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Sachbuch-Bestseller : „Die Gesellschaft des Zorns“ steht unter Plagiatsverdacht

  • Aktualisiert am

Die Autorin und Soziologin Cornelia Koppetsch. Bild: Jens Gyarmaty

Das Buch der Soziologin Cornelia Koppetsch hat in diesem Jahr die Bestenlisten erobert. Doch jetzt wird klar, dass es eine Reihe von Plagiaten enthält.

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          Das Buch „Die Gesellschaft des Zorns“ der Soziologin Cornelia Koppetsch steht unter Plagiatsverdacht. Abgeschrieben hat Koppetsch nach bisherigem Stand der Recherchen besonders aus dem Buch „Die Gesellschaft der Singularitäten“ von Andreas Reckwitz, aber auch aus anderen Schriften von Reckwitz sowie von anderen Autoren wie Slavoj Zizek, Zygmunt Bauman, Wendy Brown, Sighart Neckel. Auf die Bücher wird zwar von Koppetsch hingewiesen, die betreffenden Übernahmen sind aber nicht als Zitate gekennzeichnet.

          Insgesamt sind nach bisherigem Stand der F.A.Z.-Recherche 26 Stellen plagiatsverdächtig. Aus der „Gesellschaft der Singularitäten“ übernahm Koppetsch ganze Passagen ohne Kennzeichnung, in anderen Fällen beschränkte sie sich auf längere Formulierungen. Die Formulierung „Imaginarium einer stabilen und homogenen nationalen Einheit“ aus dem Buch „Mauern“ von Wendy Brown findet sich etwa wortgleich und ohne Zitatangabe in der „Gesellschaft des Zorns“.

          Handwerkliche Fehler eingeräumt

          Cornelia Koppetsch hat gegenüber der F.A.Z. handwerkliche Fehler eingeräumt und sich dafür entschuldigt, besteht aber auf der Eigenständigkeit ihrer Arbeit, die sich in zentralen Punkten von Reckwitz‘ „Gesellschaft der Singularitäten“ unterscheide, aus der die meisten ungekennzeichneten Übernahmen stammen. Das Buch gehörte zur Endauswahl beim Bayerischen Buchpreis, der am Donnerstagabend vom Börsenverein des deutschen Buchhandels verliehen wurde. Die Jury-Vorsitzende Sandra Kegel, Ressortleiterin im Feuilleton der F.A.Z., zog das Buch zu Beginn der live übertragenen Preisverleihung im Konsens mit ihren Mitjuroren zurück, nachdem sich der Plagiatsverdacht verdichtet hatte. Kegel betonte, dass die Rücknahme kein abschließende Urteil über das Buch sei. Ein Jury-Urteil sei in dem gegenwärtigen Schwebezustand aber nicht möglich.

          Cornelia Koppetsch bietet in der „Gesellschaft des Zorns“ eine Erklärung für den Aufstieg des Rechtspopulismus, den sie als Gegenbewegung innerhalb eines globalen gesellschaftlichen Transformationsprozessen darstellt. Sie kritisiert auch die kulturkosmopolitischen Eliten, denen sie ebenso wie den Rechtspopulisten Abgrenzungsverhalten nach dem Freund-Feind-Schema vorwirft. Das Buch stand auf Platz eins der Bestsellerliste von Deutschlandradio Kultur, ZDF und „Zeit“ in den Monaten Juli und August. Von der Jury der „Welt“-Sachbuchbestenliste wurde es als bestes Sachbuch im Monat Juli 2019 ausgezeichnet. Auch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien eine lobende Besprechung. Das Buch ist außerdem für den NDR-Kultur-Sachbuchpreis nominiert.

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