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Boy meets Grail (II) : Der Gral steht da einfach so rum?

Bild: F.A.Z.

Von Anfortas bis Indiana Jones: Der Heilige Gral hat schon einige Männer umgetrieben, in mittelalterlichen Romanen wird er gesucht, aber nie gefunden. Jetzt hat sich auch Tilman Spreckelsen auf den Weg gemacht. Und berichtet auf FAZ.NET von seiner Reise.

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          Von Anfortas bis Indiana Jones: Der Heilige Gral hat schon einige Männer umgetrieben, in mittelalterlichen Romanen wird wer gesucht, aber nie gefunden (siehe auch: Gralssuche: Hoffentlich wird er nie gefunden). Jetzt hat sich auch Tilman Spreckelsen auf den Weg gemacht. Und berichtet auf FAZ.NET von seiner Reise.

          Tilman Spreckelsen
          Redakteur im Feuilleton.

          Vielleicht ist doch noch Hoffnung mit Freund W. Der Gedanke kam mir heute Mittag, bei der Gralssuche in Huesca, als er auf einmal überraschenderweise den Eindruck erweckte, ganz bei der Sache zu sein.

          Wegen nichts heißt man nicht nach Petrus

          Bis dahin war der Umgang mit ihm eher unerfreulich. Als ich ihm beim Frühstück in Saragossa meine Beobachtung mitteilte, dass die Konferenzräume im Keller des Hotels mit seltsamen Symbolen markiert sind, ausgerechnet mit der Bourbonenlilie, und dass die Deckenlampen wie Steinschalen (!) aussehen (Foto: Beweismittel 1), was ja doch beides auf den Gral hindeutet, ich sage hier nur mal „Sang real“ und eben „Steinschale“, Dan Brown einerseits und Chrétien de Troyes andererseits, als ich ihn also mit diesen Hinweisen konfrontierte, seufzte er nur. Schwieg. Dann schlug er vor, dass jeder noch mal auf sein Zimmer geht, bevor wir losfahren. Von mir aus. Dass im Fahrstuhl ausgerechnet die bekanntlich schwer zahlensymbolische „Kunst der Fuge“ gespielt wird, erwähne ich ihm gegenüber lieber nicht.

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          Boy meets Grail (II) : Der Gral steht da einfach so rum?

          Die Straße von Saragossa nach Huesca folgt einem alten Römerweg, es geht an flachen, trockenen Ebenen vorbei und hin und wieder durch eine freigesprengte natürliche Barriere. In Huesca lassen wir alle großen Kirchen links liegen und schauen uns lieber die älteste an, die „San Pedro el Viejo“ heißt, und das allein prädestiniert sie schon zum Ort, an dem die Erben des aus Rom geflohenen Heiligen Lorenz den mitgebrachten Gral deponierten - denn wegen nichts heißt man nicht nach Petrus, und was könnte da passender sein als ein päpstlich übermitteltes äußerst heiliges Zeugnis des frühesten Christentums? Außerdem ist sie die älteste Kirche der Stadt, und weil ich keine Lust habe, mich mit W.s neunmalklugen Einwänden herumzuschlagen, schleife ich ihn zu San Pedro.

          Ich muss wohl etwas zu breit gegrinst haben

          Die wuchtige Schönheit dieser Kirche lässt auch ihn nicht kalt, und als ich ihm auf dem Altar ein bemaltes Glasfenster zeige, hält er wenigstens seinen widerwortefreudigen Mund: Ob das, frage ich triumphierend, etwa kein gemalter Kelch sei? (Foto: Beweismittel 2).

          Er gibt es zu. Dann führe ich ihn zu der großen Kathedrale der Stadt, wo an der selben exponierten Stelle über dem Altar wiederum ein großes Glasfenster ist, auf dem aber kein Kelch gemalt ist - noch Fragen? Gralskirche hier, Keingralskathedrale dort, alles klar? Ich muss wohl etwas zu breit gegrinst haben, denn W. schaut sich um und zeigt mir dann in einer Nebenkapelle der Kathedrale einen Wandteppich, auf dem ein Engel zu sehen ist, der dem Heiligen Lorenz eine Art Gral voranträgt. (Foto: Beweismittel 3). Nicht, dass man das nicht wegerklären könnte, immerhin stammt der Teppich aus dem Jahr 1914, und da nahm man es offenbar mit der verschütteten Tradition nicht mehr so genau, aber ärgerlich ist es trotzdem.

          „Ein besseres Versteck gibt es gar nicht“

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