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Porträt : Billy Bob Thornton - der Hollywood-Bohémien

  • -Aktualisiert am

Anti-Frisör: Billy Bob Thornton Bild: dpa

Im neuesten Film der Coen-Brüder spielt Billy Bob Thornton einen Frisör. Dabei wirkt der Charakterkopf eher unrasiert. Ein Porträt.

          Irgendwie wirkt dieser Mann immer unrasiert. Vom Stand seiner Bartstoppeln scheint dieser Eindruck jedoch nicht unbedingt hervorgerufen zu sein. Billy Bob Thornton ist der Prototyp des Unrasierten. Auch wohl barbiert verbreitet er ein Fluidum vergangener Jugendfrische. Ihn umweht die melancholische Aura durchwachter Nächte. In seinem verwitterten Lächeln hängen die Spuren hilfloser Traurigkeit. So einem steht der Sinn nicht nach der sorgfältigen Erarbeitung eines gefälligen Äußeren.

          Dass ausgerechnet der ungeschönte 46-Jährige in der bildschönen Film-Noir-Etüde "The Man Who Wasn't There", die am 8. November in die deutschen Kinos kommt, einen Friseur spielt, scheint auf den ersten Blick etwas abwegig. Billy Bob Thornton ist der Antifrisör. Doch grade aus dieser "Fehlbesetzung" bezieht die Tragödie, des "Mannes, der nicht da war", Spannung und Überzeugungskraft. Man sieht, dass dieser Frisör nicht dahin gehört, wo er grade ist. Der Ausdruck von Melancholie, der seine irritierende Ruhe und die resignierte Sprachlosigkeit begleitet, bleibt Thorntons einziger Kommentar zur Ausweglosigkeit seiner erfolglosen Existenz.

          Antiquitäten-Phobie

          Thornton setzt allerdings nicht nur auf sein So-Sein, er spielt damit. Er reduziert seine äußeren Bewegungen auf ein Minimum und lässt so seine physische Präsenz gegen seine Rolle wirken. Seit Humphrey Bogart hat das niemand mehr so eindrucksvoll gemacht. Das ist das Gegenteil der modernen Superstar-Performance à la Tom Hanks, denn der Star versucht heute mit seiner Rolle komplett identisch zu erscheinen. Das erreicht man auch dadurch, dass man ihn immer wieder die gleiche Rolle durchspielen lässt. Im Idealfall entdeckt man dann auf der Leinwand Eigenschaften, die an der Person des Schauspielers bekannt sind.

          Dieses Komplettpaket von Persönlichkeit und Rolle hat man in Drehbuch und Vermarktung der Komödie "Banditen" aufs Korn genommen, die am 1. November in die deutschen Kinos kam. Billy Bob Thornton und Bruce Willis spielen ein Gaunerduo: Thorntons Bankräuber wird von einer Antiquitäten-Phobie gequält, unter der der Schauspieler auch privat zu leiden behauptet. Bis dahin war diese Spielart der psychischen Störung allerdings völlig unbekannt. Die Offenheit, mit der Thornton diese Schwäche bekennt, scheint also weniger auf ein sympathische Eingeständnis persönlicher Verletzlichkeit zu weisen, als auf ein geschicktes PR-Konzept.

          Elektrischer Stuhl am Esstisch

          Offenbar bastelt Thornton weiter an dem stattlichen Außenseiterimage, dass er und seine Gattin Angelina Jolie aufgebaut haben. Einige der wohlpublizierten Sonderbarkeiten: Als Hochzeitsgeschenk verehrte sie ihm eine Doppelgrab. Den Treueschwur, den Billy seiner Angie zum einjährigen Jubiläum ihrer Ehe überreichte, hatte er mit eigenem Blut geschrieben. Eine amerikanische Gazette berichtete von den neu angeschafften SM-Möbeln in der Beverly Hills Villa, die das Paar von Guns'N'Roses Gitarrist Slash gekauft hatte. Der elektrische Stuhl, den sie neuerdings an ihrem Esstisch für besonders langweilige Gäste aufgestellt haben, gehört zur neusten Verbesserung des Haushaltes. Sehr unkonventionell. "La Bohème" à la Hollywood. Ganz klar inspiriert von der Adams Family.

          Kürzlich "gestand" Billy Bob Thornton neben seiner "Antiquitäten Phobie" auch seine Leidenschaft für die Unterwäsche seiner Gattin, die er trägt, wenn er ohne deren Besitzerin auskommen muss. Und zum Interview hat er den Song "Forever" komponiert und einen passenden Text hinzugedichtet - veröffentlich auf seiner grade erschienen CD "Privat Radio". Ohne den öffentlichen Erfahrungsbericht im Interview hätte man die Liebesbekundung des Songtextes als aufregend übersteigerte Leidenschaft verstehen können. Nun klingt das Lied mehr wie der Soundtrack zum Leben der Berühmtheit. Schade, denn für sich genommen sind Thorntons Country Balladen gar nicht so schlecht. Er hat Talent. Sein Drehbuch für "Sling Blade" brachte ihm einen Oscar ein und als Schauspieler war er auch schon zweimal nominiert ("Sling Blade" u. "Simple Plan"). Aber mit Talent allein wird man nicht berühmt.

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