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Brief aus Istanbul : Wenn der Scheich dem Präsidenten ein Flugzeug „schenkt“

  • -Aktualisiert am

Edel in Blau: Innenansicht des Flugzeugs Bild: Avbuyer

Ist zu glauben, dass Erdogan für seinen neuen Luxus-Jet aus Qatar nichts bezahlt? Wir haben da mal recherchiert.

          4 Min.

          Seit 1968 gibt es Fernsehen in der Türkei, die ersten Sender gehörten selbstverständlich dem Staat. Vor allem die Nachrichtensendungen der staatlichen Anstalt TRT waren stets ein wichtiges Propagandainstrument der Regierungen. Wir sind es gewohnt, die unglaublichsten Meldungen auf TRT zu sehen, letzte Woche aber wurde dort die wohl denkwürdigste Nachricht ihrer fünfzigjährigen Geschichte gesendet.

          Zur türkischen Fassung der Kolumne
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          Lassen Sie mich die Meldung wortwörtlich wiedergeben, die 31 Sekunden über den Bildschirm flimmerte: „Der Scheich von Qatar Al Thani hat Staatspräsident Erdogan seinen Privatjet, eine Boeing 747/8 mit VIP-Ausstattung, geschenkt. Die Maschine landete auf dem Istanbuler Sabiha-Gökçen-Flugplatz und wurde in die Flotte des Präsidentenamts aufgenommen. Normalerweise befördert das Flugzeug vierhundert Passagiere in drei Klassen, in der Spezialanfertigung aber nur 76. Es wurde verlautbart, der Scheich von Qatar habe das mit Sitzungsräumen, Schlafzimmer und Krankenstation ausgestattete Flugzeug im Wert von vierhundert Millionen Dollar Staatspräsident Erdogan aufgrund seiner Zuneigung für ihn geschenkt.“

          Ein Geschenk im Wert von vierhundert Millionen Dollar! Und das rein aus Zuneigung. Auf der ganzen Welt werden Geschenke im Wert von mehr als hundert Dollar aus ethischen Gründen weder im staatlichen noch im privaten Sektor angenommen, unser Präsident aber nimmt ein Geschenk für vierhundert Millionen Dollar an. Lassen wir die Ethik einmal beiseite, dieser Begriff ist in unserem Land seit geraumer Zeit ausgesetzt. Schließlich leben wir in einem Land, in dem die von unseren Steuergeldern gespeiste Staatskasse Berat Albayrak überantwortet wurde, dem Schwiegersohn des Präsidenten. Was steckt tatsächlich hinter dem Geschenk?

          Das Flugzeug des Emirs von Katar, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, schloss sich am Mittwoch der Flotte des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an. Bilderstrecke

          Die Geschichte des „geschenkten“ Luxus-Jumbo-Jets ist mit einer simplen Recherche in öffentlich zugänglichen Quellen schnell herauszufinden. Anfang des Jahres beschließt der Scheich von Qatar, eine Boeing 747/8 aus seinem Bestand zu verkaufen. Mit der Vermittlung beauftragt er ein Schweizer Unternehmen. Turkish Airlines schreibt am 9. Februar, was für ein Zufall, eine Stelle für einen Piloten aus, der exakt dieses Modell zu steuern versteht. Und das, obwohl man eine solche Maschine gar nicht besitzt. Im August meldet die französische Presse, das Flugzeug aus Qatar sei „an einen Staatschef“ verkauft worden.

          Wie wiederum jedermann im Internet zugänglichen Flugradareintragungen entnehmen kann, stieg der ultraluxuriöse Jet, in dem sogar eine Operation vorgenommen werden kann, am 11. September in Basel in der Schweiz auf und landete in den ersten Minuten des 12. September, um genau 0.19 Uhr, auf dem zweiten Istanbuler Flughafen Sabiha Gökçen. Nach dem Eigentümerwechsel bekam die Verkaufsanzeige des Flugzeugs auf der Website der Schweizer Vermittlungsagentur den Stempel „verkauft“. Am selben Tag spricht der türkische Staatssender TRT dann nicht vom Kauf eines Flugzeugs, sondern von einer Privatmaschine, die „Erdogan aus Zuneigung geschenkt“ wurde. Als Passagierflugzeug kostet der Flieger vierhundert Millionen Dollar, der Wert für die VIP-Version wird auf mehr als sechshundert Millionen Dollar geschätzt. Da es sich aber um ein „Geschenk“ handelt, wissen wir natürlich nichts vom „Preisschild“. Das heißt, selbst wenn es gekauft worden wäre, hätten wir keine Chance zu erfahren, welche Summe dafür aus der Staatskasse floss. Warum nicht? Ich erkläre es Ihnen:

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