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BSI-Präsident Michael Hange im Gespräch : „Wir müssen von einer massiven Bedrohung der Wirtschaft ausgehen“

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Das BSI steht nicht allein da. In Deutschland haben wir Hersteller und Prüfstellen in der IT-Sicherheit, die ein hohes Maß an Vertrauenswürdigkeit besitzen. Auch die IT-Sicherheitsbehörden vieler Staaten arbeiten vertrauensvoll zusammen. Ich halte es für wichtig, zu einer gemeinsamen europäischen Datenschutzgrundverordnung zu kommen, und verlorengegangenes Vertrauen durch Maßnahmen wie ein No-Spy-Abkommen wiederzugewinnen. In der globalen Welt braucht man einen transnationalen Vertrauensrahmen durch Regelungen und Verpflichtungen.

Wie schätzen Sie die Möglichkeit von mehr oder minder integren europäischen Systemen ein, die starken Daten- und Rechtsschutzkriterien entsprechen? Das Stichwort Schengen-Cloud ist von Seiten der Telekom gefallen. Netzwerke die sich im europäischen Rahmen bewegen, könnten, wenn sie von eigenen Diensten kompromittiert würden, anders reagieren. Könnte die Snowden-Debatte auch hier ein Weckruf sein für eine europäische Initiative wie einst beim Airbus?

Wir müssen nun, ähnlich wie bei Airbus, das in Europa vorhandene Know-how bündeln, um in Souveränität ein eigenes Produkt entwickeln und wie den Airbus zum Fliegen bringen zu können. In der Informationstechnik haben wir es aber mit einer komplizierteren Struktur zu tun. Wir erleben permanente und äußerst dynamische Konvergenzprozesse mit schwierig zu prognostizierendem Geschäftserfolg. Insofern müssen auch die Ansätze der Bündelung europäischer Fähigkeiten differenzierter sein.

Ist der europäische Markt dafür zu klein?

Ich glaube, dass der europäische Binnenmarkt ausreichen würde. Es mangelt auch nicht an Ideen und Initiativen. Es ist eine Frage der Schwerpunktsetzung und der Geschäftsmodelle. Beim Zukunftsthema Cloud hat Europa eine gute Chance, da der Standort eine große Rolle spielt. Wer allerdings auf das falsche Pferd setzt, kann sehr schnell scheitern.

Investitionen mit ungewissem Ausgang sind also eher im Silicon Valley möglich als bei uns?

Es ist ein Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Da die Digitalisierung der Gesellschaft eine immer wichtigere Rolle spielt, sollte das Zusammenspiel von Forschung, Produktion und Marketing für IT-Sicherheitskomponenten und -systeme gefördert werden. Bei vorzeigbaren Referenzanwendungen sehe ich auch gute Exportchancen.

Sie sehen einen Markt für integre, europäische Systeme?

Die Chance besteht, da bin ich sicher. Ein solcher Markt entsteht nicht von jetzt auf gleich, die Durchdringung des Marktes mit nicht-europäischen Produkten und Dienstleistungen ist groß, die getätigten Investitionen sind enorm. Eine spontane Abkehr ist unrealistisch, aber auch nicht zwingend erforderlich. Vielmehr wäre es angebracht, außereuropäische Firmen zu mehr Transparenz aufzufordern. Es muss möglich sein, außereuropäischen Systemkomponenten – wie beispielsweise Router – mit eigenen nationalen Krypto-Algorithmen abzusichern und so die Kommunikationssouveränität zu erlangen. Findet kein vertrauenswürdiger Dialog mit diesen Herstellern statt, muss umgedacht werden.

Was kann die EU machen?

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