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Böser Honig : Das Veganer-Virus hat offenbar schon Kinder infiziert

  • -Aktualisiert am

Nichts, was der Natur weggenommen wird: Wie ich einmal in einen Bioladen ging, der keinen Honig führte, und von meinem Sohn über die Gründe dafür aufgeklärt wurde.

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          Neulich, ich wollte gerade Honig kaufen, da entdeckte ich, dass bei uns um die Ecke ein neuer Bioladen eröffnet hat. Na prima, hier würde ich gesunden Honig bekommen. Sicherlich würde ich in dem schönen Laden mit viel Holz und angenehmem Licht Honig finden, der von glücklichen Bienen stammt, die ihr Imker noch alle persönlich mit Namen kennt. Umso perplexer war ich, als mir die freundliche Verkäuferin sagte, dass es in ihrem Laden gar keinen Honig gebe: „Wir sind ein Veganer-Laden.“ Als ich so darüber sinnierte, wie das eine wohl mit dem anderen zusammenhängt, sagte mein zehnjähriger Sohn nicht ohne jenen tadelnden Unterton in der Stimme, den ich sonst nur höre, wenn ich zur falschen Fußballmannschaft halte: „Aber Mama! Weißt du nicht, dass Veganer keinen Honig essen!?“

          Ich wusste es nicht. „Und weshalb nicht?“, fragte ich ratlos. „Na, die essen nichts, was der Natur weggenommen worden ist“, erläuterte mein Sohn. Deswegen äßen Veganer auch keine Äpfel, die an Bäumen hingen, sondern nur Fallobst. Die Verkäuferin nickte eifrig. Ich hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass mich das Weltwissen eines Zehnjährigen ausgerechnet mit veganer Lebensweise abhängen würde.

          Was wird aus den Bienen?

          Auf Kinder wirkt die vegetarische Lebensweise offenbar so anziehend wie das iPod. Meine siebenjährige Tochter bettelt darum, sich beim Essen im Schulhort wenigstens bei den Vegetariern anmelden zu dürfen. Ich habe ihren Wunsch bislang allerdings nicht erhört, weil ich sie im Verdacht hatte, dass es ihr vor allem um die doppelte Portion Kaiserschmarrn geht. Aber ich würde es auch prinzipiell nicht zulassen. Ich finde es seltsam, dass das Veggiesein inzwischen sogar unter Kindern Kultstatus genießt. Ob das gutgehen kann, vegan zu essen und gesund aufzuwachsen? Dann doch schon lieber Flexitarier - das sind die, die ihren Fleischkonsum bewusst reduzieren. Alles besser als Kangatarier. Die machen in ihrem Vegetarismus nur eine Ausnahme: bei Kängurufleisch.

          Aber was wird aus all den Bienen, wenn keiner mehr ihren Honig will? Ich sorgte mich bislang nur um das Bienensterben. Ich will mir gar nicht ausmalen, welch verheerende Folgen die große Bienenarbeitslosigkeit hätte. Übrigens: Der Veganer-Laden hatte zwar keinen Honig, dafür aber veganes Hundefutter im Programm. Wie das nun wieder zusammenpasst? Da muss ich wohl meinen Sohn fragen.

          Sandra Kegel

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

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