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Frauenquoten in der Forschung : Jetzt wird erst so richtig dekolonialisiert

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Inwieweit sind Quotenregelungen in Forschung und Lehre sinnvoll? Bild: dpa

Sollen in den Wissenschaften tatsächlich Quoten für Frauen und ethnische Minderheiten angepeilt werden? Der Effekt wäre fatal.

          In einem vor kurzem auf der Geisteswissenschaftsseite der F.A.Z. erschienenen Artikel  widmete sich eine Historikerin der Neupositionierung der „American Historical Review“ (AHR). Die Autorin Birte Förster, der wir eine interessante Studie über die Heroisierung der Königin Luise verdanken, feierte die angesehene amerikanische Zeitschrift dafür, dass sie nun endlich, wenn auch viel zu spät, versuche, sich zu „dekolonisieren“, und auch Frauen und Vertreter ethnischer Minderheiten zu Wort kommen lassen wolle. Wer den Beitrag liest, muss zu dem Schluss kommen, dass die AHR bis in die jüngste Vergangenheit systematisch versucht habe, die genannten Gruppen auszuschließen, sowohl bei den Aufsätzen wie bei den Rezensionen.

          Birte Förster spricht ausdrücklich von einem „System, das Exklusion auf vielfältige Weise zum Prinzip gemacht hat“. Kann das wirklich sein? fragt man sich verwundert. Immerhin haben jüngere Erhebungen konstatiert, dass an den vierzig führenden amerikanischen Hochschulen speziell unter Historikern auf jeden einzelnen eingetragenen Republikaner 33 Demokraten kommen. Nicht jeder Demokrat ist ein hartgesottener Linker, aber zumindest ein Liberaler im amerikanischen Sinne des Wortes wird er dann doch in der Regel sein. Und diese Leute sollen alle Rassisten und fanatische Frauenfeinde sein, die erst jetzt zur Besinnung kommen?

          Eine Reaktion als Spiegel des politischen Klimas

          Was Birte Förster nicht erwähnt, und das erstaunt, ist der konkrete Anlass für die Überarbeitung der editorischen Verfahren bei der AHR. Dieser Anlass war eine Rezension von zwei Seiten Umfang, die im Februar 2017 erschien. Gegenstand der Besprechung war eine Studie der Historikerin Ansley T. Erickson über die Geschichte der „School Desegregation“, also den Versuch, durch staatliche Maßnahmen dafür zu sorgen, dass die Schülerpopulation an möglichst jeder Schule ethnisch gleichmäßig gemischt ist. Der Autor der Rezension, Raymond Wolters, ein Emeritus, war schon in jüngeren Jahren dadurch aufgefallen, dass er das Schulsystem, das in den Südstaaten bis in die sechziger Jahre vorgeherrscht hatte und das auf der strengen Trennung weißer und schwarzer Schüler beruhte, verteidigt hatte. Seine Rezension von Ericksons Buch war nun keineswegs vernichtend, sondern eher verhalten kritisch, enthielt aber einen fatalen letzten Satz. Wolters schrieb, die Autorin habe die Erkenntnisse der „Soziobiologie“ vernachlässigt.

          Was er damit meinte, war ziemlich klar. Afroamerikaner seien nun einmal genetisch bedingt weniger intelligent, und dagegen helfe auch keine Form der Desegregation. Wer so etwas schreibt, muss sich zu Recht vorwerfen lassen, dass er im Nachhinein die massive rechtliche Benachteiligung von Afroamerikanern nach der Sklavenbefreiung rechtfertigen wolle. Eine solche Haltung kann man durchaus als rassistisch bezeichnen, ja muss es tun. Die Empörung über die Rezension ist also nachvollziehbar. Dass allerdings ein einziger Satz einer einzigen Rezension die AHR nunmehr genötigt hat, ihr gesamtes editorisches Verfahren auf den Prüfstand zu stellen, und der neue Herausgeber der Zeitschrift sich zu öffentlichen Bußübungen genötigt sieht, zeigt andererseits, wie vergiftet das politische Klima in den Vereinigten Staaten ist.

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