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BSI-Präsident Michael Hange im Gespräch : „Wir müssen von einer massiven Bedrohung der Wirtschaft ausgehen“

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Das BSI arbeitet als nationale IT-Sicherheitsbehörde in einigen europäischen Gremien mit. Ich selbst im Management Board der Europäischen Netz- und Informationssicherheitsagentur. Wir haben in der Vergangenheit gemeinsame Initiativen mit anderen Mitgliedsstaaten gestartet. Bei den europäische Institutionen ist der Wille erkennbar, durch die Datenschutzgrundverordnung und durch die Cybersicherheitsstrategie Rahmenbedingungen für ein besseres Datenschutz- und Datensicherheitsniveau zu schaffen. Unter dem Eindruck der großen Verunsicherung vieler europäischer Firmen wird zur Zeit auch von der Kommissarin Neelie Kroes das Projekt Cloud for Europe gefördert. Hier haben sich unter dem Vorsitz des estnischen Staatspräsidenten Tomas Ilves die Chefs führender europäischer IT- und TK-Unternehmen und Regierungsvertreter zusammengefunden, um europäische Clouddienstleistungen attraktiv zu gestalten.

Ist die Wirtschaft seit Snowden besorgter?

Aus den Reaktionen kann ich das mit einem klaren Ja beantworten. Für viele Unternehmen sollte die Debatte ein Weckruf sein. Wichtig ist, dass wir nicht in Aktionismus verfallen. Die Prävention muss sich verbessern, es muss in jedem Unternehmen Verantwortungen für IT-Sicherheit geben und man muss Konzepte erarbeiten, um das Unternehmenswissen und die Kronjuwelen zu schützen. Unternehmen müssen ihre Informationstechnik kennen. Das BSI setzt auf Empfehlungen und Angebote zur Hilfestellung. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch, dass wir nicht nur Produkte, sondern auch IT-Sicherheitsdienstleister zertifizieren. Damit geben wir der Wirtschaft vertrauenswürdige IT-Sicherheitsunternehmen an die Hand. Wichtig ist mir, dass IT-Sicherheit nicht nur unter dem momentanen Eindruck der Presseveröffentlichung zu den Ausspähungen ein Chefthema ist, sondern in nachhaltige Prozesse in den Unternehmen umgesetzt wird.

Gibt es das schon?

Wir haben schon einige Dienstleister zertifiziert, zum Beispiel im Bereich von Penetrationstests oder auch IT-Grundschutz-Auditoren. Bei den Penetrationstests geht es darum, dass vertrauenswürdige Hacker Angriffe simulieren. Wir können da als Zertifizierungsinstanz viel leisten, weil wir als Behörde fachlich entsprechendes Wissen und Erfahrungen haben und wettbewerbsneutral sind. Auch für die Privatanwender geben wir Empfehlungen heraus, beispielsweise zur sicheren Konfiguration des heimischen Rechners.

Wie ist eigentlich Ihr eigenes Kommunikationsverhalten und was empfehlen Sie den Nutzern des Internets?

Ich nutze Handys, Computer und neue Medien wie wahrscheinlich jeder andere auch. Kulturpessimismus oder Ablehnung wäre falsch, man würde sich ja dann aus einem Teil des Lebens vollständig zurückziehen. Man muss sich bewusst sein, dass man im Visier sein kann und die Mittel nutzen, um sich zu schützen.

Je lebendiger unser „digitaler Zwilling“ wird, von dem der Bundespräsident redete, je mehr Vorrang das digitale Ich erhält, desto gefährlicher werden Angriffe wie Identitätsdiebstahl, die im Zweifelsfall das Umschreiben ganzer Identitäten erlauben würden.

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