. Schormann war im Mai 2004 für weitere drei Jahre in seinem Amt bestätigt worden.

          Nac Schormanns Bekanntgabe, zu Thalia zu wechseln, hatten in zahlreichen E-Mails an das „Börsenblatt“ und an andere Branchendienste Buchhändler und Verleger begonnen, den ungewöhnlichen Schritt des Vorstehers zu diskutieren: Ob Schormann nun nicht zurücktreten müsse?

          Schormanns Verteidiger lobten seinen Mut, den wirtschaftlichen Tatsachen ins Auge zu sehen und vor der Eröffnung der vermeintlich übermächtigen Konkurrenz einen Schnitt zu machen. Zwei Drittel der Belegschaft der Ferberschen Universitätsbuchhandlung werden ab November in der neuen Thalia-Filiale in Gießen Anstellung finden - ihren Noch-Arbeitgeber werden sie dort auch treffen, denn der soll sich um Marketing und Öffentlichkeitsarbeit kümmern. Daß dieser Seitenwechsel all jenen kleinen und mittleren Buchhändlern, die Schormann als einen der ihren zum Vorsteher gewählt hatten, nicht gefallen würde, war wenig überraschend.

          „Schlicht untragbar“

          Schormann habe, so der Tenor vieler Zuschriften, als Vorsteher ihr Vertrauen verloren. Rutger Boos vom Grafit Verlag etwa formulierte es in einem Brief an das Magazin „Buchmarkt“ so: „Daß der überwiegend von selbständigen kleinen Buchhändlern gewählte Vorsteher seine Haut und sein Amt rettet, indem er beim größten deutschen Buchhandelskonzern andockt, ist für den Verband schlicht untragbar.“ Aber es gibt auch Verteidiger, die Schormanns Wechsel mutig finden. So sprang dessen Amtsvorgänger Hans-Karl von Kupsch seinem Nachfolger bei und forderte, der Börsenvereinsvorstand möge sich für Schormann erklären.

          Der Tübinger Wissenschaftsverleger Georg Siebeck (Mohr Siebeck), den man in der Branche als besonnenen und weitblickenden Mann schätzt, hatte am Dienstag einen Brief an den Vorsteher geschickt. Darin fordert Siebeck Schormann auf, „schnellstens“ von seinem Amt zurückzutreten, „bevor das Amt des Vorstehers, der Börsenverein und der ganze Berufsstand beschädigt werden“.

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