https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/brief-aus-istanbul/brief-aus-istanbul-erdogan-und-die-politik-der-nato-18134918.html

Brief aus Istanbul : Wollen Sie uns LGBT machen?

  • -Aktualisiert am

Er hat da eine Theorie: Der türkische Innenminister Süleyman Soylu Bild: Getty

Jeden Tag fällt Erdoğan und seinen Leuten etwas Neues ein, um von der traurigen Realität der Türkei abzulenken. Jetzt gibt es sogar eine Erklärung, warum die Geburtenrate sinkt.

          4 Min.

          Den Namen der Türkei haben Sie in letzter Zeit vermutlich vor allem im Zusammenhang mit Nachrichten über die NATO gehört. Weil sie nach dem russischen Angriff auf die Ukraine bislang den Beitritt Finnlands und Schwedens zur NATO blockierte. Ankara war der Meinung, beide Staaten unterstützten die Terrororganisation PKK. Erst nach einem Entgegenkommen der beiden skandinavischen Staaten, gab man grünes Licht für eine NATO-Mitgliedschaft Finnlands und Schwedens.

          Zur türkischen Fassung der Kolumne
          Yazının Türkçe orijinalini okumak için tıklayın

          Nehmen wir einmal an, dass das Argument auf dem Papier berechtigt ist. Dann könnte eine solche Voraussetzung dazu führen, die NATO-Mitgliedschaft der Türkei selbst zu hinterfragen. Denn ebendiese Türkei verfolgt im eigenen Land eine janusköpfige Politik, was Unterstützung von Terrorismus angeht. Das Land, in dem Erdogan jeden Andersdenkenden zum Terroristen erklärt, behandelt gewisse Vereinigungen, die nach seinen eigenen Gesetzen als terroristisch einzustufen sind, privilegiert. Allen voran die islamistische Terrororganisation Hizbullah. In meinem letzten Brief hatte ich geschrieben, dass militante Hizbullah-Aktivisten, die 24 Menschen brutal umgebracht hatten, unter dem Deckmantel eines „fairen Verfahrens“ auf freien Fuß gesetzt worden waren. Dieser Tage ging es weiter: Erdogans Justiz wertete das Bejubeln der Ermordung eines Polizeichefs durch die Hizbullah 2001 als Meinungsfreiheit. Die vier Personen, die den Anschlag gefeiert hatten, dürfen weiter als Lehrer an staatlichen Schulen tätig sein.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Alexander Falk

          Alexander Falk : Der tief gefallene Verlagserbe

          Einst war er hoffnungsvoller Nachfolger, dann geriet Unternehmer Alexander Falk auf die schiefe Bahn. Jetzt sollte der BGH über seinen Fall entscheiden - doch daraus wird vorerst nichts.