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Twittern im Museum : Alles aus zweiter Hand

  • -Aktualisiert am

Bild: @HannahLühmann

Das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt hat eine Ausstellungsführung veranstaltet, von der die Teilnehmer auf Twitter berichteten. Was bringt solch ein Tweetup - vor Ort und zu Hause am Rechner? Ein doppelter Selbstversuch.

          9 Min.

          Hannah Lühmann - im MMK:

          Eigentlich ist alles, wie es immer ist zu Beginn einer Museumsführung: Eine mittelgroße Gruppe von Menschen trifft sich im Foyer des Frankfurter Museums für Moderne Kunst. Es ist Mittwochabend, viertel nach sechs, die Führung beginnt in einer Viertelstunde. Man begrüßt sich, tauscht Freundlichkeiten aus, sagt, dass man sich sehr auf die Ausstellung freut. Peter Gorschlüter, der stellvertretende Direktor des Museums, wird uns durch das Werk der niederländischen Foto- und Videokünstlerin Rineke Dijkstra führen. Viele der Wartenden halten ein Smartphone in den Händen, auch das ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Aber unser Treffen ist keine normale Führung, sondern ein sogenanntes „Tweetup“.

          Teilnahmebedingung ist, dass man ein Smartphone oder Tabloid mitbringt. Denn die Teilnehmer sollen ihre Eindrücke synchron über den Microbloggingdienst Twitter mitteilen können – seien es Informationen über einzelne Ausstellungsobjekte, seien es Stimmungseindrücke, Begeisterungsäußerungen vor einem Werk. Ich frage mich kurz, wann ich zuletzt solche mitteilungswürdigen Gefühlsaufwallungen im Museum hatte.

          Adressaten dieser Mitteilungen sind, so der Plan der Veranstalter, twitter-affine Menschen, die, zuhause am Computerbildschirm oder unterwegs auf dem Display ihrer Smartphones, verfolgen, was die Besucher so ins Internet schicken. Das soll ihnen einen Eindruck verschaffen. Auch können sie den Ausstellungsbesuchern über Twitter Fragen stellen.

          Natürlich können auch die Twitterer vor Ort die Kommentare der Mitbesucher lesen, auf diese reagieren, sie „favorisieren“ oder schlicht ignorieren. Besondere Herausforderung dabei: „Tweets“ haben exakt 140 Zeichen – was auch immer man zu sagen hat, man muss es kurz sagen. Eine künstliche Situation - verglichen mit dem Gespräch unter Freunden nach einem gemeinsamen Ausstellungsbesuch.

          Das Foyer füllt sich langsam. In leicht nervöser Erwartung der ersten Tweets behalte ich mein Smartphone im Blick. Schon jetzt habe ich das Gefühl, ja nichts verpassen zu dürfen. Einer von uns, offenbar ein Social-Media-Profi, schickt erst einmal ein Foto des Ausstellungsplakats ins Internet: „Und darum geht‘s gleich.“ Warum auch nicht?  Es geht um: Rineke Dijkstra, 23.2. – 26.5.2013, Krazy House.

          Das Heranwachsen von Jugendlichen, Verletzlichkeit, Körperlichkeit, - das sind die Themen, die die Künstlerin beschäftigen. Das ist, was ich in Tweetlänge über die Künstlerin weiß. Mit ihrem Werk war ich nicht sehr vertraut und habe beschlossen, es dabei zu belassen. Denn schließlich ist das hier ein Experiment, und die Frage ist, ob es überhaupt möglich ist, etwas von einer Ausstellung mitzubekommen, wenn man gleichzeitig den Erläuterungen des Führers lauschen und das anfallende Multitasking-Programm erledigen will. Aber vielleicht geht es auch gar nicht darum, etwas Inhaltliches zu vermitteln. Vielleicht ist die Aktion eher eine Performance, ein Museumsflashmob mit medienkritischem Anspruch, der zeigen soll, wie kurzatmig das Kulturerleben geworden ist in einer Gesellschaft, in der sich alles ständig mit jedem auf Twitter oder Facebook teilen lässt, in der sich für manchen auch der Wert einer Ausstellung in den digitalen Einheiten von „Likes“ oder „Followers“ ausdrückt.

          „Tweetups“ gibt es mittlerweile in mehreren deutschen Städten; in Frankfurt werden sie von „kultup“ organisiert, einem Social-media-Team, bestehend aus zwei Frauen, den Kulturbloggerinnen Ulrike Schmid und Birgit Schmidt-Hurtienne. Auch sie werden aus der Ausstellung twittern. Das Tweetup am Mittwochabend ist das zweite seiner Art im MMK – von solchen Aktionen erhofft sich das Museum eine Antwort darauf, wie digitale Medien so in den Museumsbetrieb integriert werden können, dass junge Besucher sich angesprochen fühlen und möglicherweise ganz neue Arten von Kunsterleben entstehen. Auch für die Organisatoren ist das ein Experiment, sagen sie.

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