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Jürgen Kaube (kau)

Brückentage : Nach Himmelfahrt

  • -Aktualisiert am

Christi Himmelfahrt: Ein Tag für Übermüdete und Durstige Bild: dpa

In diesem Jahr fallen zu viele Feiertage auf Sonntage, und im nächsten wird es richtig schlimm. Muss das Konzept der Feier- und Brückentage neu überdacht werden?

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          Und Gott der Herr sprach: Lasst uns einen Brückentag bewirken. Denn Brücken sind gute Dinge, und es ist gut, wenn ein tariflich vereinbarter Urlaubstag zu mehr Erholung führt, als wenn er isoliert genommen würde. Und also rief er seinen Sohn nicht an einem Dienstag oder Mittwoch zu sich, und auch nicht an einem Samstag oder Sonntag, was die Philister und Arbeitgeber forderten, die aber hatten nichts zu sagen in dieser Sache. Sondern er rief ihn an einem Donnerstag, so dass der Freitag nach Christi Himmelfahrt seither und fürderhin, bis in alle Ewigkeit ein Brückentag und ebenfalls freizunehmen sei.

          Nicht aber verhält es sich so mit anderen Feiertagen, die da von Menschen und Politikern eingesetzt sind. Darum erhebet euch, Übermüdete aller Länder, steht auf! Denn der 1.Mai fiel in diesem Jahr auf einen Sonntag. Der Heilige Abend wird auf einen Samstag fallen, der erste Weihnachtstag folglich ebenfalls ein Sonntag sein. Zwei zusätzliche Feiertage auf einem Sonntag aber ist ein Fall von gruppenbezogener Freizeitfeindlichkeit. Denn am Sonntag sollst du ruhen und nicht demonstrieren. Am 1. Mai, so sagt es eine Sprecherin der Grünen, sollten die Leute Zeit haben für die Kundgebungen, aber wenn er auf einen Sonntag falle, leide darunter ja die Familie (das „Ruhen“). Regelmäßig, so eine Sprecherin der Linken, würden Arbeitgebern zusätzliche Arbeitstage geschenkt, die eigentlich der Belegschaft zustünden.

          Christlich sein und liegenbleiben

          Ein Zeichen von Entlastung forderte auch eine Sprecherin der SPD. Der DGB allerdings hat diejenigen, die da, angemessen dem Feiertag, aber unangemessen dem Ruhen, demonstrierten, gerade gezählt. Und siehe, er war mit 6000 Menschen in Frankfurt und 1500 in Darmstadt „sehr zufrieden“. Wer, der den Sonntag gottwohlgefällig betrachtet und die Kirchgangszahlen einmal beiseitelässt, wäre es nicht? Denn es ist kein Streit im Herzen der Übermüdeten, ob sie aufstehen sollen für die Belange der Arbeitnehmer oder liegen bleiben für die eigenen Belange und zum Lobe Gottes, sondern ihr Herz spricht: christlich sein und liegenbleiben.

          Was jedoch wird ihr Herz sprechen, wenn im kommenden Jahr Silvester und Heiligabend auf einen siebenten Tag fallen? Zieht es doch den Konsumenten einen halben Tag von der Möglichkeit zu Panikkäufen ab. Sind aber Panikkäufe christlich? Sind sie unchristlich wie das Saufen an Christi Himmelfahrt, das kein Ruhen ist und keine Andacht, sondern im Vatertag nicht den Vater im Himmel, sondern den Durst im Manne ehrt? Gott der Herr schweigt darüber, wie er auch schweigt über das schreckliche Jahr 2022, in dem auf einen Samstag oder Sonntag fallen werden: der 1. Mai, der Tag der Deutschen Einheit, der Reformationstag, Mariä Himmelfahrt (nur für Arbeitnehmer im Saarland und in Bayern wichtig, aber immerhin) sowie der erste und der zweite Weihnachtsfeiertag!

          Von Ostersonntag und Pfingstsonntag, die überzufällig oft und also auch dann auf einen Sonntag fallen, wollen wir unserseits schweigen. Denn auch sie hat er, zusammen mit seinem Sohn, eingesetzt, und es waren nicht wir. Unser Verstand nämlich ist zu klein, um zu wissen, wann wir ruhen sollen und wann demonstrieren oder trinken oder einkaufen gehen oder der deutschen Einheit gedenken. Unfassbar ist die Güte des Schöpfers auch der Feiertage, aber wir verstehen sie so wenig wie die Taten und Meinungen der Menschen.

          Jürgen Kaube
          Herausgeber.

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