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Biogramm : Sein Name ist Bienlein, Balduin Bienlein

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Reiseziel Mond. Professor Bienlein mit Rakete Bild: @pt

Entstanden ist er als Karikatur des Tiefseeforschers Piccard. Doch Hergés Professor Bienlein entwickelte sich schnell zu einem eigenständigen Charakter und ist bis heute eine der liebenswürdigsten Figuren des Universums von Tim und Struppi.

          „Ich möchte Herrn Tim sprechen!“ Mit diesen Worten trat der zerstreute und fast taube Professor Tryphon Tournesol erstmals 1943 auf. Mit erstaunlicher Hartnäckigkeit versuchte er, Tim ein Tauchgerät in Form eines Haies zu verkaufen. Lesen konnten die Fans von „Tintin et Milou“ diese Szenen im Vorabdruck von Hergés Album „Le Trésor de Rackham Le Rouge“ („Der Schatz Rackhams des Roten“) in der Brüsseler Tageszeitung „Le Soir“.

          Das Männchen mit der struppigen Haarkrause am Hinterkopf, Ziegenbart und Nickelbrille wurde in den folgenden Jahren zu einer der populärsten Figuren der Serie „Tim und Struppi“. Zum Auftreten des Professors gehörten das grüne Hütchen samt antiquiertem Gehrock in gleicher Farbe, ein schwarzer Regenschirm und sein Pendel.

          Fort, ihr Otterngezücht“

          Der Typus des zerstreuten Gelehrten hatte den Zeichner Georges Remi schon früher gereizt. So entstanden Figuren wie der Astronom in „L'Etoile mystérieuse“ von 1941/42 („Der gemeinisvolle Stern“). Der vergessliche Experte für historische Siegel, Nestor Halambique, trat gar bereits in „Le Sceptre d'Ottocar“ von 1938/39 („König Ottokars Zepter“) auf.

          Aber erst mit der Person des schrulligen Wissenschaftlers Tournesol schuf Hergé einen dauerhaften Charakter, der das, wie Hergé es selbst formulierte, „romantische“ Motiv des zerstreuten Gelehrten aufnahm. Angeregt wurde er zu dieser Figur, so sagte der Zeichner selbst, durch den französischen Ballonfahrer und Tiefseetaucher Professor Auguste Piccard. Dessen Entwicklung des Tiefseetauchgerätes Bathyscaphe persifliert Hergé in „Le Trésor de Rackham Le Rouge“ mit Tournesols Mini-Unterseeboot.

          Von zentraler Bedeutung ist Tryphon Tournesol auch in Hergés beiden nächsten Alben „Les 7 boules de cristal“ von 1943/44 („Die sieben Kristallkugeln“) und „Le Temple du Soleil“ von 1946 bis 1948 („Der Sonnentempel“). In „Objectif Lune“ von 1950 bis 1952 („Reiseziel Mond“) und „On a marché sur la Lune“ von 1952/53 („Schritte auf dem Mond“) steht Tournesol schließlich mit seiner Erfindung einer Mondrakete im Mittelpunkt. Das ließe auch der Titel von „L'Affaire Tournesol“ („Der Fall Bienlein“) vermuten, erschienen 1954/55. Doch dieser Band handelt vor allem von der Suche nach dem entführten Professor. Auch in „Tintin au Tibet“ von 1958/59 („Tim in Tibet“) spielt Bienlein nur eine marginale Rolle.

          Das ändert sich in dem als Kammerkomödie angelegten Album „Les Bijoux de la Castafiore“ von 1961/62 („Die Juwelen der Sängerin“), worin Tournesols verwirrende Bemerkungen zum Leitmotiv werden. In „Vol 714 pour Sidney“ von 1966/67 („Flug 714 nach Sidney“) verrät Tournesol den Lesern dann, dass er früher ein Meister der Kampfsport-Art „Savate“ war. Und in „Tintin et les Picaros“ von 1975/76 („Tim und die Picaros“) macht der Professor eine Erfindung, die Kapitän Haddock am Sinn seiner Existenz zweifeln lässt.

          Älter geworden ist der Professor in all den Jahren nicht. Vielmehr saust er auf Rollschuhen durch seinen Park. Und Autofahren will er auch noch lernen - denn ohne das komme man heute doch nicht mehr aus.

          Von Sonnenblumen und Bienlein

          Die oft dadaistisch anmutenden Dialoge zwischen Professor und Kapitän in der deutschen Ausgabe der Serie sind so gelungen übersetzt, dass sie als Zitate längst eine Eigendynamik erlangt haben - ähnlich der Textfragmente aus Asterix oder Donald Duck. Eine Popularität vergleichbar der Zitate aus dem gallischen Epos von René Goscinny und Albert Uderzo erreichten aus Tim und Struppi allerdings nur die Schimpf-Kanonaden von Kapitän Haddock. Sinn für die Sprachkomik in „Tim und Struppi“ haben offenbar vor allem die älteren Leser: 1996 wählten die über 40 Jahre alten Fans der Serie Tournesol zum zweitbeliebtesten Charakter nach Kapitän Haddock.

          Bei der Übersetzung des Namens Tryphon Tournesol kapituliert die deutsche Version vor der Verführung der Alliteration: Die Kombination aus dem Namen des kleinasiatischen Märtyrers Tryphonius und der prachtvoll leuchtenden Sonnenblume kommt im Deutschen eher unscheinbar als Balduin Bienlein daher. Die holländische Variante zeigt sich da mit Trifonius Zonnebloem stärker am Original orientiert. Ebenfalls für die Buchstabengleichheit entschieden sich dagegen die Briten: Dort nennt sich der Professor Cuthbert Calculus.

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