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Bitcoin-Studie aus Peking : Wenn der Chinese zahlt, geht das Klima in die Knie

Die Cyber-Devide Bitcoin hat sich aktuell wieder verbilligt - auf knapp 55.000 Dollar. Bild: AFP

Seltsame Selbstanklage aus Peking: Akademieforscher warnen vor dem Klimaschaden, der durch die Stromfresser-Währung Bitcoin verursacht wird. Was nun, reicher Genosse?

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          Diejenigen, die das Internet immer noch für eine Gratis-Spielhölle halten oder für eine verbale Kotztüte (und es auch genau so bespielen), können sich gar nicht vorstellen, was sich da drinnen wirklich abspielt. Digitaler Unterricht – auch so eine Bewegung, die arglos daherkommt und doch, wie wir inzwischen wissen, eine ganze analoge Republik um den Verstand bringen kann.

          All das ist aber nichts gegen den weltumspannenden elektronischen Tsunami, den ein paar Kryptoökonomen der nationalen Wissenschaftsakademie in Peking in den Blick genommen haben und vor dem sie nun die Welt schriftlich warnen. In „Nature Communications“ liefern sie eine Zwischenbilanz und zugleich eine Prognose des gewaltigen Energiehungers, der mit der digitalen Kryptowährung Bitcoin in die analoge Welt ausstrahlt. Sie erinnern sich: Bitcoin, das ist das Geld der Zukunft. Ein paar Cyberpunks hatten vor Jahren die Idee, man müsste für morgen eine Welt ohne Banken schaffen. Jeder zahlt mit Hilfe einer digitalen Gelddruckmaschine. Diese „Blockchain“ produziert aber nur virtuelles Geld, wenn die Internetnutzer ihre Datensätze über ein kryptographisches Verfahren miteinander verbinden und damit ein mächtiges Rechnernetzwerk beschäftigen. In diesem Netzwerk wird immer neue digitale Währung geschürft („Mining“) – wie im Bergwerk. Und zwar durch Rechenprozesse, die so aufwendig sind, dass ein Bitcoin gar nicht so einfach zu bekommen ist und als knappes Gut damit seinen Preis erhält. Der ist praktisch explodiert, von ein paar Dollar auf bald Zehntausende in diesem Frühjahr.

          In Finanzmarkt, Handel und Logistik, im „Internet der Dinge“, ja fast schon selbstverständlich auch in der Kunstszene wird die Kryptowährung neben ein paar anderen virtuellen Währungen so megamäßig gehypt, dass die Bitcoin-Rechenzentren auf der Welt inzwischen aus allen Nähten platzen. In China fressen sich gleich neben den Kohlekraftwerken die Bitcoin-Bergwerker ihre digitalen Bäuche voll. Überall auf der Welt verschlingen die überhitzten Server-Parks Energie in unvorstellbaren Mengen. 297 Terawattstunden – so viel verbraucht ganz Italien – werden es beim aktuellen Trend in drei Jahren allein in China sein. Damit landet der Bitcoin aus dem Reich der Mitte theoretisch im Länderranking an zwölfter Stelle.

          Nicht dass die Pekinger Nationalökonomen nun Sorge hätten, die Bitcoin-Fabriken könnten energetisch aushungern, keineswegs. Angeblich fürchten sie vor allem eines: den Klima-GAU. Denn mit 130 Millionen Tonnen Kohlendioxidemissionen allein aus dem eigenen Bitcoin-Markt wird die chinesische Kryptowährungsindustrie bereits 2024 die klimaschädlichen Emissionen von Spanien oder Tschechien überflügeln. Das ist, genau betrachtet, mehr als alle Deutschen mit ihrem Fleischkonsum (laut aktueller WWF-Schätzungen 112 Millionen Tonnen jährlich) verursachen. Allerdings sind vegetarische Visionen jetzt vielleicht auch nicht das drängendste Problem.

          Joachim Müller-Jung
          (jom), Feuilleton, Natur & Wissenschaft

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