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Großbritannien : Die Philosophin raucht Zigarre

  • -Aktualisiert am

Bitte Privilegien checken: Rory Kinnear als Macbeth und Anna-Maria Nabirye als Hexe. Bild: National Theatre London

Die britische Kultur verheddert sich in politischer Korrektheit und wittert überall Zeichen von Sexismus, Rassismus oder anderen Verletzungen. Das beschränkt sich keineswegs auf die Universitäten.

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          Man müsste es für einen Scherz halten, wenn die Tatsachen nicht dagegen sprächen. Die Moralhüter unserer Gesellschaft haben im Streben nach Genderneutralität nun auch „Mutter“ ins Visier genommen. Zum britischen Muttertag bot eine der größten Supermarktketten des Landes Karten mit aufgedrucktem „Happy-You-Day“-Gruß an. Durch die Vermeidung des Wortes „Mutter“ wollte der Konzern nach eigenem Bekunden eine breitere Palette erreichen, „ob es Großmütter sind oder Trans-Mütter“. Um Trans-Eltern und gleichgeschlechtlichen Paaren nicht auf die Zehen zu treten, haben einige Schulen den Muttertag umbenannt in „Special Person’s Day“.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Für diese Kombination aus überbordender Empfindlichkeit und moralischer Bevormundung gibt es auch aus dem britischen Hochschulwesen neue Beispiele: An einigen Universitäten werden jetzt Anti-Rassismus-Kurse angeboten, die weißen Dozenten und Studenten beibringen, das „Privileg“ ihrer Hautfarbe zu begreifen, damit sie die „destruktive Wirkung des Weißseins prüfen und anerkennen“ können. Die York St. John und die Liverpool John Moores University haben Seminare abgehalten unter dem Titel „Weißsein lernen und verlernen“. Zweck dieser Schulungen sei es, „das Weißsein durch Kenntnisse von Nichtweißen in Frage zu stellen“, denn Farbenblindheit sei eine Einbildung des weißen Liberalismus, heißt es in der sprachlich wie gedanklich ungelenken Beschreibung des Unterrichts. Rasse sei ein gesellschaftliches und historisches Konstrukt, das sich nicht bloß auf die Hautfarbe beziehe, sondern vielmehr eine Ideologie, die auf Überzeugungen, Werten, Verhalten, Gewohnheiten und Einstellungen beruhe und zu einer ungleichen Verteilung von Macht und Privileg führe.

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