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Brecht und das Kaiserreich : War er nicht vielmehr Antirevolutionär?

  • -Aktualisiert am

Bertolt Brecht im Jahr 1918 Bild: akg-images

Über Bertolt Brechts politische Haltung glaubt man sich im Klaren: immer auf der linken Seite. Aber als vor hundert Jahren die alte Ordnung des Kaiserreichs zusammenbrach, agierte er unerwartet.

          8 Min.

          Brecht war unbequem, hin und wieder auch in der DDR. Dennoch herrschte meist Einigkeit darüber, dass er, nach einer „anarchischen“ Jugend, zum überzeugten Kommunisten und exponierten Repräsentanten einer sozialistischen Gesellschaftsform wurde. Für sie zu kämpfen, die Welt zu verändern, schuf er, in Theorie und Praxis, sein Episches Theater. So die Lehrmeinung vieler Jahre. Die Wirklichkeit sieht anders aus.

          Das zeigt die frühe Zeit, die oft nur als Phase angesehen wird, in der Brecht mehr den „Bürgerschreck“ markierte, als bedeutsame Werke zu schreiben. Dabei entwickelte er aus seiner Wahrnehmung des Ersten Weltkriegs und des Elends, das dieser brachte, heraus ein Verständnis der Revolution als Fortsetzung des Krieges und des Leids unter anderer ideologischer, nun roter Flagge. Nachweisbar ist dies erstmals in Zusammenhang mit der Räterevolution, deren Auswirkungen Brecht in Augsburg vor nun fast genau hundert Jahren unmittelbar mitbekam. Immun gegenüber der Revolution blieb er, trotz aller Lippenbekenntnisse, bis zu seiner Zeit in der DDR. Das zeigen Konstanten seines Werkes.

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