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Bundesweites Zentralabitur : Kant für alle

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Auf welche einheitlichen Prüfungsfragen werden sich die Länder bei einem Bundesabitur wohl verständigen, damit es nirgendwo zu Krawallen kommt? Bild: dpa

Die Forderung nach einem bundesweiten Zentralabitur könnte interessante Folgen haben: Wenn alle dieselben Prüfungen schrieben, wären dann nicht auch dieselben Fächer nötig? Und welcher Anspruch soll es sein?

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          Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) fordert energisch ein bundesweites Zentralabitur. Weshalb? Es bewürben sich schließlich, sagt sie, alle mit ihren Noten um die gleichen Studienplätze. Will sagen: Wenn es in Nordrhein-Westfalen oder Bremen leichter sein sollte, eine 1,2 im Abitur zu erlangen, als in Sachsen oder Bayern, läge darin eine Ungerechtigkeit. Also dieselben Prüfungen für alle. Aber dann auch dieselben Fächer für alle. Denn natürlich wäre es ebenso ungerechnet, wenn die einen zu ihren Noten durch Prüfungen in Mathematik und Chemie kämen, während die anderen solche schweren Fächer zugunsten von Religion und Sozialkunde abwählen könnten. (Zwischenfrage: Weshalb eigentlich sind manche Fächer leichter als andere, muss das so sein?)

          „Damit all das funktioniert“, so die Ministerin weiter, „brauchen wir auch vergleichbare Lehrpläne.“ Alle sollen dasselbe lernen, oder, wie man im Blick auf die Zeit kurz nach den Prüfungen sagen könnte: dasselbe vergessen. Freilich ist es mit der Gleichheit in Bildungsdingen so eine Sache. Nicht nur wird von Bundesland zu Bundesland ganz unterschiedlich unterrichtet, sondern auch von Schule zu Schule. Die Leistungsunterschiede zwischen den Schulen sind oft größer als die zwischen den Ländern.

          Welche Art von Prüfung?

          Was niemanden wundert, der weiß, nach welchen Gesichtspunkten sich die Schüler auf die Schulen verteilen: Wohnquartier, Ambition der Eltern, Aufnahmebereitschaft der Schule. Bei stark ungleichen Schulen wirft die Einführung eines Zentralabiturs deshalb die Frage auf, welche Art von Prüfung man vorsieht: eine eher leichte oder eine eher schwere. Zur notorischen Noteninflation beim Abitur beispielsweise ist es nicht zuletzt durch seine Zentralisierung in den Bundesländern gekommen, weil es politisch nicht vertretbar erscheint, dass bei erhöhtem Zugang zum Gymnasium halbe Klassen durch die Prüfungen fallen, nur weil es sich um Gymnasien mit schwächeren Schülern handelt. Also machte man ihretwegen die Prüfungen leichter, und also schossen bei den stärkeren Gymnasien die Einser-Abschlüsse wie Pilze aus dem Boden.

          Auf welche einheitlichen Prüfungsfragen also werden sich die Länder bei einem Bundesabitur wohl verständigen, damit es nirgendwo zu Aufständen der Schüler samt ihrer Eltern kommt? Ministerin Eisenmanns Vorschlag, sollte er einer Qualitätssicherung durch Zentralisierung dienen wollen, verlangte mithin eiserne politische Nerven und eine starke Durchhaltefähigkeit gegenüber den Protesten derer, die nicht gut abschneiden werden. Viel einfacher wäre es jedoch, der Ungerechtigkeit beim Hochschulzugang anders zu begegnen: durch Eingangsprüfungen.

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